Kommentar Realismus ist gefordert, nicht Panikmache

Engelbert Hopf, Chefreporter Markt&Technik
Engelbert Hopf, Chefreporter Markt&Technik

Ok, die Bäume wachsen in diesem Jahr wohl doch nicht mehr in den Himmel. Sah es noch Mitte des Jahres so aus, also ob die Unternehmen der deutschen Elektro- und Elektronikbranche sich auch 2011 über ähnlich hohe zweistellige Umsatzzuwächse wie im Vorjahr freuen könnten, so sind die Erwartungen inzwischen etwas gedämpfter. Konkret bedeutet das wohl in den meisten Fällen: Wenn es schlecht läuft ein hohes einstelliges Wachstum, im besseren Fall ein niedriger zweistelliger Zugewinn.

Gut, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich seit Mitte des Jahres weltweit wieder etwas eingetrübt. Die unendliche Griechenlandrettung und die ansonsten noch mit der Eurokrise verbunden Herabstufungen von Schuldnerländern, zeigen irgendwann eben Wirkung. Im September sank der Ifo-Index zum dritten Mal in Folge, für Volkswirte ein Indikator für eine Trendwende in der Konjunkturentwicklung. Bedingt wurde der Rückgang vor allem durch die schlechtere Erwartungskomponente. De facto ist festzuhalten: Die Ifo-Werte liegen noch immer nahe an ihrem Rekordstand.

Fakt ist aber auch, die deutsche Elektroindustrie zeigt weiterhin eine robuste konjunkturelle Verfassung. Nach einem Rückgang im Juni, stiegen die Aufträge im Juli wieder um 2 Prozent. Kumuliert lag das Auftragsplus von Januar bis Juli gegenüber dem Rekordjahr 2010 bei 14 Prozent! Im Gesamtzeitraum zwischen Januar und Juli 2011 wuchs der Produktionszuwachs der Branche um 15 Prozent, der Umsatz erhöhte sich um 10 Prozent. Wohlgemerkt: Immer im Vergleich zu den Rekordwerten des Vorjahres!

Nach einer Mitgliederbefragung des ZVEI übertrifft aktuell die Zahl der Unternehmen, welche die aktuelle Lage positiv beurteilen, die Zahl derer, die sie negativ bewerten, um das Fünffache! Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass der ZVEI für 2011 mit einem Branchenumsatzvolumen von 180 Mrd. Euro rechnet. Und auch für das nächste Jahr zeigt sich der Branchenverband optimistisch: Wenn die Staaten in Europa ihre Schuldenprobleme in den Griff bekommen, so die Einschätzung von ZVEI-Präsident Friedhelm Loh, dann könnte nächstes Jahr immer noch ein Produktionsplus von 5 Prozent drin sein, in puncto Umsatz werden fast 190 Mrd. Euro für möglich gehalten. Das würde einen neuen Rekordwert für die Branche bedeuten. Rezession, dürfte anders aussehen.

Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn, stellt den auch fest, dass es der deutschen Konjunktur bislang offenbar ganz gut gelungen ist, sich von den politischen Turbulenzen abzukoppeln. Bei einem Zeithorizont, der nach wie vor nur drei Monate in die Zukunft reicht, dürfte es auch mehr als Blauäugig sein, angesichts der Nachrichten- und Informationslage nicht mit schwierigeren Zeiten zu rechnen. Interessant ist in diesem Zusammenhang aber auch, dass inzwischen nicht mehr Frankreich der wichtigste Abnehmer für Elektro-Exporte aus Deutschland ist, sondern diese Rolle inzwischen von China und den USA übernommen wurde.

Laut OECD, hat die Finanzkrise, ausgehend von Herbst 2008, bislang weltweit übrigens mehr als 13 Mio. Jobs gekostet. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass nur Chile und Deutschland heute weniger Arbeitslose als vor der Krise aufweisen. Mit 34.000 neuen Jobs, hat die deutsche Elektronikindustrie seit dem Tiefpunkt der 2009er Krise die Zahl ihrer Beschäftigten auf bislang 834.000 erhöht. Damit wird aktuell sogar noch das Beschäftigungsniveau des Boomjahres 2008, als die Branche 827.000 Beschäftigte zählte, überboten.

Fazit: Die Sorge, von einem weltweiten Abschwung mitgerissen zu werden, mag zwar abstrakt im Raum stehen, doch noch deutet nichts auf einen erneut drohenden Absturz in die Rezession hin. Angesicht der nach wie vor robusten Elektro-Konjunktur, sollte man Rezessions-Ängsten nicht durch vorsätzliche Panikmache Vorschub leisten, und sich dann wundern, dass aus Ängsten plötzlich Realität wird.  


Ihr Engelbert Hopf