Seit 25 Jahren erfolgreich Den Code-Fehlern auf der Spur

PLS Programmierbare Systeme & Logik hat sich im Laufe der Jahre zu einem der Technologieführer im Bereich Multicore-Debugging entwickelt.

Markt&Technik: Was hat Sie dazu bewogen, ein eigenes High-Tech-Unternehmen zu gründen, und das auch noch komplett ohne Beteiligung westlicher Geldgeber?

Thomas Bauch: Unsere damalige Aufbruchstimmung wurde ja nicht nur vom Mauerfall getragen. Als wissenschaftliche Mitarbeiter der auch zu DDR-Zeiten international anerkannten TU Dresden standen uns damals schon die aktuellen Entwurfssysteme und Rechnergenerationen für unsere Arbeit zur Verfügung. Parallel dazu waren uns die Veröffentlichungen der wichtigen internationalen Fachkonferenzen zugänglich. Wir wussten also immer ziemlich genau Bescheid, wann was im Elektronikbereich irgendwo auf der Welt gerade neu entwickelt wurde, was gerade der aktuelle Stand der Dinge war.

Das schlug sich natürlich auch in der Forschungsarbeit nieder.

Thomas Bauch: Ja, so zählte unser Institut im Bereich Entwurfsautomatisierung für semi-kundenspezifische Schaltkreise zu einem auch international anerkannten Partner. Durch unsere wissenschaftliche Tätigkeit in diesem Bereich mussten wir uns außerdem von Anfang an sehr eng mit allen Facetten der Halbleiterentwicklung inklusive der physikalischen Grenzen der Lithographie-Prozesse, modernen Skalierungsmethoden etc. auseinandersetzen. Was lag da näher, als dieses Wissen dafür zu nutzen, fortan Halbleiterhersteller mit selbst entwickelten Entwurfswerkzeugen bei der Entwicklung semikundenspezifischer Schaltkreise zu unterstützen.

Ursprünglich galt der Fokus also Entwurfswerkzeugen, wie sie auch von Cadence oder Mentor Graphics angeboten werden?

Thomas Bauch: Stimmt. Das spiegelt sich ja ein Stück weit auch in unserem Firmennamen PLS Programmierbare Logik & Systeme und im Handelsregistereintrag wider. Hier steht bis heute unter Unternehmenszweck ‚Entwicklung und Vertrieb elektronischer Systeme und Komponenten einschließlich Software‘. Im Bereich Entwurfswerkzeuge hatten wir ja auch unsere umfassende fachliche Expertise. Das wir irgendwann mit einem ganz anderen Produkt namens ‚Universal Debug Engine‘ (UDE) erfolgreich sein würden, ahnte damals noch niemand von uns.

Was war denn der Auslöser für den frühen Richtungsschwenk in Richtung Debugger?

Dr. Stefan Weiße: Ein Industrieprojekt, für das ein Mikrocontroller benötigt wurde. Konkret ging es um einen Fahrtenschreiber, denn wir mit Hilfe einer SAB 80C166-MCU entworfen haben. Schon am Anfang der Entwicklung stellten wir sehr schnell fest, dass für diesen heute legendären Mikrocontroller bis dahin de-facto so gut wie keine Entwurfswerkzeuge vorhanden waren. Also haben wir eigentlich eher aus der Not heraus damit angefangen, selbst einen Debugger dafür zu entwickeln. Das Ergebnis war offensichtlich so gut, das auch Siemens Halbleiter sehr schnell Gefallen an unseren Werkzeugen fand, und so kam mit der Zeit eins zum anderen. Nachdem alle Mitarbeiter unseres Teams unmittelbar aus der Halbleiterforschung kamen, hatten wir übrigens damals schon sehr konkrete Vorstellungen davon, was in punkto Architekturintegration in fünf oder zehn Jahren State-of-the-Art sein würde.

Diese größtenteils auf konkretem Wissen basierenden Zukunftsvisionen haben uns dazu veranlasst, von Anfang an auf ein möglichst modulares, sich relativ einfach an neue Anforderungen anpassbares Konzept zu setzen. Wie wichtig und richtig diese grundlegende Entscheidung war und bis heute ist, wird besonders deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass von den einstmals weit über ein Dutzend Emulatoren-Hersteller lediglich eine Handvoll übrig geblieben sind. Viele der damaligen Wettbewerber haben im Vertrauen auf einen langsameren Technologiewandel relativ lange an Produkten der ersten Generation festgehalten und dann in der Phase, als immer mehr Funktionen aus der aufwendigen und voluminösen externen Elektronik eines Emulators heraus direkt auf das Silizium verlagert wurden, irgendwann schlichtweg den Turnaround verpasst. Mit unserem modularen Ansatz waren wir gegen solche Risiken glücklicherweise bislang immer bestens gefeit.