Toshiba Electronic Devices & Storage So geht es weiter

Über Toshiba wird derzeit viel geschrieben, speziell über den Memory-Bereich, denn hier ist das Hin und Her bei den Besitzverhältnissen eine schier endlose Geschichte. Aber der Halbleiterbereich von Toshiba umfasst viel mehr als nur Speicher.

Was mit dem Rest passiert, erklärte Peter Lieberwirth, Vice President Strategic Business Planning von Toshiba Electronics Europe (TEE), der europäischen Vertretung von TDSC.

Markt & Technik: Wie sieht derzeit der Status-Quo bei Toshiba aus?

Peter Lieberwirth: Derzeit geht es bei Toshiba Group vor allem darum, das Vertrauen der Aktionäre zurückzugewinnen. Deshalb hat sich die Group dazu verpflichtet, das Risiko zu eliminieren, das mit dem Auslandsgeschäft mit Kernenergie verbunden ist. Ein Schritt in diese Richtung war der Insolvenzantrag für Westinghouse nach Chapter 11 und die resultierende Dekonsolidierung des Bereichs, die im März dieses Jahres bereits abgeschlossen wurde. Darüber hinaus zielt die Gruppe darauf, sich schnell finanziell zu erholen und die Finanzbasis zu stärken. In diese Richtung zielen die Aktivitäten um das Speichergeschäft, bei dem es darum geht, Investoren von außen zu beteiligen. Dieser Vorgang soll im März 2018 abgeschlossen werden. Die dritte Maßnahme zielt darauf ab, das operative Geschäft der Gruppe zu verbessern, weshalb die einzelnen Business-Groups in hundertprozentige Tochtergesellschaften ausgegliedert wurden.

Welche Gesellschaften wird es geben bzw. gibt es schon? Wie sind die Umsätze verteilt?

Unsere Prognose sieht so auf: Im Geschäftsjahr 2017 beläuft sich der Gesamtumsatz der Toshiba Group auf 45,2 Mrd. Dollar. Dazu trägt Toshiba Energy Systems & Solutions, kurz TESS, rund 19 Prozent bei. Von Toshiba Infrastructure Systems & Solutions, kurz TISS, kommen 25 Prozent. Toshiba Digital Solutions, kurz TICT, trägt 5 Prozent zum Umsatz bei und Toshiba Electronic Devices & Storage, kurz TDSC, rund 15 Prozent. Auf Toshiba Memory entfallen rund 23 Prozent des Umsatzes.

Welchen Vorteil verspricht sich das Unternehmen davon? Die Verluste einzelner Tochtergesellschaften bleiben ja trotzdem an der Holding hängen.

Die einzelnen Unternehmen können flexibler und schneller eigene Entscheidungen treffen. Außerdem verbessern sich das Risiko-Management und die Führungsmöglichkeiten.

Toshiba Memory wurde für 18 Mrd. Dollar an das Konsortium um Bain Capital verkauft, an dem die Toshiba Group auch beteiligt ist, aber wie sieht es mit TDSC aus? Wo liegen die Produktschwerpunkte, und wie sehen die Zahlen in diesem Bereich aus?

TDSC hat im Geschäftsjahr 2016 ohne das Speichergeschäft rund 7,3 Mrd. Dollar erzielt, der operative Gewinn lag bei 0, 6 Mrd. Dollar und die Umsatzrendite bei 8 Prozent. TDSC umfasst diskrete Halbleiter, einschließlich Leistungshalbleiter und Photokoppler. Hinzu kommen die System-LSI-Komponenten wie Automotive-LSI, Kommunikations-ICs wie Bluetooth oder NFC, MCUs für Motorsteuerung, unsere Applikationsprozessoren „ApP Lite“, ASICs und CCDs. Der letzte Bereich sind die HDDs, die Festplatten für Unternehmens- und Consumer-Anwendungen umfassen.

Und wie sieht die Strategie für TDSC aus?

Wir wollen uns auf stark wachsende Marktsegmente konzentrieren. Dazu zählen Infrastruktur, Automotive und Industrie. Wir verfügen beispielsweise über das komplette Produktspektrum für IIoT-Anwendungen, aber auch über NL-HDDs, SoCs und diskrete Bauelemente für Datenzentren. Darüber hinaus sind wir mit unseren Halbleitern und Festplatten im Automotive-Bereich schon sehr erfolgreich. Hier wollen wir unser Produktportfolio weiter ausbauen, sowohl mit analogen als auch digitalen sowie diskreten Komponenten. Toshiba hat bereits eine lange Historie im Consumer-Bereich, einschließlich dem Spiele- und Mobilsegment, und ist hier auch sehr erfolgreich. Deshalb werden wir auch zukünftig diese Absatzmärkte adressieren, um hier unsere sehr gute Marktposition zu halten.

Weisen HDDs überhaupt noch ein interessantes Wachstum auf, oder graben die SSDs ihnen nicht allmählich das Wasser ab?

Im Consumer-Bereich ist der HDD-Umsatz rückläufig, weil hier die HDDs durch SSDs ersetzt werden, aber bei Servern und Datenzentren wächst der Bedarf sehr stark, und genau darauf konzentrieren wir uns auch.

Und welche Wachstumserwartungen knüpfen Sie an diese Ausrichtung?

Heute erzielen wir 45 Prozent des Halbleiter-Umsatzes in den genannten Zielmärkten Infrastruktur, Automotive und Industrie. Dank der Fokussierung auf die genannten Gebiete dürfte dieser Anteil bis 2019 auf rund 60 Prozent ansteigen. Diese Annahme basiert auf Designs, die wir bereits gewonnen haben. Im HDD-Bereich liegt der Umsatzanteil im Zielmarkt „Server und Datenzentren“ derzeit bei 21 Prozent und sollte bis 2019 auf 45 Prozent steigen.