NB-IoT versus LoRa und Sigfox Der Angriff der Telcos

Douglas Schmerber, Semtech

»Erst durch unsere Techniken wurden die Telekommunikationsunternehmen gefordert, selber in die LPWAN-Richtung zu entwickeln und die entsprechenden Standards zu setzen.«
Douglas Schmerber, Semtech: »Erst durch unsere Techniken wurden die Telekommunikationsunternehmen gefordert, selber in die LPWAN-Richtung zu entwickeln und die entsprechenden Standards zu setzen.«

Mit NB-IoT wollen die Telcos sich Terrain im LPWAN-Markt zurückerobern. Doch stehen die verschiedenen Techniken tatsächlich im Wettbewerb miteinander?

Wie überall im IoT-Markt gilt auch hier: Die Techniken stehen bis zu einem gewissen Grad im Wettbewerb, doch um das volle Potenzial ausschöpfen zu können, müssen die Firmen kooperieren – obwohl sie teilweise im Wettbewerb stehen. IoT funktioniert einfach ohne Partnerschaften nicht.

Doch selbstverständlich wollen die Telekommunikationsunternehmen nun den LPWANs im unlizenzierten Spektrum kräftig Konkurrenz machen, wenn auch etwas spät. »Hätte es uns nicht gegeben, dann hätten sich die Telcos nicht bewegt«, erlaubt sich Aurelius Wosylus zu bemerken. Das sieht sein Kollege Douglas Schmerber, Director European Sales von Semtech, genauso: »Erst durch unsere Techniken wurden die Telekommunikationsunternehmen gefordert, in diese Richtung selber zu entwickeln und die entsprechenden Standards zu setzen.«

Dennoch sehen alle Teilnehmer der Diskussionsrunde genügend Platz für alle Mitspieler in dem schnell wachsenden Markt. Die genannten Techniken würden sich dann auch ihren jeweiligen Anteil am Kuchen herausschneiden.

»NB-IoT ist sicherlich komplementär«, erklärt Dr. Thorsten Kramp, Mitgründer von TrackNet, der gegenüber einer zusätzlichen Technik im lizenzierten Spektrum nichts einzuwenden hätte. Auch Thomas Randt, Regional Sales Director DACH und Benelux von Telit, sieht das sehr gelassen. Allerdings ist er überzeugt, dass das Kuchenstück für die Telcos recht ordentlich ausfallen werde. »Sigfox und LoRa haben zwar einen großen Zeitvorsprung, doch NB-IoT könnte schon einen großen Teil der IoT-Anforderungen abdecken.«

Da ist sich Aurelius Wosylus nicht so sicher, gerade weil auch er keine Berührungsängste kennt: »Wir arbeiten ja mit Telcos zusammen, beispielsweise mit Telefonicá. Sigfox und NB-IoT sind keine konkurrierenden Techniken.«

Douglas Schmerber argumentiert ähnlich: »Wir stellen mit LoRa eine Basistechnologie zur Verfügung, und Telcos, beispielsweise Orange in Frankreich, nutzen sie.« Was die einzelnen Firmen mit der LoRa-Technik so alles anstellen, dem steht er eher neutral gegenüber. Viele Firmen haben bisher die Strategie verfolgt, erst die Masten aufzustellen und dann das Netz aufzubauen. Interessant findet er den Ansatz von TrackNet, die den umgekehrten Weg, also von innen nach außen geht. »Dass dies jetzt möglich ist, halte ich für bemerkenswert.«

Auf ein weiteres Problem macht Oswald Maurer, Geschäftsführer von Weptech, aufmerksam: »Es ist sehr schwierig, die Leistungsaufnahme bewegter Objekte vorherzusagen, die die Zellen öfter wechseln. Diese Zellenwechsel müssen unbedingt in die Energiebetrachtungen mit eingehen.«

»Das ist ein wichtiger Punkt«, ergänzt Peter Grundig, Geschäftsführer von GREATech. »Die Energiebilanz ist bei mobilen Produkten sehr wichtig und muss meist aufwändig kalkuliert werden. Wer Sigfox einsetzt, der weiß genau, was der einzelne mobile Knoten verbraucht. Bei NB-IoT weiß er es nicht. Da kann nach zwei bis drei Jahren die Batterie schon leer sein, auch wenn sich der Knoten nur einmal pro Tag einloggt.«

Und wer Sigfox einsetze, der müsse sich über Roaming eben gar keine Gedanken machen. Es gibt auch keine großartigen Verträge, die Module sind vorverifiziert, nur den Duty-Cycle muss man wissen.«

Wie der Stand bei den Telcos aussieht, dazu hat er ein Beispiel parat: »Ich war kürzlich auf einer Breitband-Konferenz. Keiner konnte dort sagen, wann NB-IoT ausgerollt wird. Verbindliche Pläne scheint es nicht zu geben.« Pilotprojekte würden zwar durchgeführt, wie er einräumt, er rechnet aber nicht damit, dass schon vor Ende des Jahres absehbar sein werde, wie die Telcos sich die Einführung von NB-IoT schlussendlich vorstellten.

A propos Roaming: Technisch dürfte das kein Problem sein, allerdings besteht hier noch regulativer Handlungsbedarf. Die EU müsste das Thema klären, und laut Aurelius Wosylus stünden dem Roaming global gesehen doch noch einige Hürden entgegen. Ob das mit dem Release 14 schon abschließend definiert werden könne?

Die IC-Hersteller arbeiten allerdings schon an konkreten NB-IoT-Produkten und haben selbstverständlich konkrete Preisvorstellungen. »Wir haben alle Module weltweit zertifiziert«, sagt Thomas Lorbach, Product Marketing Manager von NXP. Sie kosten ohne Leistungsverstärker derzeit zwischen 2,50 und 3 Dollar. Es sei aber abzusehen, dass der Preis mit steigenden Stückzahlen weiter falle.

Die Telcos benötigen NB-IoT aber noch aus einem anderen Grund. Sie wollen über die Zeit 2G abschalten, die einen schneller, die anderen langsamer. Fest steht aber: Ein Fall-Back für 2G über die kommenden fünf bis zehn Jahre ist wichtig.
Im Grunde sind alle Teilnehmer des Forumsgesprächs der Markt&Technik überzeugt, dass sowohl LoRa und Sigfox als auch die zellulären Techniken ihre Berechtigung haben und sich ihren Anteil am Markt erobern werden – und sich teilweise auch ergänzen.