Interview SiLabs und Energy Micro: Konkurrenzfähigkeit erhöht

Tyson Tuttle, SiLabs: »Durch die Übernahme von Energy Micro können wir viel besser gegen die großen MCU-Hersteller konkurrieren und dadurch unseren Marktanteil deutlich ausbauen.«
Tyson Tuttle, SiLabs: »Durch die Übernahme von Energy Micro können wir viel besser gegen die großen MCU-Hersteller konkurrieren und dadurch unseren Marktanteil deutlich ausbauen.«

Silicon Labs hat für Energy Micro 115 Mio. Dollar in bar hingelegt, dazu kommen noch zirka 55 Mio. Dollar, die aber erfolgsabhängig sind. Markt&Technik sprach mit Tyson Tuttle, President und CEO von SiLabs, über die Hintergründe und die Ziele dieser Übernahme.

Markt&Technik: SiLabs kann im Analog/Mixed-Signal-Bereich auf einige »world first products« verweisen. Die Produkte zeichnen sich typischerweise durch gute Margen aus, was letztlich auch die Bruttomarge von SiLabs widerspiegeln dürfte. Im hart umkämpften Controller-Markt ist SiLabs ein eher kleiner Player, auch der Umsatzanteil, den das Unternehmen in diesem Bereich erzielt, ist relativ gering. Dennoch hat SiLabs Energy Micro für viel Geld gekauft, warum?

Tyson Tuttle: Wir machen derzeit mit unseren Controllern, Zigbee-Lösungen und HF-Bausteinen rund 24% unseres Umsatzes, der Großteil davon beruht auf unseren 8-Bit-Controllern. Wir sind der Überzeugung, dass der Embedded-Markt Schritt für Schritt miteinander verbunden wird. Das so genannte Internet der Dinge mit zig Millionen Geräten wird alles verändern. Und in diesem Bereich spielen eine niedrige Leistungsaufnahme und der Controller als Integrationsplattform wichtige Rollen - und dazu passt Energy Micro hervorragend. Hinzu kommt, dass wir schon vor einiger Zeit angefangen haben, SiLabs viel breiter aufzustellen, und auch unter diesem Gesichtspunkt spielen die MCUs eine wichtige Rolle.

Aber der Controller-Markt ist hart umkämpft.

Ja, aber wir haben viele Möglichkeiten, uns vom Wettbewerb abzugrenzen. Beispiele sind eine geringe Leistungsaufnahme - auch von der Seite her passt die Übernahme von Energy Micro hervorragend dazu -, aber auch unsere HF-Expertise. Ein weiteres Beispiel sind unsere Mixed-Signal-Fähigkeiten, dank derer wir Probleme lösen, mit denen sich konkurrierende MCU-Unternehmen schwertun. Außerdem konnten wir uns mit unseren 8-Bit-Controllern eine gute Ausgangsposition im Mikrocontroller-Markt verschaffen und unseren Konkurrenten Marktanteile streitig machen. Die gleichen Differenzierungsmerkmale, die uns zum Erfolg im 8-Bit-Segment verholfen haben, gelten aber auch im 32-Bit-Markt.

Hinzu kommt noch, dass wir nur einige Prozent Marktanteil im Controller-Markt mit einem Marktvolumen von mehreren Milliarden Dollar halten, so dass hier noch einiges an Wachstumspotenzial für uns offen steht. Und hier hilft uns die Übernahme von Energy Micro, deutlich schneller dieses Wachstumspotenzial zu nutzen. Denn damit erweitern wir auf einen Schlag unser 32-Bit-MCU-Portfolio beträchtlich: Energy Micro bringt rund 250 neue Gecko-MCUs in unser Portfolio, angefangen bei Cortex-M0+- bis hin zu Cortex-M4-Controllern.

Laufen Sie nicht Gefahr, sich mit den Zero-Geckos auf Basis von Cortex-M0+ Konkurrenz zu den eigenen leistungsstarken 8-Bit-Controllern zu machen? Oder heißt das sogar, dass SiLabs 8-Bit-Controller nicht weiter forcieren will?

Nein, auf keinen Fall. Wir halten weiterhin an 8-Bit-Controllern fest, denn es handelt sich auch heute noch um einen großen, gesunden Markt. Wir werden sogar in diesem Jahr noch eine neue 8-Bit-Familie auf den Markt bringen.
Außerdem sind die kleinen 32-Bit-Controller aus der Tiny-Gecko-Familie eher eine Konkurrenz zu 16-Bit-Varianten wie die MSP430-Controller und weniger zu den 8-Bit-Controllern.

Energy Micro präsentierte auf der embedded world 2011 Details seiner energieeffizienten EFR4D-Draco-Reihe und kündigte damals für das vierte Quartal 2011 erste Muster an. Der Markt wartet heute noch auf diese Produkte. Was hat die Verzögerungen verursacht, und welchen Zeitrahmen halten Sie für realistisch, um Draco endgültig auf den Markt zu bringen?

Die Controller stellten das größte Portfolio von Energy Micro dar, und die basieren alle auf 180 nm. Mit Draco erfolgte der Schritt hin zu 90 nm, und HF kam auch noch hinzu. Diese beiden Dinge haben schlussendlich zu der von Ihnen angesprochenen Verzögerung geführt. Aber auch das ist ein Grund, warum die beiden Unternehmen zusammengelegt wurden: Jetzt stehen ganz andere Ressourcen zur Verfügung, um Probleme zu lösen, so dass hier die Entwicklungen schneller vorangetrieben werden können. Deshalb werden wir auch nicht nur ein Draco-Produkt auf den Markt bringen, sondern eine ganze Familie. Derzeit gehen wir davon aus, dass die Produkte bis Ende 2013 fertig sind.

Geir Førre, President und CEO von Energy Micro, soll Vice President und General Manager der Business Unit »Energy-Friendly Microcontroller and Radio« von Silicon Labs in Oslo werden. Mit Blick auf Chipcon und TI stellt sich natürlich die Frage, ob das klappt?

Ich glaube nicht, dass sich die Geschichte von damals wiederholen wird. Geir und ich hatten im Jahr 2009 über mögliche Kooperationen und Lizenzierungsmöglichkeiten gesprochen. Aus denen ist zwar nichts geworden, aber wir sind beide zu der Überzeugung gekommen, dass der Zusammenschluss der Firmen nur Vorteile mit sich bringt. Um beispielsweise gegen große Unternehmen wie STMicroelectronics oder Texas Instruments konkurrieren zu können, braucht man die entsprechende Power. Und auch wenn SiLabs im Vergleich zu den eben genannten Unternehmen noch recht klein ist, stehen Energy Micro durch die Übernahme dreimal so viele Ressourcen zur Verfügung als bisher, und damit lassen sich alle Entwicklungen deutlich beschleunigen. Hinzu kommt, dass Energy Micro früher immer wieder mit dem Problem zu kämpfen hatte, dass sich Systementwickler nicht gerne auf kleine Start-ups verlassen möchten. Auch dieses Problem ist durch die Übernahme weg vom Tisch.

Außerdem haben sich die Zeiten geändert: Heute ist es viel schwieriger, ein Start-up-Unternehmen zu gründen. Und es kommt hinzu, dass wir selbst in gewisser Weise noch ein Start-up sind und nicht ein riesiger Halbleiterhersteller wie TI. Das spiegelt sich in ähnlichen Firmenstrukturen und Kulturen von SiLabs und Energy Micro wider. Warum sollte sich die Geschichte also wiederholen?