Maxim Integrated Zum 30. Geburtstag erklärt Maxims CEO die Strategie

Tunc Doluca, Maxim:»Das Geschäft mit hochintegrierten Produkten ist seit 2008 um den Faktor 2,5 gewachsen.«
Tunc Doluca, Maxim: »Das Geschäft mit hochintegrierten Produkten ist seit 2008 um den Faktor 2,5 gewachsen.«

Maxim Integrated feiert in diesem Jahr den 30. Geburtstag. Wir sprachen mit Tunc Doluca, seit Januar 2007 Nachfolger des Gründers Jack Gifford und seit 1984 beim Unternehmen, über die künftige Strategie von Maxim Integrated und Lehren aus der Vergangenheit.

Markt&Technik: Seit 2007 hat Maxim mehrere Firmen übernommen, - darunter Sensor Dynamics, Mobilygen, die Secure Transaction Division von Zilog, Phyworks, Genasic, L&L und Teridian - und sein Produktspektrum weit über die analogen ICs hinaus erweitert. Welches waren die Gründe für die Übernahmen?

Tunc Doluca: 2007 trafen wir die strategische Entscheidung, gezielt Technologien und Talente erwerben zu wollen, um Lücken in unserem eigenen Fähigkeitsspektrum zu füllen und in neue Märkte vorzudringen. Von 2007 bis heute haben wir insgesamt zwölf Akquisitionen unterschiedlicher Größe getätigt.
Diese Firmenaufkäufe helfen uns, ein Gleichgewicht zwischen unseren Geschäften im Kommunikations-, Industrie- und Medizinbereich und unserem rasch wachsenden Umsatz auf dem Mobility-Sektor zu wahren. Sie werden feststellen, dass mit Ausnahme von SensorDynamics mit seinem Mix aus Automotive und Mobility alle größeren Akquisitionen mit dieser Strategie in Einklang stehen. Gleichwohl war unser Umsatzwachstum in den letzten fünf Jahren vorwiegend organischer Natur.

Wie gelang Maxim Integrated die Einbindung der akquirierten Unternehmen?

Tatsächlich stellt die Einbindung eines Unternehmens in den meisten Fällen eine echte Herausforderung dar, besonders wenn die Beschäftigten der neu erworbenen Firma an weit entfernten Orten arbeiten.

Die wichtigste Maßnahme im Zuge einer erfolgreichen Integration muss daher vor der eigentlichen Übernahme erfolgen. Man muss sich selbst ehrlich die Frage stellen, ob es genügend Übereinstimmungen zwischen den Kulturen der beiden Unternehmen gibt. Sollten die Diskrepanzen zu groß sein, ist es besser, von der Fusion abzusehen. Eine harte Entscheidung, zu der wir aber in der Vergangenheit schon gekommen sind.

Unsere Strategie war es stets, für jedes übernommene Unternehmen einen sogenannten Business Unit Owner zu benennen, der die Nähe zu den Beschäftigten wahrt und unsere Strategie und Zielsetzung klar kommuniziert. Damit erreichen wir, dass potenzielle menschliche Probleme gar nicht erst aufkommen. Wir halten dies für den wichtigsten Aspekt jeder Integration.

Was dann noch bleibt, ist eine Menge harter, aber mehr oder weniger mechanischer Arbeit, die einfach Disziplin voraussetzt.

Welche greifbaren Vorteile konnte Maxim bis dato aus den Firmenübernahmen ziehen, was neue Produkte, neue Technologie und den Umsatz angeht?

Der Umsatzzuwachs von Maxim ist vorwiegend organischer Natur. Unsere Quartalsumsätze sind seit Ende 2008 um rund 20 % gewachsen, wovon bislang rund 5 Prozentpunkte auf Firmenübernahmen zurückgeführt werden können.

Unsere Akquisitionen betrafen großenteils relativ kleine Unternehmen oder Gruppen von Ingenieuren, die kurzfristig kein entscheidendes Umsatzplus bewirkten.

Dazu zwei Beispiele:

  • Teridian (2010): Das Unternehmen besaß eine Spitzenstellung in Energiemess-SoCs (System-on-Chips) für den Smart-Meter-Markt. Wir stellten daraufhin 2012 das hochintegrierte Smart-Meter-SoC ‚Zeus‘ vor. Dies bedeutete einen entscheidenden Fortschritt in der Integration von präziser Messtechnik sowie Rechen- und Kommunikationsfunktionen bei voller Sicherheit für das Smart Grid.
  • SensorDynamics (2011): Diese Übernahme gab der MEMS-Technologie von Maxim einen deutlichen Schub. Die Technologie von SD ermöglichte uns die Fusion vieler Sensortypen mit der Analogtechnologie von Maxim. Unsere neuesten Produkte, die MEMS-Bewegungssensoren und die hochempfindlichen Analogfunktionen von Maxim kombinieren, werden derzeit bemustert. Diese Bausteine stellen bei kleinsten Gehäuseabmessungen ein Maximum an Genauigkeit zur Verfügung.

Mittlerweile machen hochintegrierte Chips mehr als 40 Prozent unseres Umsatzes aus. Insgesamt eine bemerkenswerte Steigerung: Seit 2008 ist unser Geschäft mit hochintegrierten Produkten um den Faktor 2,5 gewachsen.

Wie würden Sie die Unterschiede zwischen Maxim 2007 und Maxim heute beschreiben?

Zuallererst möchte ich hervorheben, dass Jack Gifford als Gründer von Maxim ein ausgezeichnetes Unternehmen mit klarer Fokussierung auf die Technik und auf neue Produkte aufgebaut hat. Ein Unternehmen, das erfolgreich wuchs und zu einem bedeutenden Akteur auf dem Analogmarkt wurde.

Aufbauend auf diesem Erfolg, haben wir uns die Frage gestellt, was wir tun müssten, um die Nummer 1 unter den Analog- und Mixed-Signal-Unternehmen zu werden…

. . .es fanden also einige grundlegende Änderungen statt?

Ja, denn wir wollten für unsere Kunden nicht nur ein schlichter Bauelemente-Anbieter, sondern ein Lösungs-Partner sein. Deshalb haben wir die folgenden Maßnahmen ergriffen: Wir haben uns nach dem Endmarkt und nicht nach der analogen Technologie orientiert. Das hat zu einer besseren Zusammenarbeit sowie zu fundierten Systemkenntnissen geführt.

Zudem haben wir den Fokus auf hochintegrierte Mixed-Signal-Lösungen gelegt. Für das Design dieser komplexen Produkte nutzten unser breit gefächertes IP-Portfolio.
Um einen einfachen IP-Transfer zu ermöglichen, entwickeln wir IP auf der Basis einheitlicher Fab-Prozessplattformen. Und um die neu entwickelte Produkte schneller auf den Markt zu bringen, haben wir in Designautomations-Software und -Methodiken investiert.

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30 Jahre Maxim Integrated

Maxim Integrated feiert seinen 30. Geburtstag.

Was hat sich im direkten Verhältnis zu den Kunden getan?

Wir haben eine hochflexible Logistikkette geschaffen, um die von den Kunden gewünschten Liefertermine einhalten zu können. Außerdem haben wir engere Partnerschaften mit unseren Distributoren geschmiedet. Dies ermöglichte es uns, mit unseren hervorragenden Produkten mehr Kunden zu erreichen. Um bessere Verfügbarkeitskonditionen für langlebige Produkte anzubieten - beispielsweise für Kunden der Bereiche Industrie, Medizintechnik und Automotive - haben wir in eigene Wafer-Fabs investiert. So können wir die Technologieentwicklung direkt intern steuern.

Wie würden Sie die heutige Unternehmenskultur von Maxim beschreiben?

Dynamisch, ergebnisorientiert, kreativ, freundlich und von einer Start-up-typischen Mentalität geprägt, obwohl das Unternehmen mittlerweile 30 Jahre alt ist.

Der Begriff der „Analogintegration“ spielt in der Strategie von Maxim Integrated eine wichtige Rolle. Wie definieren Sie diesen Begriff?

Wir wenden intern eine sehr genaue Definition dafür an, was ein hochintegriertes Produkt ist. Beispiele sind mehrere Datenwandler auf einem Chip, die Kombination eines Mikrocontrollers und eines komplexen Analog Front Ends oder ein paar Dutzend Regler auf einem Chip.

Wir haben außerdem Produkte, die üblicherweise als System-in-Package bezeichnet werden. Dabei kombinieren wir einen Hochvolt-Front-End-Chip mit einem für niedrige Spannung ausgelegten Analog Front End und nutzen dafür zwei verschiedene, spezialisierte Prozesstechnologien.

Die Motivation dafür liegt auf der Hand: Verringerung des Bauteileaufwands, der Leiterplattenfläche und der Stromaufnahme bei gleichzeitiger Verbesserung der Leistungsfähigkeit, im Verbund mit einem möglichst einfachen Design-in für unsere Kunden. Wir verstehen uns gleichsam als der verlängerte Arm der F&E-Organisation unserer Kunden und wollen ihre Markteinführung beschleunigen.

Anmerken möchte ich, dass wir die Entwicklung leistungsfähiger Standardprodukte fortsetzen. Dies ist sogar eine entscheidende Komponente unserer Strategie, denn ein Großteil der Innovation geschieht beim Design dieser Produkte. Auf der Grundlage dieser individuellen IP-Entwicklung sind wir später in der Lage, hochintegrierte Produkte herzustellen