Sieht Qualcomm nur verwundbar aus? Was Broadcom wirklich will

Wie die Grafik von Statista zeigt, kämen Qualcomm und Broadcom einfach aufaddiert  auf einen Marktanteil von 8,4 Prozent. Zudem ist Qualcomm gerade dabei, NXP zu übernehmen. Dann müsste auch der dieser Anteil in Höhe von 2,7 Prozent dazu gerechnet werden, so dass der theoretische Angteil von 11,1 Prozent erreicht würde.
Wie die Grafik von Statista zeigt, kämen Qualcomm und Broadcom einfach aufaddiert auf einen Marktanteil von 8,4 Prozent. Zudem ist Qualcomm gerade dabei, NXP zu übernehmen. Dann müsste auch der dieser Anteil in Höhe von 2,7 Prozent dazu gerechnet werden, so dass der theoretische Anteil von 11,1 Prozent erreicht würde.

Würde Broadcom wie geplant Qualcomm übernehmen, entstünde der drittgrößte Halbleiterhersteller der Welt. Aber das ist vielleicht gar nicht die Intention.

Bis zu 130 Milliarden Dollar, Schulden eingerechnet, will Broadcom sich Qualcomm kosten lassen. Qualcomm kündigte schon an, den Deal als zu niedrig und regulatorisch zu riskant ablehnen zu wollen. Doch das Unternehmen steht aktuell nicht gut da: Qualcomm streitet sich nicht nur mit Kartellbehörden, sondern auch mit einem der wichtigsten Kunden: Apple. Der Tech-Gigant droht, keine Qualcomm-Chips mehr für das iPhone zu kaufen, was zuletzt den Aktienpreis nach unten trieb.

Das will Broadcom offenbar ausnutzen, um zuzuschlagen und die eigentlich größere Qualcomm zu übernehmen. Wie bei allen Übernahmen in der Halbleiterbranche steht dahinter, die Kosten zu reduzieren und neue Kunden zu gewinnen, um die Chips in Stückzahlen produzieren und verkaufen zu können, die den riesigen Aufwand, der in Entwicklung und Produktion gesteckt werden muss zu rechtfertigen. Dazu nur zwei Zahlen: Morris Chang von TSMC sprach von 15 bis 20 Mrd. Dollar für eine neue Fab, ein Lithografiegeräte der neuen EUV-Generation soll rund 170 Mio. Dollar kosten.

Zudem wird als sinnvoll angesehen, dass ein Halbleiterhersteller möglichst viele verschiedene Chips aus einer Hand anbieten kann. Unter dem Druck von IoT wachsen bisher getrennte Bereich zusammen, die verschiedenen Chips – und nicht zu vergessen ihr Packging – können aufeinander abgestimmt werden. Es bestünde also eine Möglichkeit darin, dass Broadcom eine breit aufgestellte IoT-Company werden möchte. Das heißt, auch die entscheidenden Chips von 5G bis zu liefern, aber bei weitem nicht nur: Automotive, die Industrie, die Medizintechnik und Security wären ebenfalls interessante Märkte, die ein solcher Konzern in der Theorie abdecke.  Da könnte zusammen wachsen, was im Zeichen der digitalen Transformation zusammen gehört. 130 Mrd. Dollar für die Übernahme erscheinen zwar auf den ersten Blick eine riesige Summe, aber vielleicht wären sie ja gut angelegtes Geld. Oder gäbe es eine bessere Möglichkeit, es anzulegen?

Qualcomm unterbewertet?

Qualcomm würde aus seiner Perspektive wohl nicht von gut angelegtem Geld sprechen. Wenn Qualcomm im Moment angreifbar aussehe, dann sei dies einfach nicht gerechtfertigt. Das Geschäft mit den Chips habe sich gut entwickelt und mit der Übernahme von NXP versuche Qualcomm, in neue Märkte wie Industrie und Automotive vorzudringen. Und das Unternehmen decke ja sowieso schon ein breites Spektrum von Chips ab, die in Smartphones wandern, bis zu den Sensoren. Wozu dann das Störfeuer von Broadcom?

Die Analysten von Strategy Analytics haben darauf eine Antwort: Broadcom will die Modems von Qualcomm – und sei an dem Rest nicht interessiert. Der Aufwand, selber Baseband-Prozessoren zu entwickeln sei immens. Da locke es, Qualcomm in der jetzigen Situation für einen Schnäppchenpreis zu bekommen. So jedenfalls sehen es die Analysten von Strategy Analytics. Intel, Mediatek und Spreadtrum seien technisch verglichen mit Qualcomm eher hinterher. Die zu Huawei gehörende HiSilicon oder Samsung liegen sowieso außer Reichweite. Also wäre Qualcomm das ideale Ziel.