Toshiba Memory Western Digital droht – und erhöht Angebot

Wer übernimmt Toshiba Memory?

Um zu überleben, muss Toshiba ihre NAND-Speicher-Einheit verkaufen. Aber an wen?

An Firmen, die das florierende NAND-Speicher-Geschäft von Toshiba übernehmen wollen, mangelt es nicht. Unter ihnen ist Western Digital, die vor einem Jahr SanDisk gekauft hatte. SanDisk aber betreibt mit Toshiba Memory schon seit vielen Jahren gut laufende Joint-Ventures zur Fertigung von NAND-Flash-Speichern.

Deshalb meint nun Western Digital, dass Toshiba nicht einfach Toshiba Memory einschließlich der gemeinsam betriebenen Fab in Yokkaichi verkaufen könnte. »Wir betreiben die Joint-Ventures mit Toshiba seit 17 Jahren, zum Erfolg aller Beteiligten und Japans. Wir setzen die Gespräche mit den Anteilseignern von Toshiba fort und wollen klar stellen, dass sie unsere Rechte als Joint-Venture Partner anerkennen müssen sowie unseren Wunsch, mit Toshiba weiter zusammen zu arbeiten, um ein für alle Seiten günstiges Ergebnis zu erzielen. Wir sind überzeugt, dass wir alle Herausforderungen annehmen können, um die technologischen Innovationen in Japan weiterführen können«, sagte Steve Milligan, CEO von Western Digital. Ohne Zustimmung seitens Western Digitals liefe da gar nichts – zumal ja ein eigenes Interesse an der Übernahme besteht.

Um dies klar zu stellen, legte das Unternehmen kürzlich den Fall dem International Chamber of Commerce zur Schlichtung vor. Das könnte unangenehm für Toshiba werden, denn so würde der Verkauf verzögert – und im März 2018 droht der Rausschmiss aus der Tokyo Stock Exchange, sollte das Unternehmen bis dahin seine finanzielle Krise nicht bereinigt haben. Das Verfahren aber könnte mindestens ein Jahr dauern. Toshiba – und die Geldgeber, darunter  Sumitomo Mitsui Banking, Mizuho Bank und Sumitomo Mitsui Trust Bank – bräuchten das Geld also dringend.
 
Am besten so viel davon wie möglich. Sehr viel, nämlich 27 Mrd. Dollar, hatte Hon Hai Precision, weltweit besser unter dem Namen Foxconn bekannt, für die Übernahme geboten. Das wiederum gefällt der japanischen Regierung nicht, die noch den Verkauf von Sharp an Foxconn verdauen muss.

Und Geld sei nicht alles, sagte kürzlich ein hoher Toshiba-Manager.

Wie die Japan Times jetzt berichtet, habe Western Digital das eigene Angebot zur Übernahme der NAND-Flash-Sparte von Toshiba auf von 14 auf 17,8 Mrd. Dollar erhöht.  Steve Milligan und Satoshi Tsunakawa hätten vor wenigen Tagen über die Übernahme gesprochen, an der auch die Innovation Network Corp. of Japan und die staatseigene  Development Bank of Japan zu einem Viertel beteiligt werden sollen.

Knapp 18 Mrd. Dollar – das war auch die Summe, die Broadcom und Silver Lake Partner für Toshiba Memory ausgeben wollten. Auch  Kohlberg Kravis Roberts und Bain Capital sind an einer Übernahme interessiert. Bain will die halbstaatliche Innovation Network Corp. of Japan und die staatseigene Development Bank of Japan und die staatseigene Development Bank of Japan einbinden. Der Plan sieht vor, dass sich im Management von  Toshiba Memory nichts ändern soll.

Nun sieht es so aus, als könne Western Digital doch einen gewissen Druck ausüben, um die Übernahme in die eigene Richtung zu lenken.  Toshiba aber lehne das Angebot weiter ab und bevorzuge eine andere Option, vermutlich eine Übernahme durch US-Finanzinvestoren in Verbindung mit der Innovation Network Corp. of Japan und der Development Bank of Japan.

Viel Zeit bleibt nicht mehr: Nach den ursprünglichen Plänen wollte Toshiba zur Hauptversammlung Ende Juni verkünden, welcher Bieter den Zuschlag erhält.