Er war ein ungewöhnlicher Intel-CEO Paul Otellini ist tot

Paul S. Otellini, 1950 - 2017
Paul S. Otellini, 1950 - 2017

Paul S. Otellini war in mehrere Hinsicht ein besonderer CEO. Jetzt ist er im Alter von 66 Jahren gestorben.

Als er 2005 das Amt des CEO bei Intel übernahm, war er als Nachfolger von Craig Barrett erst der fünfte in dieser Reihe seit Gründung von Intel im Jahr 1968. Die Besonderheit, die zunächst auffiel: Er war der erste CEO, der keine Ingenieurausbildung durchlaufen hatte.

Die zweite Besonderheit: Er war dennoch erfolgreich. Und das als Nachfolger von so eingefleischten Technikern wie Bob Noyce, Gordon Moore, Andy Grove und Craig Barrett. »Wir erlebten ihn als nimmermüde Stimme des Kunden in einer Flut von Ingenieuren. Er machte uns immer wieder klar, dass wir nur gewinnen können, wenn wir den Kunden an erste Stelle unserer Überlegungen setzen«, erklärte Brian Krzanich,  derzeitiger CEO von Intel. »Wir sind tief berührt von seinem Tod.«

Chairman Andy Bryant erinnert sich vor allem an seinen besonderen Geschäftssinn, seinen Optimismus und an seinen unermüdlichen Einsatz, die zusammen Intel kontinuierlich wachsen ließen. »Sein Engagement, seine Disziplin und seine Bescheidenheit waren die Fundamente seines Führungsstils und prägen die Werte unseres Unternehmens bis auf den heutigen Tag«, so Bryant.

Der Jesuitenschüler Paul Otellini – sein Bruder war Diplomat im Vatikan – traf wichtige strategische, technische und finanzielle Entscheidungen, machte das Unternehmen effizienter und stellte die Weichen, um Intel auf einen langfristigen Wachstumspfad zu führen. Währens seiner achtjährigen Amtszeit als CEO gewann Intel mehr Umsatz hinzu als das Unternehmen in den vorausgegangenen 45 Jahren erwirtschaftet hatte: Bei Amtsantritt hatte der Umsatz 34 Mrd. Dollar betragen, 2012 war er auf 53 Mrd. Dollar gewachsen. Es gelang es ihm sogar, Intel profitabel durch die globale Finanzkrise zu führen.

Und er gewann neue Kunden hinzu. So knackte er sogar Apple und konnte das PC-Geschäft an Land ziehen. Unter seiner Führung stieg Intel zur Nr. 1 unter den Prozessorherstellern für Server und PCs auf. Und AMD konnte nur kurze Zeit technisch in Führung gehen, bevor Intel auf diese ernste Herausforderung reagierte.

In einer Pressemitteilung weist Intel auch auf die strategischen Partnerschaften und Übernahmen hin, die Otellini einleitete und die Intels Präsenz in den Sicherheits-, Software- und Mobilmärkten erweiterte. In den Mobilmärkten allerdings tut sich Intel bis heute noch schwer.

Otellini wurde am 12. Oktober in San Francisco geboren und blieb der Stadt Zeit seines Lebens verbunden. Er studierte an der University of San Francisco Wirtschaft und machte an der University of Berkley 1974 sein MBA. Im selben Jahr trat er bei Intel ein, seiner Ausbildung entsprechend als Experte in der Finanzabteilung. Später war er für die Beziehungen zum damals wichtigsten Kunden IBM zuständig, wechselte in den Verkauf und baute in den 80er Jahren das Geschäft mit integrierten Chip-Sets auf.

1989 machte ihn der legendäre damalige CEO und Mitgründer von Intel, Andy Grove, zu seinem Chief of Staff, was etwas heißen will. Der Naturwissenschaftler nahm keinen Anstoß daran, dass Otellini kein Ingenieur war. In seinen Augen war er als Autodidakt ein besserer Techniker als viele, die auf ihre Diplome stolz waren. Vor allem war er wenig eingebildet, diplomatisch und verfügte über ein eher moderat ausgeprägtes Ego. In den Augen von Grove waren das alles Pluspunkte.

Später leitete Otellini denn auch die Microprocessor Products Group und führte 1993 den Pentium ein. Danach bekleidete er unter anderem die Positionen des Executive Vice President of Sales and Marketing und von des Senior Vice President and General Manager of Sales and Marketing.

Und es gelang ihm, die Entwicklung von Centrino durchzudrücken. Er setzte damit auf drahtlose Vernetzung zu einer Zeit, als viele Ingenieure den Schwerpunkt vor allem darauf legen wollten, die Prozessoren noch leistungsfähiger zu machen. Geschwindigkeit um der Geschwindigkeit willen aber war nicht nach Otellinis Geschmack. Die Centrino-Strategie jedenfalls sollte sich als erfolgreich erweisen. Bevor er dann endgültig zum CEO aufstieg, übernahm er von 2002 bis 2005 das Amt des Chief Operating Officer.

Seit seinem Ausscheiden im Jahr 2013 förderte er junge Talente und widmete sich der Unterstützung von Wohltätigkeitsorganisationen wie der San Francisco General Hospital Foundation sowie dem San Francisco Symphony Orchestra. Paul Otellini hinterlässt seine Frau sowie einen Sohn und eine Tochter.