Schneller als erwartet Rasante Erholung des Marktes für passive Bauelemente

Nach einem Umsatzrückgang von 20,4 Prozent im Jahr 2009, stieg der Umsatz mit Kondensatoren in Deutschland im Vorjahr um 70,6 Prozent. Auch der Umsatz mit Widerständen lag im Vorjahr mit 290 Mio. Euro weit über dem Niveau des Boom-Jahres 2008 (219 Mio. Euro).
Nach einem Umsatzrückgang von 20,4 Prozent im Jahr 2009, stieg der Umsatz mit Kondensatoren in Deutschland im Vorjahr um 70,6 Prozent. Auch der Umsatz mit Widerständen lag im Vorjahr mit 290 Mio. Euro weit über dem Niveau des Boom-Jahres 2008 (219 Mio. Euro).

Deutlich besser als von den Analysten des ZVEI noch Mitte letzten Jahres erwartet, hat sich der deutsche Markt für passive Bauelemente 2010 entwickelt. Mit einem Umsatzvolumen von 1,609 Mrd. Euro, hat er das Jahr 2008 übertroffen.

Die kräftigsten Umsatzzuwächse konnten die Hersteller von Kondensatoren erzielen und das Anwendungssegment Industrieelektronik hat erstmals seit Jahren wieder mit der Kfz-Elektronik gleichgezogen. Für 2011 gehen die Analysten sogar davon aus, dass die Industrieelektronik erstmals wieder wichtigstes Absatzsegment für passive Bauelemente in Deutschland wird.

Nach Einschätzung des ZVEI ist der deutsche Markt für elektronische Komponenten im letzten Jahr um gut 24 Prozent auf rund 15 Mrd. Euro angewachsen. Für 2011 ging der Verband vor der dreifach Katastrophe in Japan von einem Wachstum von 6 Prozent aus. Dies hätte eine Steigerung des Marktvolumens auf 16 Mrd. Euro ermöglicht. »Damit hätte wir die Krise dann endgültig hinter uns gelassen«, versichert Dr. Martin Stark, Vorsitzender des Fachverbands Electronic Components.

Ursache für die rasche Erholung der Märkte war unter anderem der rasant gestiegene Bedarf nach Komponenten in den Segmenten Industrie- und Kfz-Elektronik, sowie das Ende der generellen Investitionszurückhaltung in den Industrieländern. Die gestiegene Nachfrage nach Komponenten für die Nutzung regenerative Energien wie Wind- und Solarenergie, trägt im Bereich der Industrie-Elektronik zum satten Umsatzplus bei.

Als Folge der Wirtschaftskrise in den Jahren 2008/09 wurden weltweit Produktionskapazitäten abgebaut. Die speziell 2010 unerwartet stark angestiegene Nachfrage nach elektronischen Bauelementen führte an manchen Stellen zu spürbaren Lieferengpässen. Die Verknappung an Basismaterialien, wie etwa von Edelmetallen, und steigende Preise für die Energieversorgung beginnen sich zunehmend auf die Preise auszuwirken.

Für 2011 rechnet der ZVEI mit einem Marktwachstum im einstelligen Prozentbereich. Die im Vergleich zu 2010 geringere Wachstumsrate ist im Wesentlichen auf die verlangsamte Entwicklung der Weltwirtschaft und die Tatsache zurückzuführen, dass dann der Wiederaufbau der Vorratsbestände abgeschlossen sein dürfte.

Für den Bereich der passiven Bauelemente hat sich das Jahr 2010 deutlich besser als ursprünglich erwartet entwickelt. Ging der ZVEI noch Mitte letzten Jahres davon aus, dass sich das Umsatzvolumen des deutschen Marktes für passive Bauelemente wohl auf 1,3 Mrd. Euro belaufen könnte, waren es am Schluss deutlich mehr, nämlich 1,609 Mrd. Euro. Ein Wachstum von 41,6 Prozent gegenüber 2009 und eine deutliche Steigerung gegenüber den ursprünglich erwarteten Zuwachsraten von 13 bis 15 Prozent.

Am kräftigsten zugelegt hat im Vorjahr das Geschäft mit Kondensatoren. Nach einem Einbruch um 20,4 Prozent von 2008 bis 2009, schnellte das Umsatzvolumen mit diesen Bauelementen im Vorjahr dann gegenüber 2009 um 70,6 Prozent nach oben. Dass solche Steigerungen zu Spannungen in der Lieferkette führen, dürfte nur zu verständlich sein. Den zweitstärksten Aufschwung legten die Widerstände hin. Ihr Einbruch von 2008 auf 2009 war mit einem Minus von 5,5 Prozent vergleichsweise moderat ausgefallen, ihr Umsatzzuwachs von 40,2 Prozent im Vorjahr, fällt damit umso kräftiger aus.

Induktivitäten und EMV-Bauelemente konnten 2010 gegenüber dem Krisenjahr 2009 um 25,2 Prozent zulegen. Mit 419 Mio. Euro konnten sie damit fast wieder ihr Umsatzniveau aus dem Jahr 2008 (422 Mio. Euro) erreichen. Die geringsten Steigerungsraten wiesen im Vorjahr die HF-Bauelemente und Piezo Keramiken auf. Sie konnten nur um 20 Prozent gegenüber 2009 zulegen. Ihr Einbruch war mit einem Umsatzrückgang von 45,7 Prozent von 2008 zu 2009 besonders dramatisch ausgefallen. Dass sich dieses Branchensegment nicht im gleichen Maße wie andere erholt hat, dürfte vor allem darauf zurückzuführen sein, dass der Bedarf an HF-Bauelementen nach Beendigung der Siemens- und Nokia-Handy-Fertigung in Deutschland deutlich geringer ausfällt. Bei den Piezokeramiken dürfte sich vor allem die konjunkturelle Krise der Automobilindustrie dämpfend auf den Umsatzanstieg ausgewirkt haben.

Für 2011 erwarten die Analysten des ZVEI ein Wachstum des deutschen Marktes für passive Bauelemente von 5,9 Prozent. Vor dem Hintergrund der Erholung der deutschen Automobilbranche prognostizieren sie gerade dem Bereich HF-Bauelemente und Piezo Keramiken die höchsten Steigerungsraten, nämlich 11,1 Prozent. Um 6,2 Prozent, so die Prognosen, soll der Umsatz mit Induktivitäten und EMV-Bauelementen zulegen. Bei Widerständen wird ein Umsatzwachstum von 5,3 Prozent erwartet und die im Vorjahr hochgeschossenen Kondensatoren dürften nach diesen Prognosen, die vor der Dreifachkatastrophe in Japan erstellt wurden, um 3,9 Prozent zulegen.

Bezogen auf die Anwendersegment hat im Vorjahr überraschender Weise nicht die Kfz-Elektronik den größten Umsatzsprung gemacht, sondern der Bereich Industrieelektronik. Ihr Umsatzvolumen erhöhte sich 2010 um 55,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit zieht dieses Anwendungssegment erstmals wieder mit dem seit Jahren dominierenden Anwendungssegment Kfz-Elektronik gleich. Ein Umstand, den die Analysten des ZVEI im Vorjahr noch nicht für möglich gehalten hatten. Mit einem Umsatzplus von 38,2 Prozent erreicht die Kfz-Elektronik mit 635 Mio. Euro dasselbe Umsatzniveau wie die Industrieelektronik. Dieser trauen die Analysten jedoch 2011 ein höheres Umsatzwachstum, nämlich 8,2 Prozent, gegenüber 5 Prozent in der Kfz-Elektronik zu. Gehen diese Prognosen auf, würde die Industrie-Elektronik 2011 erstmals wieder die Kfz-Elektronik als wichtigstes Abnahmesegment für passive Bauelemente in Deutschland ablösen.

Das kleinste Anwendungssegment des deutschen Marktes, der Bereich der Datentechnik, erhöhte seinen Umsatzanteil im Vorjahr um 37,5 Prozent, der Konsumelektronik gelang eine Steigerung um 24,7 Prozent und das Telekommunikationssegment steigerte seinen Bedarf an passiven Bauelementen gegenüber 2009 um 24,8 Prozent auf 178 Mio. Euro. Für 2011 rechnen die Analysten des ZVEI für die Anwendungssegmente Konsum-Elektronik (+1,4 Prozent), Datentechnik (+2,3 Prozent) und Telekommunikation (+5,1 Prozent) mit klar einstelligen Zuwachsraten. Doch auch diese Prognosen beinhalten noch keine Überlegungen zu möglichen Auswirkungen der dreifach Katastrophe in Japan auf die Versorgung des deutschen Marktes für passive Bauelemente.