Moxa: Die Marktführerschaft im Blick Das IIC könnte in der Industrie-4.0-Debatte die Führung erlangen

Eddie Lee, Moxa (rechts, mit Markt&Technik-Redakteur Andreas Knoll): »OPC UA ist definitiv ein sehr hilfreicher Begleiter auf dem Weg zum Industrial Internet of Things.«
Eddie Lee, Moxa (rechts, mit Markt&Technik-Redakteur Andreas Knoll): »OPC UA ist definitiv ein sehr hilfreicher Begleiter auf dem Weg zum Industrial Internet of Things.«

Industrie 4.0 oder die US-Variante Industrial Internet ist auch für Moxa von eminenter Bedeutung, und zwar im weltweiten Maßstab. Eddie Lee, Director Global Industry Marketing von Moxa, informiert über die Industrie-4.0-Strategie des Unternehmens und die Funktionen des neuen US-Headquarters.

Markt&Technik: Welche Strategie verfolgt Moxa in puncto Industrie 4.0?

Eddie Lee: Industrie 4.0 ist für uns sehr wichtig, so dass wir stark in das Thema investieren. Unser Ziel ist es, Marktführer für die sichere Vernetzung aller Sensoren und Geräte in der Industrieproduktion 4.0 zu werden. Wir wollen also die nötigen Industriekommunikations-Funktionen bereitstellen, um Industrie 4.0 am Laufen zu halten. Mittels unserer Kommunikationstechniken verbinden wir herkömmliche Geräte und proprietäre Protokolle. Wir beherrschen die hergebrachten und die heutigen Techniken und entwickeln die künftigen, um das Industrial Internet of Things zu ermöglichen und Cyber-Physical Systems in der Industrie 4.0 miteinander zu verknüpfen. Unsere technische Basis eignet sich dabei für viele verschiedene Branchen.
 
Wo liegen Ihres Erachtens die Unterschiede zwischen Industrie 4.0 und dem Internet of Things?

Industrie 4.0 und das Internet of Things beruhen auf demselben Konzept: Industrie 4.0 entspricht letztlich dem Industrial Internet of Things. Nicht von ungefähr ist in den USA hauptsächlich von Industrial Internet die Rede. Wir waren eines der ersten Mitglieder des US-amerikanischen Industrial Internet Consortium (IIC), weil wir davon überzeugt sind, dass auf dem Weg in Richtung Industrie 4.0 möglichst viele Unternehmen zusammenarbeiten und gemeinsame Standards entwickeln müssen. Schon die Zahl der vorhandenen Kommunikationsprotokolle zeigt, dass hier etwas im Argen liegt. Es ist zwar leichter gesagt als getan, Firmen zur Kooperation zu bewegen, die zueinander im Wettbewerb stehen. Forciert werden muss dies aber, und auch Verbände aus verschiedenen Ländern sollten an einem Strang ziehen. Vielversprechende Ansätze gibt es dazu: Erst kürzlich haben Wolfgang Dorst, Bereichsleiter Industrie 4.0 des Bitkom, und Richard Soley, Executive Director des IIC, auf einer Konferenz in Berlin eine Zusammenarbeit der beiden Organisationen angekündigt. Ihr Ziel ist es, die Interoperabilität zu fördern und Cyber-Physical Systems als Basis von Industrie 4.0 Realität werden zu lassen.
 
Apropos Kommunikationsprotokolle: In Arbeit ist derzeit der Echtzeit-Ethernet-Standard TSN (Time-Sensitive Networks, IEEE 802.1 TSN) – er soll im Hinblick auf Industrie 4.0 unter anderem den Software-Schnittstellen-Standard OPC UA echtzeitfähig machen. Welche Rolle spielt TSN aus Moxas Sicht?

TSN erreicht eine hohe Bandbreite und kurze Latenzzeiten und ist echtzeitfähig – beste Voraussetzungen für zukünftige offene Ethernet-Applikationen. Schub bekommt TSN vom Trend zu Big Data: Riesige Datenmengen werden erfasst, um Vorgänge und Ereignisse vorherzusagen. Das eigentliche Problem ist zwar, die Daten in Echtzeit zu analysieren, aber TSN wird als offener Standard zumindest das Problem der Datenübertragung in Echtzeit lösen. Aus meiner Sicht hat der TSN-Standard das Potenzial, viele Protokolle nach und nach zu ersetzen, weil er deren Leistung und Funktionsumfang mindestens erreichen, wenn nicht übertreffen und als wirklich offener IEEE-Standard Interoperabilität bringen wird. Aus technischer Sicht sollte es dann zumindest bei neuen Projekten keinen Grund mehr geben, auf proprietäre Standards zurückzugreifen.
 
Wie lange wird es voraussichtlich bis zur Verabschiedung des TSN-Standards dauern?

Auch wenn es über den Standard noch keinen festen Konsens gibt, lässt sich sagen: TSN ist auf dem Weg. Die Equipment-Hersteller warten gespannt auf die endgültige Spezifikation und deren Vereinbarungen und Definitionen. Bis der finale Standard ratifiziert ist, wird es meines Erachtens noch mindestens drei Jahre dauern. Aber dann wird er alle Leistungsmerkmale und Funktionen der anderen Protokolle auf sich vereinen.
 
Welche Rolle wird OPC UA in der Industrie 4.0 spielen?

OPC UA ist definitiv ein sehr hilfreicher Begleiter auf dem Weg zum Industrial Internet of Things, also zur Industrie 4.0. Der Standard bringt Interoperabilität und ermöglicht Anwendungen aus Systemen und Komponenten beliebig vieler Hersteller. Er ist ein gutes Beispiel für eine gelungene internationale Kooperation.