USA Wirtschaftskrieg mit China?

Glückliches Amerika durch Protektionismus? Die neue Regierung sagt »Ja!«
Glückliches Amerika durch Protektionismus? Die neue Regierung sagt »Ja!«

Steht mal wieder ein neuer High-Tech-Handelskrieg bevor? Die USA bringen sich gegen China in Stellung. Da passt die Berufung von Peter Navarro gut ins Bild.

Offenbar bewertet die noch amtierende US-Regierung unter Barack Obama die Industriepolitik Chinas – insbesondere auf dem Gebiet der Halbleiter – als so aggressiv, dass die nationalen Sicherheitsinteressen davon betroffen sein könnten.

Laut Wall Street Journal hat die Regierung unter ihrem Wissenschafts- und Technologie-Berater John Holdren einen Report verfasst, der dem Committee on Foreign Investment (CIFUS) vorschlägt, strenger gegen potentielle Übernahmeangebote chinesischer Firmen gegenüber US-Chip-Herstellern vorzugehen.

Dass es die USA damit durchaus ernst meinen, hatte kürzlich schon die deutsche Aixtron erfahren müssen. Die ersehnte Übernahme durch eine chinesische Firma und damit die Zufuhr dringend benötigter Investitionen für die Weiterentwicklung vielversprechender Technologien hatte die eher ungewöhnliche Intervention von Barack Obama vereitelt: In diesem Fall sicherlich keine gute Nachricht für die Mitarbeiter.

Die Übernahmewelle in der Halbleiterindustrie hatte ja schon generell für viel Gesprächsstoff gesorgt und auch zu Verunsicherungen geführt. Ist sie doch nicht zuletzt auf das schwache Wachstum in der Branche zurückzuführen, wie Stephan zur Verth, Vorsitzender der Fachgruppe Halbleiterbauelemente im ZVEI-Fachverband Electronic Components, anlässlich der Jahrespressekonferenz des Verbandes gegenüber Markt&Technik bestätigt hatte: Die Unternehmen suchen verzweifelt nach Wachstumsmöglichkeiten. Und wer gut dasteht wird vielleicht sogar zum Übernahmekandidtaten wie es etwa Infineon drohen könnte – trotz der beschwichtigenden Worte von Reinhard Ploss anlässlich der Jahresbilanz.

Doch wie speziell mit den Übernahmeangeboten aus China zu verfahren sei, darüber gibt es auch in Deutschland unterschiedliche Meinungen. ZVEI-Chefvolkswirt Dr. Andreas Gontermann hatte erst kürzlich dazu im Interview mit Markt&Technik erklärt: »Übernahmen stellen nicht per se eine Gefahr dar, sondern nur dann, wenn sie mit Wettbewerbsverzerrungen einhergehen.« Ob China eine Gefahr oder eine Chance für die Halbleiterunternehmen bildet, darüber hatten sich schon Anfang 2016 die Vertreter führender Chip-Schmieden wie GlobalFoundries, Renesas und – damals noch NXP – gegenüber Markt&Technik geäußert.  Erobert China die IC-Welt? Diese Frage trieb schon vor einem Jahr die Halbleiterwelt um, denn die Aktivitäten chinesischer Firmen blieben den Lesern nicht verborgen.

In den USA jedenfalls wehte schon 2016 unter der noch amtierenden Regierung ein neuer Wind, so dass geplante Kaufvorhaben im vergangenen Jahr nicht zum Abschluss kamen. Fairchild Semiconductor hatte On Semiconductor den Vorzug vor einem chinesischen Investor gegeben, weil das Unternehmen befürchtete, dass die politische Zustimmung für einen chinesischen Inverstor verweigert werden könnte, obwohl der mehr geboten hatte.  

Aus dem Übernahme-Deal von Western Digital und SanDisk hatte sich die chinesische Unisplendour ebenfalls zurückgezogen. Und auch die Übernahme von Lattice Semiconductor durch chinesische Investoren steht jetzt zur Disposition. Mit der zu Philips gehörenden Lumileds hatte ein weiteres ausländisches Unternehmen Verkaufsabsichten an einen chinesischen Investor angesichts der Haltung der CIFUS aufgegeben.