Verwirrung um Toshiba Memory Toshiba klagt gegen WD – Foxconn droht

Wann der Verkauf von Toshiba Memory über die Bühne gehen kann, ist immer noch nicht klar.

Foxconn sieht sich immer noch im Rennen um Toshiba Memory: aber nicht mehr lange, so die Drohung.

Ob allerdings die Aussage von Terry Gou, Chairman von Hon Hai, bei Toshiba überhaupt als Drohung ankommt? Bisher schienen sich Toshiba, die japanische Wirtschaft und staatliche Stellen einschließlich der Regierung einig zu sein, dem auch unter dem Namen Foxconn bekannten Unternehmen Hon Hai Precision Instruments aus Taiwan die kalte Schulter zu zeigen. Und das, obwohl das Angebot von Foxconn mit 27 Mrd. Dollar weit über den rund 18 Mrd. Dollar der anderen Bieter lag. Dass Foxconn prominente Unterstützung aus den USA von Amazon und Apple bekommen hatte, die Interesse zeigten, sich an der Seite der Taiwaner an der Übernahme zu beteiligen, konnte daran nichts ändern.

Denn Geld sei nicht alles, hatte ein Manager von Toshiba schon zuvor wissen lassen. Beobachter meinten, damit sei alles gesagt. Denn Japan hatte signalisiert, den NAND-Flash-Pionier zwar so schnell wie möglich verkaufen zu wollen, um die Mutter Toshiba mit dem Erlös vor dem Untergang zu retten – doch nach den eigenen Bedingungen: Toshiba Memory sollte möglichst japanisch bleiben, ein Abfluss des wertvollen technischen Know-hows verhindert und Arbeitsplätze im Land behalten werden.

Doch nun hat Terry Gou in einem Interview mit Nikkei Asia Review erneut »seine Hilfe angeboten«, gleichzeitig aber wissen lassen: »Wenn sie mich aber weiter ausschließen, dann verliere ich das Interesse.«

Damit machte er auf ein ernstes Problem aufmerksam: Wer im Sektor der NAND-Flash-ICs vorne mitmischen will, der muss ständig an der Fortentwicklung der Technik arbeiten. Wen allerdings äußere Probleme davon ablenken, hat dafür vielleicht keine Zeit – und fällt technologisch zurück, was im schnelllebigen Speichergeschäft tödlich sein könnte. Gous Fazit im Interview: »Länger als sechs Monate werde ich nicht warten, denn bis dann wird Toshiba Memory technisch hinter andere zurückgefallen sein.«

In dieselbe Kerbe, allerdings von einer anderen Seite, hieb Western Digital vor wenigen Tagen: Das Unternehmen, das über die Tochter SanDisk schon seit vielen Jahren ein NAND-Flash-Joint-Venture mit Toshiba betreibt, stellte den ersten 96-Layer-3D-NAND-Flash-Speicher-ICs vor, der – wie WD genüsslich berichtete – in Zusammenarbeit mit Toshiba entwickelt wurde. Der Subtext lautet also: Wer in aller Welt will auf einen solchen Partner verzichten, der dafür sorgt, dass beide Unternehmen weiter an der Spitze der Technik bleiben?

Denn Western Digital will ein gewichtiges Wort beim Verkauf von Toshiba Memory mitreden, eben weil die Joint-Venture-Beziehungen bestehen. Das sieht Toshiba nicht so. Vielmehr geht das Management davon aus, dass WD unberechtigterweise den Verkauf von Toshiba Memory behindert.

Alles spricht aber dafür, dass Toshibas Wahl auf ein Konsortium unter Leitung der Innovation Network Corp. of Japan (INCJ) fällt, in dem Japan zusammen mit der Development Bank of Japan die Mehrheit hält und WD nicht beteiligt ist.

Das kann Western Digital gar nicht gefallen. Denn am liebsten würde WD selber am Kauf von Toshiba Memory beteiligt sein, und ist deshalb Mitglied eines Konsortiums, dem auch KKR angehört und das zur Schar der Bieter um Toshiba Memory gehörte. Es fand offenbar bei Toshiba kein Gehör. Nun will WD gegen den geplanten Verkauf ein Veto einlegen und fühlt sich wegen der Joint-Venture-Beziehungen dazu berechtigt. Entsprechende Rechtsverfahren laufen.

Das sieht wiederum Toshiba gar nicht so und hat erst vor wenigen Tagen seinerseits eine Klage gegen WD in Tokio eingereicht und das Unternehmen auf 1 Mrd. Dollar Schadenersatz verklagt.

Dass im erfolgreichen Konsortium um die INCJ und der Development Bank of Japan auch SK Hynix dabei ist, dürfte WD umso mehr ärgern, als SK Hynix ein Wettbewerber auf dem Gebiet der NAND-Flash-Speicher ist.

Weil es nur wenige NAND-Hersteller gibt, dürfte die Beteiligung von Hynix, trotz dessen vergleichsweise geringen Marktanteils, hinsichtlich Antitrust-Bestimmungen nicht unproblematisch sein. Käme es zu diesbezüglichen Untersuchungen, dürfte sich der Übernahmeprozess zumindest in die Länge ziehen, was Toshiba ganz und gar nicht recht sein könnte. Nicht in erster Linie, weil Toshiba Memory Gefahr liefe, den technischen Anschluss zu verpassen, sondern weil Toshiba dann selber stark pleitegefährdet wäre. Denn das Unternehmen ist dringend auf das Geld angewiesen, um die eigene Zahlungsfähigkeit zu wahren.

Es bleibt also spannend: Gelingt es Firmen wie Foxconn oder WD, den Verkauf zu verhindern oder zumindest zu verzögern? Könnte die Mutter Toshiba tatsächlich in den Untergang stürzen oder würde dies die früher so genannte »Japan Inc.« (nicht zu verwechseln mit der oben genannten INC of Japan!) doch noch verhindern können?