Eine Technologie für die Community »2018 wird zum Blockchain-Jahr«

Die Blockchain-Technologie steht ganz oben auf der Liste der Trends im Gartner-Hypecycle. In Deutschland ist die Technologie aber außerhalb des Finanzsektors noch kaum bekannt. Dabei bietet sie besonders in der öffentlichen Verwaltung interessante Perspektiven.

Weil sich Deutschland momentan noch im Blockchain-Winterschlaf befindet, wollten wir mit unserer Blockchain-Konferenz einen Weckruf starten. Die Erforschung von Use-Cases, der Austausch von Erfahrungen und das Dazulernen sollen die Müdigkeit vertreiben«, so der Vorsitzende des Forschungsausschusses des Münchner Kreises, Prof. Dr. Helmut Krcmar. Der Hype um Blockchain werde in echte Begeisterung für die Technologie umschlagen »und das Jahr 2018 wird zum Blockchain-Jahr«, ist sich Krcmar sicher.

Volle Transparenz, die Unabhängigkeit von Intermediären wie Banken, Regierungen oder Notaren und dadurch entstehende Kosteneinsparungen sowie beschleunigte Geschäftsabwicklungen sind die stärksten Argumente für eine Anwendung der Blockchain-Technologie. Darüber hinaus bietet die Technologie eine außerordentlich hohe Sicherheit, die durch Verschlüsselung und dezentrale Archivierung erreicht wird.

Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Transaktionen schaffen ein ungemeines Vertrauen in die Innovation Blockchain.

Rechtliche Fallstricke durch Blockchain und Smart Contracts

Wenn in einer Blockchain Programmierungslogiken abgelegt werden, die unveränderbar sind, können sogenannte Smart Contracts geschlossen werden, die aus gemeinsam festgelegten Regeln bestehen. So ist kein Vertrauen mehr zwischen zwei Vertragspartnern nötig, denn: Wenn A in Vorleistung tritt, wird auch B automatisch eintreten, bevor C vollzogen werden kann, d.h. bestimmte Vertragsinhalte wie Zahlungen können selbsttätig ausgeführt werden, wenn die Bedingung dafür erfüllt ist.

Gerade diese automatisierte und unumkehrbare Ausführung der Transaktion habe eine Kehrseite bei den Smart Contracts, erläuterte Dr. Alexander Duisberg, Partner bei Bird & Bird LLP. Im deutschen Recht haben wir das Pro­blem, dass ein Rechtsgeschäft von Anfang an nichtig sein kann und keine Wirkung entfaltet. Das gilt für Verstöße gegen gesetzliche Verbote oder z.B. auch für die Anfechtung wegen Irrtums. Kern der Blockchain-Technologie ist aber die Nachvollziehbarkeit der Transaktionshistorie im Code, die auf der Blockchain weder geändert noch ausgelöscht werden kann. Hier muss noch verstärkt über rechtliche Rahmenbedingungen – einschließlich von Reverse Transactions und Streiterledigung – nachgedacht werden. Außerdem wirft der Datenschutz Probleme auf. Man kann allenfalls pseudonyme Daten auf der Blockchain abbilden, denn die Löschrechte der Betroffenen greifen mit Sicherheit ins Leere.

Blockchain für die eGovernance

Gleichwohl die europäischen Datenschutzbestimmungen, insbesondere die Datenschutzrichtlinie, die Entwicklung der Blockchain-Technologie aktuell hemmen, hat Estland Blockchain, im Gegensatz zur öffentlichen Hand in Deutschland, bereits für sich entdeckt. Das EU-Land testet die Speicherung von Gesundheitsdaten, etwa Bluttestergebnisse oder Röntgenbilder, auf der „Blockkette“, um Krankenhäusern oder Ärzten im Urlaubsland den Zugriff zu erleichtern. In Schweden arbeitet das Katasteramt mit Blockchain und die dänische Liberale Allianz nutzte die Technologie schon 2014 für eine sichere elektronische Abstimmung.

Auch in der Schweiz läuft derzeit ein Pilotversuch, mit dem die Blockchain-Technologie für das eGovernment nutzbar werden soll. In einer Kooperation mit der Universität Zürich will die Schweiz mit Hilfe der vom Blockchain-Startup Procivis entwickelten eID+-Plattform und der Etherium-Blockchain künftig elektronische Wahlen über die Blockchain ermöglichen. Procivis ist ein Schweizer Unternehmen, das im Herbst 2016 vom Blockchain-Unternehmer Daniel Gasteiger gegründet wurde. Die Firma bietet eine „E-Government as a Service“-Plattform an, um die Digitalisierung von Gesellschaften und die Bereitstellung von digitalen Behördendienstleistungen auf der ganzen Welt zu ermöglichen. Procivis hat die Beta-Version seiner eID+-Plattform im Mai 2017 vorgestellt und diese im Rahmen eines Pilotprojekts mit dem Kanton Schaffhausen umgesetzt.

In Osteuropa sorgt ein Projekt der Blockchain-Unternehmensgruppe Bitfury für Aufsehen: Bitfury hat kürzlich bekannt gegeben, mit der ukrainischen Behörde für eGovernance zusammenzuarbeiten, um gemeinsam Blockchain-Anwendungen zu implementieren. Vorerst handelt es sich um ein Pilotprojekt, das sich auf öffentliche Register, das Gesundheits- und Sozialwesen sowie den Energiesektor der Ukraine erstreckt. Auch mit Georgien ist Bitfury bereits in Sachen Blockchain im Geschäft.