Kommentar Nichts als gute Nachrichten

Heinz Arnold, Chefredakteur Markt&Technik
Heinz Arnold, Chefredakteur Markt&Technik

Wer sich über die letzten Tage ein wenig umgeschaut hat, was sich in der Elektronikbranche so tut, kann gar nicht anders, als optimistisch in die Zukunft zu schauen. Mögen andere sich in Schreckensvisionen à la Lehmann ergehen - die Zukunft machen die Ingenieure ganz wo anders: in den Forschungslabors von Universitäten, Instituten und Unternehmen.

IBM beispielsweise sieht sich schon auf bestem Weg, das menschliche Gehirn nach zu bauen. Die Wissenschaftler haben einen »kognitiven Computerchip« mit digitalen Neuronen und Synapsen entwickelt. Ziel ist es, ein System mit 10 Milliarden Neuronen und 100 Billionen Synapsen zu realisieren, das weniger als 1 kW Energie verbraucht - in einem Volumen von weniger als 2 l. Es mag noch ein wenig dauern, dieses Ziel zu erreichen, aber immerhin: Der bereits vorgesellte Chip bringt es auf 256 Neuronen. Dann viel Glück bei der weiteren Integration!

Daran gemessen ist die Zeitspanne, die es vielleicht noch dauern wird, bis Graphene in die Halbleitertechnik Einzug hält, geradezu vernachlässigbar. 2024 soll bei einer Gate-Länge von 7 nm Moore´s Law (wieder einmal) endgültig an seine Grenze gestoßen sein. Doch auch dann müssen wir uns keinerlei Sorgen machen. James D. Meindl, Professor of Electrical and Computer Engineering am Georgia Institute of Technology, prophezeite in einer Key-Note-Präsentation der Custom Integrated Circuits Conference (CICC), dass Graphene die gute alte CMOS-Technik ab 2024 ablösen könnte. IBM will schon auf der IEDM im Dezember einen 2-GHz-Frequenzverdoppler-Chip demonstrieren.

Ein wenig kommt der Leser da schon ins Grübeln: Hieß es nicht schon Ende der 80er Jahre, dass sich das Siliziumzeitalter in spätestens zehn Jahren seinem Ende nähern würde? Galliumarsenid lautete das Zauberwort, denn dieser »Halbisolator« versprach das Silizium um Längen zu schlagen. Nun, in gewissen Nischen schlägt GaAs Silizium um Längen, aber eben auch nur dort. Übrigens: ganz aufgegeben haben die Forscher die III-V-Halbleiter nicht: Intel will auf der IEDM einen Tri-Gate-FinFET vorstellen - auf Basis von InGaAs. Vielleicht steht das Material ja doch noch vor einer späten Blüte?

Auch eine weitere Neuigkeit aus den letzten Tagen klingt für die Zukunft sehr interessant. Applied Materials hat angekündigt, das Problem der Masken für die nächste Lithographiegeneration - genannt Extreme Ultraviolett (EUV, 13,5 nm) - endgültig gelöst zu haben. Prima, nun lassen sich die Masken ätzen, fehlt nur noch die »Licht«-Quelle, die den erforderlichen Durchsatz für eine wirtschaftliche Fertigung erlaubt - aber nur gemach, wir brauchen ja auch noch über die nächsten Jahre ein paar gute Nachrichten.

Lassen wir uns also die Stimmung nicht durch Schreckensvisionen aus irgendwelchen virtuellen Welten verderben, arbeiten wir weiter daran, die reale Welt zu verbessern!

Ihr Heinz Arnold