Kampf der Foundries Wird TSMC künftig exklusiv für Apple fertigen?

Morris Chang will TSMC im Juni 2018 verlassen
Will 20 Mrd. Dollar in neue Fabs investieren: Morris Chang

TSMC fertigt den A11 für Apple exklusiv. Das könnte auch für die kommenden Prozessor-Generationen so bleiben.

TSMC wird viel Geld investieren, um seine Spitzenposition im Foundry-Markt zu verteidigen und auszubauen. Erst kürzlich hatte Chairman Morris Chang erklärt 15 bis 20 Mrd. Dollar in eine neue Fab zu investieren, um ICs bis zur 3-nm-Ebene fertigen zu können. 

TSMC stellt derzeit als einzige Foundry die Prozessoren für die iPhones her, die Apple in diesem Jahr fertigt. Jeff Williams, der TSMC zur Feier des 30. Geburtstages in Taiwan besucht hat, erinnert sich an den Anfang der Geschäftsbeziehungen, die vor einigen Jahren eingeleitet wurden: »Wir wollen die neusten Fertigungstechnologien und wir wollen die Fertigung in Stückzahlen. Für TSMC bedeutet das ein hohes Investment. Und es bedeutet, dass die Foundry neue Prozesse schneller hochfahren muss, als es dem eher vorsichtigen Plan der Halbleiterindustrie insgesamt entspricht. Zusammen haben wir beschlossen, dass wir die Wette eingehen.« 

Apple hatte also ausschließlich auf TSMC gesetzt, um die Prozessoren der neusten Generation fertigen zu lassen. TSMC investierte nach den Worten von Williams 9 Mrd. Dollar, um die Produktion der Applikationsprozessoren für das iPhone und iPad innerhalb der Rekordzeit von 11 Monaten hochzufahren, 6000 Menschen arbeiteten rund um die Uhr. »Alles verlief reibungslos«, so sein Fazit laut der Taiwan News. Die Wette ging also sowohl für Apple als auch für TSMC positiv aus. 

Um weiter an der Spitze zu bleiben, wird TSMC seinen 7-nm-Prozess im kommenden Jahr hochfahren. Ob die Foundry die einzige Fertigungsquelle für Apple bleibt? Immerhin hatte auch Samsung angekündigt, den eigenen 7-nm-Prozess im kommenden Jahr hochfahren zu wollen und dafür EUV-Lithografiegeräte einzusetzen. Es würde immerhin eine Alternative bestehen. Allerdings ist es schwierig, die Prozesse zu vergleichen, weil sich die gleichbenannten Prozessebenen der verschiedenen Firmen unterscheiden und nicht immer eins zu eins verglichen werden können. 7 nm müssen dann nicht gleich 7 nm sein.

Was wird die Zukunft bringen?  Williams weist zunächst darauf hin, was heute schon möglich ist: »Jedes Mal, wenn Sie mit dem iPhone ein Foto schießen, finden über 100 Milliarden Rechenoperationen statt«. 

Für die Zukunft ist er optimistisch. Dass die Halbleiterindustrie ihre Innovationsgeschwindigkeit reduziert hätte, kann er nicht feststellen. Das Potenzial sei grenzenlos. Allerdings sei die Frage nicht mehr wie vor zehn Jahren, sich zwischen hoher Performance und geringer Leistungsaufahme entscheiden zu müssen. »Die Frage ist nicht mehr, ob wir genügend Rechenleistung bekommen, um unsere Ziele zu erreichen, die Frage ist, ob wir die richtigen Ziele avisieren, um die Technik zu nutzen!«

Für die Zukunft glaube Apple stark an die Cloud, aber auch, dass sehr viel Rechenleistung in die Geräte wandert. Das sei der beste Weg, die Geräte mit attraktiven Features auszustatten, ohne dafür Kompromisse hinsichtlich schneller Reaktionszeiten, sowie Sicherheit und Datenschutz eingehen zu müssen. Neuronale Techniken, wie sie der A11 schon für die Gesichtserkennung lokal verwendet, würden noch in weit stärkerem Maße in die Prozessoren Eingang finden. Über die nächsten zehn Jahre ginge es vor allem darum, das Leben der Menschen einfach zu verbessern. Beispielsweise würden die IC-Prozesstechnik und die Fortschritte auf Chipebene allgemein das Gesundheitswesen revolutioneren. Deep Learning, Machine Learning und KI und die richtige Mischung aus Verarbeitung lokal in den Geräten und in der Cloud trieben die Revolution – nicht nur im Gesundheitssektor.