TrackNet – das Geschäftsmodell Den Infrastrukturkosten entgehen

Aurelius Wosylus, Sigfox

»Es kommt nicht auf die Connectivity an, sondern auf das Geschäftsmodell.«
Aurelius Wosylus, Sigfox »Es kommt nicht auf die Connectivity an, sondern auf das Geschäftsmodell.«

Wie lassen sich die Kosten für die LPWAN-Betreiber und Endanwender reduzieren und gleichzeitig neue Möglichkeiten der Vernetzung schaffen? Darauf will TrackNet eine Antwort geben.

Wir gehen von dem Tower-basierten Deployment ab und verfolgen ein hybrides Indoor/Outdoor-Konzept«, sagt Dr. Thorsten Kramp, Mitgründer von Tracknet. Dieses Konzept basiert auf LoRa, und das dürfte nicht von ungefähr kommen. Das Unternehmen mit Sitz in der Schweiz und einem Büro im Silicon Valley hat nämlich Hardy Schmidbauer mit einigen anderen LoRa-Kämpfern der frühen Stunde gegründet. Einer davon ist Dr. Thorsten Kramp. Er war zuvor Master Inventor von IBM Research, hat die Entwicklung des IBM-LoRaWAN-Netzwerkservers (IBM LRSC) verantwortet und die LoRaWAN-1.0-Spezifikation als einer von vier Autoren mit erarbeitet, die die Grundlage der LoRa Alliance bilden. Da ist es keine Wunder, dass er auf diese Technik setzt: »LoRa bietet ein gutes Potenzial, und wir setzen es wirtschaftlich sinnvoll um.«

An der wirtschaftlich sinnvollen Umsetzung habe es in der Vergangenheit gehapert. Ein Grund dafür: »Nur die Connectivity zur Verfügung zu stellen und darüber Geld verdienen zu wollen – das funktioniert nicht.« Wenn Aurelius Wosylus von Sigfox von einer Preisspanne von 1 bis 8 Euro pro Device und pro Jahr spreche, so könne er nur sagen: »Schon 1 Euro wäre zu teuer. Wie soll das Geschäftsmodell, nur Connectivity zur Verfügung zu stellen, dann jemals funktionieren?«
»Es kommt nicht auf die Connectivity an, sondern auf das Geschäftsmodell«, kontert Aurelius Wosylus von Sigfox. Doch Kramp beharrt: »NB-IoT bietet einen ganz anderen Wert für den Anwender als die Konnektivität im ISM-Band, allein dafür wollen die Anwender aus gutem Grund nicht bezahlen. Es kommt darauf an, dass wir die Lösung für ein Problem bieten.«

Das sieht Oswald Maurer von Weptech ähnlich: »Die Telcos bieten den Service über die Cloud, das ist das Geschäftsmodell. Dass dazu Daten übertragen werden müssen, ist nur ein notwendiges Übel.« Der Fokus läge eben nicht auf der Vernetzung, sondern auf der Cloud. Was für sein Unternehmen durchaus positiv zu Buche schlägt: »Dazu müssen dann aber Daten bewegt werden, und das ist schön, denn dann haben wir was zu tun.«

Doch auch Aurelius Wosylus sieht sich nicht als bloßer Anbieter von Connectivity: »Als Sigfox sind wir Netzwerkanbieter und stellen die damit verbundenen Services zur Verfügung, von der Geolocation bis zur Verschlüsselung. Die Auswertung der Daten überlassen wir allerdings denen, die das gerne machen. Da wollen wir uns nicht einmischen.«

Oswald Maurer hat dabei den Blick schon etwas weiter in die Zukunft gerichtet. »Was kann man denn aus der Cloud machen?«, fragt er und gibt gleich die Antwort: »Prozesse abbilden – aber in Echtzeit? Wie wäre es mit kaskadierbaren Clouds oder Internets der Clouds. Das ist ein riesiger Markt, den viele noch gar nicht richtig sehen.« Eine Idee hätte Dominikus Hierl auf jeden Fall schon einmal: »Alle Autos melden, ob ihre Scheibenwischer eingeschaltet sind. Dann ist bekannt, wo es gerade regnet. Da lassen sich viele neue Geschäftsmodelle entwickeln.«

Doch zurück zu TrackNet: Das Unternehmen setzt auf eine neue Installationsstrategie, um die CapEx- und OpEx-Kosten für ein Netzwerk zu reduzieren. Deshalb fokussiert sich TrackNet zunächst auch auf den Consumer-Markt und das Facility-Management. In dem Maße, wie die Consumer sich die entsprechenden Gateways kaufen, wächst das Netz.

Und warum tun sie das? Weil sie sich handfeste Vorteile versprechen, beispielsweise weil sie wissen, wo die Kinder sind. Facility-Manager könnten die Vorteile ebenso schnell umsetzen.

Dazu will TrackNet komplette Systeme entwickeln, zu denen Apps für die Endanwender, Sensoren, Gateways sowie Netzwerkmanagement gehören. Deshalb ist Kramp überzeugt, dass das Unternehmen schnell wachsen kann, wenn es diese Märkte anvisiert. So könne eine gute Netzabdeckung sowohl in Häusern und Gebäuden als auch über ganze Stadtviertel und Regionen erreicht werden. Deshalb rechnet er mit einem schnellen Return of Investment.

Sobald genügend Geräte installiert sind und eine ausreichende Abdeckung vorhanden ist, will sich TrackNet dem Industriesektor und Smart-City-Projekten zuwenden. Deshalb hat TrackNet auch von vorneherein darauf geachtet, dass das Netz skalierbar ist. In einem hybriden Szenario – ganz auf Masten will auch Tracknet ab einem gewissen Ausbaustadium nicht verzichten – können 100 Mio. Gateways eingebunden werden.

Umgesetzt hat TrackNet dies zunächst mit „Tabs“, ein Smart-Home-System, das einen WiFi- und einen LoRa-Hub mit verschiedenen Funksensoren und einer einfach zu bedienenden App kombiniert. Jedes Tabs-Netz basiert auf einem Wireless-Hub, der die Sensoren in der gesamten Nachbarschaft und in Gebäuden verbindet. Ein Tab-Extender gewährleistet die Abdeckung an Orten, die die Familienmitglieder häufig frequentieren, wie Schulen, Tagesbetreuungen und Häuser von Freunden. Der Tab-Extender ist ein Sensor-Hub ohne WiFi-Router-Funktion. Installieren immer mehr Nutzer die Tabs-Hubs und -Extender, können sie sich vernetzen und zusammenarbeiten. So baut sich die Netzabdeckung über eine ganze Stadt oder Region auf und verbessert sie. Und Eltern können ihre Kinder sicher lokalisieren. Dazu lassen sich verschiedene Sensoren im eigenen Haus und in Gebäuden wie Schulen einbinden und eine umfassende Internet-Kindersicherung aufbauen.