Broadcom, CIFUS und der Ruf der Heimat Trump holt Halbleiter heim?

Glückliches Amerika durch Protektionismus? Die neue Regierung sagt »Ja!«
Glückliches Amerika: Die Wirtschaft boomt wie lange nicht mehr, globale Unternehmen wie Braodcom schätzen die USA wieder als attraktiven und wettbewerbsfähigen Standort ein.

Broadcom – ursprünglich in den USA gegründet und dann nach Singapur gezogen – will zurück in die Heimat mit oder ohne Steuerreform. Warum wohl?

Klappern gehört zum Handwerk: So schreibt Präsident Trump selbstverständlich seiner America-First-Politik zugute, dass eine 100-Mio.-Dollar Firma reumütig ihren Hauptsitz in die USA zurückverlegen möchte. Bei der Firma handelt es sich um Broadcom – ihr President und CEO Hock Tan klappert ebenfalls gerne und verkündet, dass der Umzug einen Umsatz von 20 Mrd. Dollar zurück nach Amerika bringen werde – insgesamt hatte das Unternehmen 2016 einen Umsatz von 13,2 Mrd. Dollar ausgewiesen. Da dürfte also auch ein wenig Folklore dabei sein. Dem Staat bescherte der Umsatzsegen entsprechende Steuereinnahmen. Die würden allerdings im Rahmen der geplanten Steuerreform der Trump-Regierung mäßig ausfallen: Nach den Plänen der Regierung sollen sie von 35 auf 20 Prozent gesenkt werden. Zum Vergleich: Deutsche Unternehmen müssen 30 Prozent berappen. Allerdings ist immer noch fraglich, ob und in welchem Umfang Trump die Reform wird durchsetzen können.

Die Steuerreform im Speziellen sei denn auch gar nicht der Hauptgrund für die Rückbesinnung, so Hock Tan. Vielmehr sei es unter der Regierung der Republikaner wieder einfacher und geradezu attraktiv geworden, ein globales Unternehmen vom Hauptsitz in God´s own Country aus zu führen: Das Land sei wieder wettbewerbsfähig geworden.  Im Gegenzug preist Trump Broadcom als »one of the really great, gereat companies.«

Nach so viel Folklore nun also zu den weiteren Fakten. Dazu ein kurzer Rückblick.

Am Anfang steht die größte Übernahme in der Geschichte der Halbleiterindustrie, vollzogen zu Beginn 2016: Damals hatte Avago – Hauptsitz Singapur – Broadcom für 37 Mrd. Dollar gekauft, die daraufhin den Firmensitz dorthin verlegte. Der neue Firmenname: Broadcom.

Broadcom hatte nicht nur den Firmensitz sondern offensichtlich auch die Kauflaune von Avago übernommen und wollte sich vor einem Jahr für 5,9 Mrd. Dollar Brocade einverleiben. Der Federal Trade Commission (FTC) sah den Deal allerdings kritisch, weil Brocade 70 Prozent am Switching-Markt für optische Fiber Channel Storage Area Networks (FC-SAN) hält. Einziger Wettbewerber: Cisco. Beide beliefert Broadcom mit den dafür erforderlichen ASICs. Diese Konstellation könnten Brocade und Cisco zum Nachteil ihre Kunden nutzen, befürchtete die FTC. Dennoch wollte sie die Übernahme unter bestimmten Auflagen durchwinken.

Doch auch das Committee on Foreign Investment in the United States (CIFUS), das schon die Übernahme von Lattice und sogar der deutschen Aixtron durch chinesische Investoren verhindert hatte, interessiert sich für den Fall – weshalb er bis jetzt nicht zum Abschluss kam.  Würde Broadcom wieder amerikanisch, dann wäre das Unternehmen der Probleme mit der CIFUS ledig und dann könnten Brocade und Broadcom gemeinsam vielleicht sogar den Umsatz in Richtung 20 Mrd. Dollar bewegen. Da also dürfte der wahre Grund für die neu entflammte Liebe zur alten Heimat liegen. »Wir wollen unseren Hauptsitz wieder in die USA verlegen – unabhängig davon, ob die es zur Steuerreform kommt oder nicht«, erklärt Hock Tan denn auch eindeutig und ohne folkloristischen Firlefanz.

Dennoch würde fürderhin der amerikanische Präsident den Schritt mit Wohlwollen betrachten und entsprechend vermarkten, was zumindest kein nachteiliger Nebeneffekt wäre, sonnt sich die Industrie doch gerne im Lichte der Politik. Jedenfalls hat Tan versprochen, 3 Mrd. Dollar in die Forschung und Entwicklung und 6 Mrd. Dollar in die Fertigung in den USA zu investieren.