Kommentar Toshiba Memory - siegt die Hoffnung?

Das waren die Ursachen des Toshiba-Desasters und so sehen die Hoffnungen für die Zukunft aus.

Toshiba musste seine Chipsparte verkaufen obwohl die NAND-Flash-Speicher-IC-Einheit 90 Prozent des Gewinns in die Kassen gespült hatte. Im Moment trennt sich das Unternehmen wohl nur sehr ungern davon – was auch für das mächtige MITI gilt. Immerhin ist das Gesicht nach dem Verkauf gewahrt, Japan hält mit 50,1 Prozent die Mehrheit an Toshibas verscherbelten Tafelsilber.

Doch geliebt war die Halbleiterdsparte bei Toshiba nicht immer. Das Phänomen ist bekannt: Große Konzerne kommen mit dem durch starke Zyklen und hohem Investitionsbedarf gekennzeichneten IC-Geschäft nur schwer zurecht. Vielleicht hält sich bei Toshiba die Trauer bei so manchen Manager auch in Grenzen, weil der nächste Abschwung  mit Sicherheit kommt. Jetzt zu verkaufen (sogar zu müssen),  da die Speicherpreise sehr hoch liegen, dürfte so mancher bei Toshiba für einen Glücksfall halten.  

Denn die Zeiten liegen nicht weit zurück, als die komischen Halbleiterleute weniger durch Gewinne auffielen, dafür aber ständig mit Forderungen nach heftigen Investitionen nervten. So richtig flossen sie nicht.

Was eine Strategie ist, zeigte dagegen Samsung – das Unternehmen investierte massiv in den Ausbau der Halbeiter-Division, auch auf dem Sektor der NAND-Flash-ICs und verwies Toshiba im NAND-Sektor auf Platz 2.   

Atomkraft war die Vision

Denn was Toshiba noch vor zehn Jahren wirklich antrieb, war das Geschäft mit Atomkraftwerken. Hier wollten die Japaner zur Nr. 1 weltweit aufsteigen und kauften 2006 Westinghouse Electric. Auch Mitsubishi Heavy Industries verfolgte damals diese Strategie so trieben beide Unternehmen den Preis hoch und Toshiba durfte als Meistbietender das US-Unternehmen für 5,4 Mrd. Dollar übernehmen. 2009 noch rechnete Toshiba damit, bis 2015 an die 40 Aufträge weltweit für den Bau neuer Atomkraftwerke ergattern zu können.
 
Der März 2009 veränderte dann mach der Katastrophe von Fukushima alles. Das für den Kauf von Westinghouse verantwortliche Management stolperte allerdings  über einen Bilanzskandal. Das neue Management sah sich dann auch noch dem Westinghouse-Desaster gegenüber, das Toshiba schlussendlich einen Verlust von fast 9 Mrd. Dollar brachte. Den höchsten Verlust, den ein japanischer Hersteller jemals eingefahren hatte. Jetzt ist das Eigenkapital tief im roten Bereich, nur das Geld aus dem Verkauf von Toshiba Memory könnte Toshiba vor dem Rausschmiss aus der Börse von Tokio noch retten.

Aussöhnung mit Western Digital?

Wie geht es  bei Toshiba Memory weiter? Der Chef von Bain Capital in Japan geht davon aus, die Übernahme trotz der juristischen Schritte von Western Digital in der erforderlichen Zeit – also sehr schnell – durchboxen zu können. Er bezeichnete Western Digital sogar als wichtigen Partner und hofft auf eine Befriedung, die schlussendlich beiden Partnern nutzen sollten.

Und Toshiba Memory dürfte hoffen, die Mitarbeiter  trotz massiver Abwerbungsbemühungen des lieben Wettbewerbs bei der Stange halten zu können, immerhin sind Investitionen von mehreren Milliarden Dollar pro Jahr geplant.

Doch noch gilt: Die Hoffnung spielt die Hauptrolle.  Der Ausgang ist offen.