Neuer Verein für Industrie 4.0 »Connected Industry« ergänzt Plattform Industrie 4.0

Benjamin Aunkofer, Connected Industry: »Wir wollen zu einer ersten Anlaufstelle für Fach- und Führungskräfte werden, die sich über neue Geschäftsmodelle und Technologien der vernetzten Welt informieren möchten.«
Benjamin Aunkofer, Connected Industry: »Wir wollen zu einer ersten Anlaufstelle für Fach- und Führungskräfte werden, die sich über neue Geschäftsmodelle und Technologien der vernetzten Welt informieren möchten.«

Neben der deutschen Plattform Industrie 4.0, dem US-amerikanischen Industrial Internet Consortium (IIC) und weiteren Industrie-4.0-Initiativen hat sich jetzt der Verein »Connected Industry« mit Sitz in Berlin formiert.

»Connected Industry« verfolgt einen stärker praxisorientierten Ansatz und betrachtet das IIC als potenziellen Partner ebenso wie als Gegengewicht. Benjamin Aunkofer, Vorstand von Connected Industry und Chief Data Scientist des Lösungs- und Service-Anbieters Datanomiq, erläutert Ziele und Positionierung des Vereins.

Markt&Technik: Welche Ziele verfolgt der Verein?

Benjamin Aunkofer: Connected Industry e.V. – der Verein für datengestützte Produktion & Logistik – bietet eine Plattform für den unternehmensübergreifenden Austausch zu Herausforderungen und Erkenntnissen rund um die Umsetzung von Industrie 4.0 in der betrieblichen Praxis. Mit Connected Industry möchten wir diese digitale Transformation der deutschen Industrie, besonders des deutschen Mittelstands, ganzheitlich begleiten. Der Verein versteht sich zudem als Forum des Dialogs und der Kommunikation. In diesem Sinne pflegt er Partnerschaften und Freundschaften zu führenden Unternehmen. Im Rahmen seiner regelmäßigen Veranstaltungen treten namhafte Referenten mit tiefgreifendem Erfahrungshintergrund für den Wissensaustausch auf hohem Niveau auf.

Wie sieht der Verein sein Verhältnis zur Plattform Industrie 4.0 und den sie tragenden Verbänden ZVEI, VDMA und Bitkom?

Connected Industry ist kein Gegenspieler zu bestehenden Initiativen, sondern vielmehr eine Ergänzung. Dabei orientieren wir uns primär an den Bedürfnissen der Praxis.

Was will der Verein anders machen als die Plattform Industrie 4.0?

Connected Industry konzentriert sich im Vergleich zu anderen Gremien zum Thema Industrie 4.0 auf konkrete Anwendungsfälle und greifbare Erfahrungswerte. Dadurch ergibt sich ein einmaliges Profil. Der Verein spricht zwar auch von Industrie 4.0, greift jedoch noch sehr viel weiter. In fünf Jahren wird es den Begriff Industrie 4.0 sicherlich nicht mehr geben, denn dann sind die Unternehmen mit der Umsetzung einzelner Methoden und Technologien beschäftigt, die jeweils eigene Namen tragen werden.

Ferner fassen wir den Begriff weiter, denn nicht nur Produktionsmaschinen und Fabriken werden miteinander vernetzt, sondern auch Agrarmaschinen, Transportmittel und Endprodukte. Konzepte wie Connected Car oder Smart Farming sind für uns also genauso ein Thema wie das autonome Auto und autonome Drohnen, für die eine Vernetzung die Grundlage des Erfolgs darstellt.

Was bemängelt der Verein an der bisherigen Tätigkeit der Plattform Industrie 4.0?

Die deutsche Plattform Industrie 4.0 hat bislang lediglich Handlungsempfehlungen hervorgebracht. Zudem beschränken sich die bisherigen Initiativen für Industrie 4.0 auf die nationale Ebene. Die Ausarbeitung von Standards braucht viel Zeit; wir möchten vor allem den Austausch anheizen und zwischen Forschungseinrichtungen, Anwendern und Lösungsanbietern vermitteln.

Wie sieht der Verein sein Verhältnis zum Industrial Internet Consortium (IIC) in den USA?

Connected Industry stellt ein gewisses Gegengewicht zum IIC dar, greift jedoch auch weiter. Der IIC befasst sich mit Technologien rund um Internet of Things, wir von Connected Industry befassen uns mit Konzepten der Produktions- und Geschäftsoptimierung und neuen Geschäftsmodellen, die durch Vernetzung und die daraus entstehenden Datenmengen möglich werden.

Der IIC legt seinen Schwerpunkt zudem auf die USA, ist dort entstanden, und alle Gründungsmitglieder, wie etwa Intel und General Electric (GE), haben hauptsächlich dort ihre Forschung und Entscheidungsträger angesiedelt, nicht in der EU.