VDE sorgt sich um Silicon Saxony

Der VDE verlangt eine konzertierte europäische Industriepolitik Mikroelektronik, die dem Stellenwert der Schlüsseltechnologie gerecht werde. Schon jetzt sei der Standort »Silicon Saxony« im globalen Ranking von Platz 5 auf Platz 8 abgerutscht.

Es geht dem VDE vor allem um mehr Fördergelder. Die Fabs müssten unbedingt gehalten werden, andernfalls sei der Leuchtturm im deutschen Osten mitsamt seinen 1200 Firmen, 44.000 Mitarbeitern und 6 Mrd. Euro Jahresumsatz gefährdet. 

»Mikroelektronik-Standort Sachsen am Scheideweg«, so lautete der düstere Titel der Pressekonferenz des VDE. Warum so pessimistisch, fragt sich der erstaunte Journalist, hat doch »Silicon Saxony« bislang vor allem mit Jubel-Meldungen geglänzt. Und tatsächlich, auch 2008 hat Deutschland seinen Spitzenplatz als führender Mikroelektronikstandort verteidigen können – jeder zweite Chip aus europäischer Produktion stammt von hier.

Trotzdem wünscht der VDE mehr Subventionen. Deutschland müsse mehr in die Mikroelektronik investieren, das Cluster Dresden brauche einen »neuen Schub«. Denn Asien rückt vor: 74 neue Halbleiterfabriken sollen hier entstehen – in Europa sind nur fünf geplant. In Asien, so erläutert VDE-Sprecher Walter Börmann, locken nicht nur große Absatzmärkte, sondern auch glänzende Rahmenbedingungen für die Produktion: Wer sich für den Bau einer Fab dort entscheide, »dem wird sie kostenlos vor die Tür gestellt«, erklärt Börmann.

Demgegenüber machten sich die 2 Milliarden Euro Subventionen (»Strukturfondsmittel«), die von der Politik bislang nach Dresden geflossen sind, bescheiden aus. Zudem hätten Sie ja auch zu Rückflüssen in Form von ca. 10 Milliarden Euro Steuereinnahmen und Sozialabgaben geführt – »eine Win- Win-Situation« also, folgert der VDE. Also soll bitte jetzt noch mal tüchtig in die Kasse gegriffen werden, es sei schließlich zum Wohle der gesamten deutschen High-Tech-Industrie: Die Mikroelektronik treibe auch die starken deutschen Bereiche Automotive, Medizintechnik und Life-Sciences, Energietechnik und Mikrosystemtechnik voran.

Die Experten im VDE sehen den Mikroelektronik-Standort Deutschland in Europa zwar als noch führend an. Doch der Wettbewerb werde härter. Ostasien verfüge international über die größte Innovationskraft in der Mikroelektronik, und das mit steigender Tendenz und einer Verschiebung von Taiwan in Richtung China und Indien. Stark sei Deutschland zwar wegen seiner guten Ingenieurqualifikation und Forschungsposition, in der Systemkompetenz, in der mittelständischen Unternehmens-Infrastruktur sowie bei den Faktoren Liefersicherheit und Qualität.

Doch die mit Abstand größte Schwäche in der Mikroelektronik sei der Kostenfaktor bei der Produktion – neben der geringen Homogenität der Mikroelektronik- Industrie und dem Mangel an Risikokapital. Wie das, fragt man sich, macht doch der Personalkosten- Anteil einer Fab nur rund fünf Prozent aus? »Doch, das falle bei Margen von nur 3 Prozent durchaus ins Gewicht«, sagt VDE-Pressechef Börmann. Die Chipfabriken müssten unbedingt gehalten werden, sonst würden vor Ort bald fast nur noch Entwicklungen von Teillösungen für andere Entwickler sowie Marketing anzutreffen sein. Zeit zu handeln, drängt der VDE, Bundesregierung und EU erhalten für ihr gegenwärtiges technologiepolitisches Engagement von ihm gerade mal die Note »befriedigend«. Standort Dresden also am Scheideweg? Nachfrage bei AMD: ist der Fabrikausbau »Fab 38« gefährdet? Schließlich gab es dazu immer mal wieder Gerüchte, und die jüngst veröffentlichten schlechten Zahlen des Intel-Konkurrenten tragen nicht zur Entwarnung bei.