Kommentar Nur nicht verunsichern lassen – frischer Mut für 2017!

Heinz Arnold, Chefredakteur Markt&Technik
Heinz Arnold, Chefredakteur Markt&Technik

Gut zu den Festen gespeist, kräftig gefeiert – jetzt fragt sich der Mensch ernüchtert: Was war? Was kommt? War 2016 wirklich so schlecht – und was ist für 2017 zu erwarten?

Aus Sicht der Elektronikbranche hat 2016 sehr viel gebracht: Erstens, die Merger-Mania. In Dollar gerechnet haben Unternehmen in einem bisher unbekannten Ausmaß den Besitzer gewechselt. Und das nach einem Rekordjahr 2015. Für 2017 gilt: Die Konsolidierung wird weiter voranschreiten, wenn auch in einem gemäßigteren Tempo.

Zweitens: Der unaufhaltsame Weg in die Vernetzung. IoT ist überall, zumal die technischen Voraussetzungen zu einem großen Teil bereits geschaffen sind. Jetzt kommt es darauf an, technisch weiterhin zu führen und vor allem die technischen Möglichkeiten zu nutzen, um neue Geschäftsmodelle aufzubauen. Die deutsche Industrie hat sich zu Industrie-4.0-Initiativen zusammengeschlossen, die 2016 bereits vielversprechende Zwischenergebnisse gebracht haben. Jetzt kommt es darauf an, schnell zu sein. Nicht auf die technisch brillanten Systeme warten, sondern lieber ein weniger brillantes auf den Markt bringen, um Anteile zu sichern!  2017 sollten die Automatisierungsindustrie, der Maschinenbau, die Elektronikindustrie und die IT-Industrie Zeichen setzen.

Drittens: Die Elektromobilität steht wohl vor einem Wachstumsschub, wenn auch von einem sehr geringem Niveau aus. Jetzt haben sich die Beteiligten aufgerafft, eine Infrastruktur aufzubauen, um mit einem flächendeckenden Tankstellennetz endlich das Henne-Ei-Problem zu lösen.

Zwar werden die Zellen der Li-Ionen-Batterien in Asien gebaut, das wird sich auch 2017 und danach nicht mehr ändern lassen, aber Batteriefabriken entstehen hier. Dort und in der nachgelagerten Kette sind sicherlich noch einige Kostenoptimierungen drin, so dass dem Endkunden ein Elektroauto 2017 schon durchaus attraktiv erscheinen könnte – ganz ohne Subventionen, die 2016 zur Enttäuschung der Politik  und er Industrie so gut wie nichts gebracht haben.

Viertens:  Das autonome Fahren, das eng mit den Themen 2 und 3 zusammenhängt.  Hier dürfte spannend sein, ob sich 2017 bereits die große Frage beantworten lässt: Machen die etablierten Automobilhersteller das Rennen oder die neuen Firmen, die eher von der IT-Seite kommen? Oder finden beide ihre Märkte? Für die Elektronikbranche dürfte die Antwort egal sein. Fest steht, dass die autonomen Fahrzeuge den Chips und den elektronischen Subsystemen einen kräftigen Wachstumsschub bescheren werden, unabhängig davon, wer sie herstellt.  

Vieles, was 2016 neu und erwähnenswert war, muss hier weggelassen werden. Von Drohnen über Smart Home bis Smart Grid, Security und viele andere Sektoren. Ein Blick über die Grenzen lohnt aber doch. So ähnlich wie die Elektronik die Welt mit vernetzten Systemen verändert hat,  so wird die Biochemie und die Medizintechnik die Welt umgestalten.  Es sei nur an die CRISPR-CAS9-Technik erinnert, deren Protagonisten (Emanuelle Charpentier und Jennifer Doudna) 2016 zu den heißen Nobelpreiskandidaten zählten. Die Technik verspricht, ein Genom so einfach edieren zu können wie einen Word-Text. Das wäre nichts weniger als eine Revolution.

Für die Elektronik interessant: Ohne Sensoren, ICs und höchste Rechenleistung geht auch hier nichts. Die Biologie und die Medizintechnik lassen den Bedarf an Elektronik rasant steigen. Das gilt für viele weitere Disziplinen. Das zeigte nicht zuletzt die ausgelassen gute Stimmmung auf der electronica 2016 im November.
 
Warum steht 2016 dann in einem so schlechten Ruf? Weil es da noch viele andere, leider unerfreuliche Ereignisse gab: Der Kampf um den Euro, der noch nicht gewonnen ist, der Brexit, die Strategie der Zentralbanken weltweit, China, der nahe Osten, mehr will ich jetzt gar nicht aufzählen.
Alles führt zu Unsicherheit. Fast wäre man geneigt auszurufen: So schwierig war es noch nie, die Zukunft vorherzusagen!
   
Angesichts dieser Bedrohungen aber zeigte sich die Wirtschaft, insbesondere in Deutschland, sehr robust. Das lässt für 2017 mehr als hoffen. Zumal die Vorzeichen für die Elektronikindustrie wie oben beschrieben alles andere als schlecht aussehen. Also heißt die Devise: Frohgemut ans Werk! In diesem Sinne wünsche ich allen ein gutes und erfolgreiches Jahr 2017!