Umstrukturierung Toshiba gliedert Memory-Business aus

In Yokkaichi fertigt Toshiba den Großteil seiner Speicherbausteine wie etwa 3D-NAND-Flash.
In Yokkaichi fertigt Toshiba den Großteil seiner Speicherbausteine wie etwa 3D-NAND-Flash.

Der als Folge der Reaktorhavarie von Fukushima (März 2011) in finanzielle Schwierigkeiten geratene Konzern Toshiba strukturiert um. Laut CEO Satoshi Tsunakawa wird die Speicher-Chip-Division in eine eigenständige Firma übergeführt – der Name steht noch nicht fest.

Zuletzt hat diese gewinnreiche Sparte bei einem Umsatz von 7,3 Mrd. Dollar ein operatives Ergebnis von 955 Mio. Dollar erzielt. Im neuen Unternehmen werden neben den Flash-Chips auch SSDs gebündelt sein, nicht aber Festplattenlaufwerke, diskrete Halbleiterkompomenten und Image-Sensoren. Investoren will Toshiba allerdings mit »weniger als 20 Prozent« am neuen Unternehmen beteiligen und somit mehr als 80 Prozent der Anteile halten.

Bis zum Ende des Fiskaljahrs im März soll die Transaktion über die Bühne gegangen sein, um frisches Geld in die Kassen zu bekommen. Damit will man zum einen die enormen Verluste im Nuklearbereich bedienen, zum andern gelte es, die »hohen finanziellen Investments für das weitere Wachstum des Memory-Chip-Business, unser Schlüsselprodukt, zu schultern«, sagt Tsunakawa. Folglich werde man an den Plänen vom November l2016 festhalten: »Unsere Fertigungskapazitäten für 3D-NAND-Flash werden durch die Erstellung der neuen Fab in Yokkaichi wie geplant ausgebaut.«

Neben dem Speichergeschäft gelte Toshibas Hauptaugenmerk zudem weiterhin dem Energiesegment, das für Toshiba gleichbedeutend mit dem Memory-Business sei. Um dieses Standbein wieder profitabel zu machen, werde die Nuklear-Division unabhängig vom Energiesegment gemacht. Momentan lässt sich nur spekulieren, wer sich mit bis zu 20 Prozent am neuen Unternehmen beteiligen könnte. Sollte es kein Finanzinvestor sein, käme wohl am ehesten der langjährige Partner Sandisk (respektive dessen Mutter Western Digital) in Frage.

Dieser Meinung ist Speicherexperte Robert Herth, Senior LM&BDM Storage Solutions bei der MSC Technologies GmbH: »Wenn WD (SanDisk) kaufen könnte bzw. würde, dann wäre zu Samsung ein Ausgleich geschaffen.« Im Ranking der NAND-Flash-Hersteller dominiert Samsung vor Toshiba, auf den Rängen 3 und 4 folgen Sandisk und Micron. Laut den Marktforschern von Statista erreichte der koreanische Hersteller Samsung im ersten Quartal 2016 rund 35 Prozent, Toshiba erzielte 21 Prozent, Sandisk kam auf 15 Prozent und Micron auf 13 Prozent Marktanteil. Gerade bei 3D-NAND habe sich Samsung einen »gewaltigen Vorsprung erarbeitet und diktiert mehr oder weniger den Preis, speziell bei SSD für den Massenmarkt, aber auch für den Cloud-Markt«.

Deshalb brauche Samsung einen starken Gegenspieler. Großes Interesse dürfte Herth zufolge die koreanische SK Hynix haben, »weil Hynix in puncto SSD den Mitbewerbern hinterher hinkt, und dies nicht zu wenig«.