Toshiba Memory Western Digital will Verkauf stoppen

3D-NAND-Flash-Speicher von Toshba Memory. Kommt Western Digital mit einer Minderheitenbeteiligung durch?
In der Spitzengruppe der technischen Entwicklung: 3D-NAND-Flash-Speicher von Toshiba Memory. Kann Western Digital den Verkauf an Dritte verhindern?

Western Digital will den Verkauf von Toshiba Memory an Dritte verhindern und hat vor einem kalifornischen Gericht Klage eingereicht.

»Toshiba versucht unsere Rechte zu umgehen und ließ uns keine andere Wahl, als diese Maßnahmen zu ergreifen«, sagt Steve Milligan, CEO von Western Digital (WD). Mit dem verweis auf die Rechte von WD bezieht er sich darauf, dass das Unternehmen über den Kauf von SanDisk vor einem Jahr mit Toshiba Memory schon seit vielen Jahren ein Joint-Venture zur Fertigung von NAND-Flash-Speichern betreibt. Deshalb könne Toshiba die NAND-Speicher-Tochter Toshiba Memory nicht ohne Zustimmung von WD verkaufen. Ein Schlichtungsverfahren vor dem International Court of Arbitration diesbezüglich läuft bereits.

Nun ist WD selber daran interessiert, zumindest einen Teil von Toshiba Memory zu übernehmen, auch wenn das zu Schwierigkeiten mit den Anti-Trust-Behörden verschiedener Länder führen könnte, weil SanDisk mit einem Anteil von 18 Prozent an zweiter Stelle (nach Samsung mit 35,4 Prozent) und Toshiba Memory mit einem Anteil von 16,5 Prozent an dritter Stelle im NAND-Flash-Markt liegen (im ersten Quartal 2017). Immerhin will ein Konsortium, dem WD angehört, 18 Mrd. Dollar in Toshiba Memory stecken.  

Toshiba ist nach dem Debakel mit der US-Tochter Westinghouse – sie steht in den USA unter Gläubigerschutz, Toshiba musste 10 Mrd. Dollar abschrieben – stark unter Zeitdruck und will den Verkauf so schnell wie möglich und möglichst ohne Verzögerungen durch Anti-Trust-Untersuchungen über die Bühne bringen. Denn wenn nicht schnell Geld in die Kasse kommt, droht Toshiba von der Tokyo Stock Exchange genommen zu werden – und damit die endgültige Pleite.

Toshiba gibt sich deshalb von der WD-Klage unbeeindruckt und will das Bieterverfahren unbeirrt fortführen. Denn schon am 28 Juni soll entschieden sein, wer Toshiba Memory übernehmen darf.

Alles spricht dafür, dass Toshiba am liebsten an ein Konsortium mit dem US-Chiphersteller Broadcom, Kohlberg Kravis Roberts (KKR) und der Innovation Network Corp. of Japan verkaufen will, denn Broadcom fertigt keine NAND-Speicher, Schwierigkeiten mit einer unerlaubten marktbeherrschenden Stellung könnten so gar nicht auftauchen.

Des sehr verlockenden Angebots von Foxconn, zu der sich laut der letzten Gerücht auch Amazon und Apple hinzugesellt hätten, Toshiba Memory für 27 Mrd. Dollar übernehmen zu wollen, muss sich Toshiba wohl enthalten: Die japanische Regierung und die japanische Industrie wünschen nicht, dass das Unternehmen in die Hände eines taiwanischen Herstellers mit besten Beziehungen zu China gerät. Zumindest Abfluss von Know-how könnte drohen.