In den Startlöchern Wann schlagen Chinas Chip-Investitionen durch?

Die chnesische IC-Industrie boomt - keine Gefahr sondern eine Chance für die weltweiten Hersteller, wie Prof. Wei Shaojun erklärt.
Die chnesische IC-Industrie boomt - keine Gefahr sondern eine Chance für die weltweiten Hersteller, wie Prof. Wei Shaojun erklärt.

Chinas IC-Industrie will bis spätestens 2035 Anschluss an die führenden Chiphersteller gefunden haben. Schon bis 2020 hat die Regierung hohe Ziele gesetzt.

Dieses Ziel nennt Prof. Wei Shaojun, Dekan des Department of Micro- and Nano-Electronics der Tsinghua University im Interview mit »The Korea Herald«. Bis 2020 will die chinesische Regierung, die Wei Shaojun auf dem Sektor der Halbleiterindustrie berät, 20,9 Mrd. Dollar (138 Mio. Yuan) in den Aufbau einer eigenen Chipindustrie stecken.  Das sei aber laut Shaojun keine Drohung, sondern eine ganz normale Weiterentwicklung.  

So hat dies auch Wally Rhines kürzlich ausgedrückt, CEO und President der jetzt zu Siemens gehörenden Mentor: So wie kaum jemand darauf gewettet habe, dass es Unternehmen aus Korea gelingen könnte, die damals hohen Hürden zu überspringen, um in die Gruppe der weltweit führenden Speicher-IC-Hersteller aufsteigen zu können, so seien jetzt viele skeptisch, ob es China gelingen werde, den technischen Vorsprung der Wettbewerber aus den führenden Weltregionen aufzuholen.

Chinesische Kapazitäten lassen Speicherpreise sinken

Wie damals, so könnten die Skeptiker auch im Fall von China eines Besseren belehrt werden. Wie Rhines gegenüber Markt&Technik sagte, halte er es für wahrscheinlich, dass die riesigen Investitionen in neue Speicher-Fabs in China bereits im Jahr 2019 dazu beitragen könnten, dass statt Unter- wieder Überversorgung herrsche und die Speicherpreise in den Keller gingen.

Rhines zeigte sich außerdem überzeugt, dass die pure Größe eines IC-Herstellers nicht den wirtschaftlichen Erfolg bestimme und einige Analysten die großen Merger, die derzeit stattfinden, als eine Konsolidierung einer reifen Industrie falsch interpretieren würden.

Seiner Ansicht nach finde derzeit vielmehr eine Spezialisierung statt und alle Unternehmen, die sich auf bestimmte Produkte spezialisiert hätten, könnten schon heute die Früchte ihrer Bemühungen ernten.

Außerdem sei die Halbleiterindustrie quicklebendig und es würden so viele Start-ups wie nie zuvor gegründet – gerade in China. Dass die Halbleitertechnik immer mal wieder in unterschiedlichen Weltregionen – USA, Europa, Japan, Korea, Taiwan und jetzt China vorangetrieben werde, sei ebenfalls nichts Neues.

Prof. Wei Shaojun will in der Entwicklung in China das Gegenteil einer Bedrohung für die weltweite IC-Industrie sehen. Dass China boome sei im Gegenteil eine gute Nachricht, weil China für Hersteller aus allen Ländern große Chancen biete. Sie könnten die guten Rahmenbedingungen – Steuervergünstigungen, günstige Grundstücke und eine gute öffentliche Infrastruktur –, die die chinesische Regierung für die Industrie setze, dazu nutzen, ihre Geschäfte in China weiter zu entwickeln.

Die Ziele der Regierung

Die Ziele der chinesischen Regierung bis 2020 sind: Einen Umsatz mit ICs in Höhe von 1 Billiarde Yuan zu erreichen, die Massenproduktion von Chips auf den Prozessebenen von 16 und 14 nm zu starten und mit diesen ICs die globalen Märkte für mobile Geräte, IoT, Cloud-Computing und Big Data anzuvisieren.

Dass China interessiert ist, eine eigene IC-Industrie aufzubauen, dürfte keine Überraschung sein, weil China 2013 zum größten Markt für Chips aufgestiegen ist. Führende Hersteller wie Intel, Samsung und SK Hynix liefern eifrig in diesen Markt, der allein 2016 um 20 Prozent auf 434 Mrd. Yuan gewachsen ist. Chinesische IC-Firmen produzierten gerade einmal ein Viertel davon. Prof. Wei Shaojun beziffert den Importanteil der Chips auf 65 Prozent. Er geht aber davon aus, dass die chinesischen Hersteller mindestens noch 15 Jahre benötigten, um technologisch zur Weltspitze aufschließen zu können.