»Neue serviceorientierte Geschäftsmodelle« Bosch sieht in Industrie 4.0 großes Potenzial für Logistik

Dr. Stefan Asenkerschbaumer, Bosch:» Produktion, Logistik sowie Waren- und Güterverkehr werden durch die Vernetzung effektiver, sicherer und flexibler.«

Innerhalb der Logistik, aber auch innerhalb der Unternehmen gibt es noch viel Ineffizienz. "Das Internet der Dinge bietet hier enorme Chancen", sagt Dr. Stefan Asenkerschbaumer, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung von Bosch.

Warenströme sowohl in Unternehmen als auch zwischen Kunden und Lieferanten werden sich künftig selbst steuern. Basis dafür sind von Sensoren erfasste Echtzeitdaten und intelligente Software. Daraus ergeben sich für Bosch zusätzliche Geschäftspotenziale. »Produktion, Logistik sowie Waren- und Güterverkehr werden durch die Vernetzung effektiver, sicherer und flexibler. Die Vernetzung bietet die Chance, dass weitgehend starre Wertschöpfungsketten zu dynamischen Wertschöpfungsnetzwerken werden«, so Asenkerschbaumer.

Vernetzung ist zentraler Treiber in der Wertschöpfungskette

 Mit neuen technischen Lösungen lassen sich beispielsweise Defizite in der Transportlogistik wie verzögerte Information oder Intransparenz beheben. Neben der gängigen GPS-Technologie ist es heute mit internetfähigen Sensoren möglich, Logistikobjekte auf ihrem Weg zwischen den Lieferketten-Partnern in Echtzeit genau zu lokalisieren. So werden Qualitätsprobleme bereits frühzeitig während des Transports erkannt. Wareneingangsprüfungen können gezielt durchgeführt oder Nachbestellungen noch während des Transports angestoßen werden. Die Vernetzung in der Transportlogistik des Straßenverkehrs kann dabei natürlich auch auf den Schienenverkehr übertragen werden. Gemeinsam mit der Schweizer Güterbahn SBB Cargo will Bosch die Logistik auf der Schiene zu einem vernetzten Transportsystem aufbauen.

Zu einem dynamischen Wertschöpfungsnetzwerk gehört eine effiziente, vernetzte Fertigung. Bei Bosch gibt es bereits rund 100 solcher Projekte. Auf einer Multiproduktlinie am Standort Homburg fertigt das Unternehmen beispielsweise aus mehr als 2000 verschiedenen Komponenten rund 200 Varianten mobilhydraulischer Steuerblöcke. Das Ergebnis: wirtschaftliche Fertigung bis zur Losgröße 1, nahezu 30 Prozent weniger Bestände und bis zu 10 Prozent höhere Produktivität. Asenkerschbaumer betont in diesem Zusammenhang: »Vernetzte Logistik- und Produktionssysteme können deutlich flexibler auf kurzfristige Nachfrage-Änderungen oder Ausfälle innerhalb der Wertschöpfungskette reagieren.« Bosch will künftig alle Fertigungsstandorte in ein globales Fertigungsnetz integrieren.

 »Vernetzung bedeutet mehr als das Zusammenspiel unterschiedlicher Objekte und Systeme. Wir leiten daraus neue serviceorientierte Geschäftsmodelle ab«, erklärt Asenkerschbaumer. So bietet Bosch beispielsweise ein System an, mit dessen Hilfe Speditionen auf Basis von Steuergerätedaten via Internet den Verschleiß ihres Fuhrparks verfolgen können. Wartung und Reparatur lassen sich damit frühzeitig planen. Zudem hilft das Unternehmen mit »Eco.Logic Motion«, die Fahrstrategie zu verbessern.

Dahinter verbirgt sich ein elektronischer Horizont. Dieser nutzt im Fahrzeug vorhandene Navigationsdaten, um die Fahrstrategie der Geländetopologie anzupassen. Damit lässt sich der Kraftstoffverbrauch um bis zu 5 Prozent reduzieren. Bosch entwickelt »Eco.Logic Motion« derzeit zu einem dynamischen vernetzten Horizont weiter. Damit kann das Fahrzeug Gefahrenstellen hinter Bergkuppen und Kurven rechtzeitig erkennen und früher vom Gas gehen. »Das ist ein weiterer Schritt zur Wirtschaftlichkeit und Sicherheit von vernetzten Transportlösungen«, betont Asenkerschbaumer.

»Grundvoraussetzung für den künftigen Erfolg in der vernetzten Welt ist der Aufbau von Schlüsselkompetenzen«, konstatiert Asenkerschbaumer. Zudem bräuchte man verstärkt die Fähigkeit, zügig neue Geschäftsideen und Geschäftsmodelle zu entwickeln und am Markt umzusetzen. Wichtig sei daher eine stärkere übergreifende Zusammenarbeit. Für die Vernetzung müssten breite Cluster gebildet werden, um Wissen und Ressourcen zu bündeln.

»Ein unternehmensübergreifendes logistisches Wertschöpfungsnetzwerk wird nur dann effizient sein, wenn alle Partner die Voraussetzungen hierfür schaffen«, betont Asenkerschbaumer. Gemeinsame Projekte und sogenannte Ecosysteme müssten daher auf einheitlichen Standards und offenen Plattformen basieren.

Erheblichen Nachholbedarf sieht Asenkerschbaumer im flächendeckenden Ausbau schneller Breitbandnetze. Nur so funktioniere die lückenlose Transportüberwachung von Ladungen. Eine weitere Voraussetzung für die Akzeptanz und den Erfolg vernetzter Lösungen sei der Datenschutz und die Schaffung eines einheitlichen digitalen Marktes in Europa. »Nur wenn unsere Kunden auf einen vertrauensvollen Umgang mit Daten setzen können, wird die Vernetzung funktionieren.« Bosch fragt seine Kunden immer explizit nach deren Einverständnis, Daten nutzen zu dürfen.