Kommentar Autoreifen und Security

Manne Kreuzer, Markt&Technik
Manne Kreuzer, Leitender Redakteur

Das Verständnis von Security muss sich bei vielen Entwicklern im Bereich Industriecomputer und Embedded Systeme noch grundlegend wandeln – oder wechseln Sie nie die Reifen?

Dem Käufer eines Neuwagens ist klar, dass der Wagen über seine Nutzungsdauer hinweg nicht mit den Reifen der Erstauslieferung auskommt – außer man zählt zu den finanziell Überausgestatteten, dich sich ein neues Auto kommen lassen, wenn der Aschenbecher voll ist. Ob jetzt das Profil auf 1,6 mm heruntergefahren wird oder schon früher ein Austausch erfolgt, ist individuell unterschiedlich. Auch gibt es Regionen – beispielsweise Nordeuropa – in denen niemand auf die Idee kommt, mit Sommerreifen über vereiste und verschneite Straßen zu heizen. Reifen sind Verschleißartikel und je nach Umgebungsbedingung müssen andere aufgezogen werden.

Dass Security-Maßnahmen regelmäßig ausgetauscht und angepasst werden müssen, ist für die Verantwortlich im Finanzwesen (Geldautomaten & Co.) und der Unternehmens-IT seit Jahren Alltagsgeschäft – für andere Branchen leider oftmals Neuland.

Auf dem Doppelkongress »Industrie 4.0 Summit« und »Security Symposium« fanden sich gestandene Maschinenbauer damit vor ganz neuen Herausforderungen: So halten ihre Maschinen zum Teil Jahrzehnte und benötigen nur minimale Wartung. »Alle paar Jahre Lagerfett reicht, dass kann der Anwender auch selbst erledigen – mein Service ist für regelmäßige Software-Updates gar nicht ausgelegt«, gestand ein Zuhörer sichtlich desillusioniert.

In der vernetzten Welt von Industrie 4.0 ist Security unabdingbar. Dies bedeutet aber nicht nur regelmäßige Updates, sondern oftmals auch komplett neue Strukturen der Software, denn Sicherheit muss von Anfang an mit hinein konzipiert werden – das ist wie harte Echtzeitfähigkeit, die kann auch nicht hinterher eingebaut werden.

Auch das Bestreben perfekte Maschinen und Anlagen abzuliefern, muss überdacht werden, denn wenn die Schutzmaßnahmen teurer sind als potenzielle Schäden, muss man sich Fragen nach der Wirtschaftlichkeit gefallen lassen. Um im anfänglichen Bild zu bleiben: Manchmal genügt ein Ersatzrad, manchmal muss aber auch ein Überrollkäfig her, um glimpflich aus der Geschichte zu kommen.