Zahlen oder Zocken? Das Bitcoin-Dilemma

Wie funktioniert eine Währung, deren Wert ständig schwankt?

Als Währung gedacht, doch zum Spekulieren genutzt: Der Bitcoin-Höhenflug steht dem Sinn und Zweck des Kryptogeldes mittlerweile im Weg.


Der Hype wirft die Frage auf, ob das digitale Objekt der Begierde überhaupt noch zum Bezahlen taugt. Microsoft hat Bitcoin-Zahlungen – wie andere zuvor – abgeschafft, der Bitcoin-Kurs ist am Freitag abgestürzt.

»Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann der letzte Kunde mit Bitcoin bezahlt hat«, sagt Niels Göttsch. Der Besitzer der Kaffeebar Leuchtstoff in Berlin Neukölln ist bei Weitem nicht der einzige Ladenbetreiber, dem es so geht. Zwar etabliert sich Bitcoin in der Finanzwelt und verzeichnete in diesem Jahr – trotz eines kräftigen Absturzes am Freitag – extreme Kursanstiege und Rekordstände. Doch dieser Erfolg führt zu einem Dilemma.

Denn was eigentlich als digitale Währung gedacht war, droht zum reinen Spekulationsobjekt zu werden. Zum Bezahlen eignet sich Bitcoin dadurch nur noch bedingt. Für Ladenbesitzer und Online-Händler sind extreme Kursausschläge unangenehm – die Preise müssen ständig angepasst werden. Und wer will schon Geld ausgeben, das keinen stabilen Wert hat und eher zur Spekulation auf Kursgewinne einlädt?

»Was wir von einem monetären System wollen, ist nicht, dass es Leute reich macht, die Geld horten«, sagte US-Ökonom Paul Krugman einst. »Wir wollen, dass es für Transaktionen genutzt wird und die Wirtschaft als Ganzes reich macht.« Doch genau das ist bei Bitcoin, dessen Wert seit Jahresbeginn von rund 1.000 auf zeitweise über 20.000 Dollar stieg, derzeit nicht der Fall. Taugt das Digitalgeld überhaupt noch als Zahlungsmittel oder nur noch zum Zocken?