Interview X-Fab mit großen Wachstumschancen

Rudi de Winter, X-Fab: »Derzeit gibt es rund 1000 Wafer-Fabs, viele in der Hand von IDMs, wovon einige nicht effizient arbeiten. Somit existieren viele Firmen, die ihre Kosten senken könnten, wenn sie mit einer Foundry zusammenarbeiten.«
Rudi de Winter, X-Fab: »Derzeit gibt es rund 1000 Wafer-Fabs, viele in der Hand von IDMs, wovon einige nicht effizient arbeiten. Somit existieren viele Firmen, die ihre Kosten senken könnten, wenn sie mit einer Foundry zusammenarbeiten.«

Die Zahlen von X-Fab zeigen in die richtige Richtung. Ende Mai tritt Hans-Jürgen Straub als CEO zurück, und Rudi de Winter fungiert als alleiniger CEO. Wir sprachen mit de Winter über mögliche Wachstumschancen, wann wieder ein operativer Gewinn erreicht wird und welche Prozessentwicklungen in der Pipeline stecken.

Markt&Technik: Auch wenn die zuletzt vorgelegten Zahlen eine positive Entwicklung aufzeigen, lag der operative Gewinn immer noch im roten Bereich. Wann wird sich das ändern?

Rudi de Winter: In diesem Jahr. Der Großteil des operativen Verlusts von 2013 ist im ersten Halbjahr des Jahres angefallen. Im vierten Quartal 2013 hatten wir bereits den Breakeven erreicht und schlussendlich sogar einen kleinen operativen Gewinn erzielt. Wir erwarten, dass wir im ersten Quartal 2014 wieder um die Null herum liegen werden, im Rest des Jahres dürfte dann aber ein operativer Gewinn erzielt werden.

Der steigende Umsatz hilft ...

Ja, der wichtigste Hebel einer Foundry ist der Umsatz. Foundries haben sehr hohe Fixkosten, und das kann man nur mit entsprechendem Umsatz, also hoher Produktion kompensieren.

Sie haben ja bereits gesagt, dass es noch genügend Kapazitäten gäbe, um auch für weitere Kunden zu fertigen. Im Digitalbereich muss eine Foundry eine Auslastung von mehr als 80 Prozent erreichen, um überhaupt profitabel arbeiten zu können. Wie sieht das denn im Analog/Mixed-Signal-Bereich aus?

Im Analog/Mixed-Signal-Bereich liegt dieser Wert deutlich niedriger, zumindest bei uns. Wir glauben, dass wir ohne Investments in neue Fertigungslinien noch um fast 50 Prozent wachsen können.

Das heißt, dass Ihre Auslastung bei rund 75 Prozent liegt?

Ja, wobei ich betonen möchte, dass es sehr schwer ist, eine genaue Angabe zur Kapazitätsauslastung zu machen. Selbst innerhalb unseres Managements sind wir uns nicht immer einig darüber, wie wir die Auslastung beziffern sollen. Die Auslastung hängt sehr stark vom Produktmix ab. Wenn ein Kunde eine sehr hohe Nachfrage in einer bestimmten Technologie hat, dann kann es hier sehr schnell zu einem Engpass kommen, auch wenn es in anderen Technologien noch genügend freie Kapazitäten gibt. Damit wird es schwierig, eine Aussage über die Auslastung der gesamten Kapazitäten zu machen.

Am schwierigsten dürfte es sein, die Fabrik in Malaysia auszulasten. Wie sieht es hier mittlerweile aus?

Malaysia hat mittlerweile den Breakeven erreicht. Wie Sie schon gesagt haben: Das war ein gutes Stück Arbeit, so weit zu kommen. Wir mussten das vorhandene Geschäft in der Fabrik mehr oder minder fast zweimal komplett ersetzen. Beim ersten Mal ging es darum, das dort existierende Speichergeschäft zu ersetzen. Speicher nutzen typischerweise sehr schnell neuere Strukturgrößen, so dass die Prozesstechnologien in Malaysia nicht mehr gefragt waren. Dieses Geschäft haben wir dann mit Consumer-Geschäft zu kompensieren versucht. Aber wie das im Consumer-Bereich üblich ist, handelt es sich dabei eben nur um kurzfristige Aufträge, so dass auch dieses Geschäft schnell wieder weg war. Mittlerweile haben wir die Fabrik aber mit unseren eigenen X-Fab-Technologien ausgestattet und nutzen die Fabrik somit für unser normales Tagesgeschäft.

Wie hoch ist der Anteil des reinen Foundry-Geschäfts am Umsatz?

X-Fab steht auf drei Standbeinen: dem reinen Foundry-Geschäft, dem MEMS-Geschäft und dem Custom-Processing-Geschäft. Unter den letzten Punkt fallen auch komplette Transfers von Kundenfertigungen in die Fabriken von X-Fab. Derzeit entfällt auf das reine Foundry-Geschäft der größte Umsatzanteil, an zweiter Stelle kommt das Custom-Processing-Geschäft und dann das MEMS-Geschäft, das in den nächsten drei Jahren auf 50 Mio. Dollar steigen wird.

Das MEMS-Foundry-Geschäft galt ja früher als eher undankbar. Hat sich das inzwischen geändert?

MEMS fanden zunächst in Automobilen Einsatz, vor allem IDMs haben sie gefertigt. Wir produzieren seit 15 Jahren MEMS, aber nicht in größeren Mengen. Jetzt hat sich das etwas geändert: Neue Firmen entwickeln kreative Produkte, und sie wissen unser Know-how jetzt zu schätzen. Leider hat es doch einige Zeit gedauert, bis sich herumgesprochen hat, wie tiefgehend unser Wissen in der MEMS-Fertigung ist. Aber mittlerweile ist es klar, dass der MEMS-Markt weiter sehr schnell wachsen wird und wir davon stark profitieren.

Was erwarten Sie denn von den anderen Bereichen?

Grundsätzlich haben wir das Ziel, 10 bis 15 Prozent pro Jahr zu wachsen. Wie sich das auf die drei Bereiche verteilt, ist schwer zu sagen. Aber wir gehen davon aus, dass jeder Bereich wachsen wird.

Und was genau verstehen Sie unter dem Custom-Processing-Geschäft?

Im Bereich des kundenspezifischen Geschäfts verfolgen wir vor allem die Strategie, den Kunden dabei zu helfen, ihre eigene Produktion aufzugeben. Dabei geht es vor allem um Fabriken, die nicht mehr ausgelastet sind, aber auch um Produkte, bei denen die Nachfrage keine eigene Fertigung mehr rechtfertigt, die aber noch weiter verkauft werden. In diesen Bereich fallen auch Spezialtechnologien wie beispielsweise die Lithium-Batterie auf Siliziumbasis von Cymbet. Diese Fertigung haben wir von Cymbet übernommen und in unserer Fabrik in den USA transferiert. Ich bin überzeugt, dass dieser Geschäftsbereich weiter wachsen wird.

Die großen Hersteller analoger ICs halten an ihrer eigenen Fertigung fest. Kleinere Hersteller und Startups nutzen vorzugsweise Standard-CMOS-Prozesse. Wo soll hier noch zusätzliches Geschäft herkommen?

Das sehe ich anders, hier gibt es noch genügend Wachstumspotenzial. Ein Punkt, der uns sicherlich hilft, liegt in der Forderung nach einer höheren Energieeffizienz von Geräten, die am Netz mit Hochspannung arbeiten. Hierfür bieten wir die richtigen Technologien an. Und mit diesen Technologien können wir sowohl Startups unterstützen als auch IDMs. Die IDMs verfolgen unterschiedliche Strategien. Einige verlagern einen Teil ihrer Fertigung zu uns, andere fast alles. Einige fertigen fast alles selber und wollen nur für extrem hohe Volumina eine Foundry nutzen. In diesem Markt spielen wir nicht gerne mit. Wir sind mehr an IDMs interessiert, die sich überlegen, welche Technologien sie brauchen, um ihre Kunden zu bedienen, und dann beispielsweise eine Foundry nutzen, wenn mit dieser Technologie nur eine Nische bedient werden kann.

Heißt das, dass X-Fab seine eigenen Technologien auch in Lizenz an andere IDMs vergeben würde?

Das ist auch ein Konzept, das durchaus denkbar ist.