MACOM Mit Produktoffensive von der Konzentration profitieren

Markus Schäfer, MACOM: »Manche großen Firmen kündigen Produkte ab, ziehen sich aus speziellen Marktsegmenten sogar komplett zurück. Das begreifen wir als Chance und entwickeln breitbandige MMICs, wie sie gerade auch in Europa gebraucht werden.«

Übernahmen, Spin-offs, neue Namen – die Merger-Mania hat über die letzten zwei Jahre die HF-Branche kräftig durcheinander gewirbelt. MACOM will davon profitieren.

Merger sind nur dann sinnvoll, wenn das resultierende Unternehmen das Produktportfolio der beiden ursprünglichen Firmen „harmonisiert“, um es diplomatisch auszudrücken. Undiplomatisch, aber realitätsnah bedeutet das für die Kunden häufig: Abkündigungen und weniger Wahlfreiheit.

Im HF-Bereich kommt noch etwas Weiteres hinzu: Viele kleinere Firmen führen Spezialitäten im Programm, die fortzuführen für ein großes Unternehmen nicht immer rentabel wäre. Abkündigungen bedeuten in diesem Fall: Ersatz ist schwierig oder gar nicht zu beschaffen. »Manche große Firmen ziehen sich aus speziellen Marktsegmenten sogar komplett zurück«, hat Markus Schäfer beobachtet, Sales Director EMEA von MACOM.

Seine Beobachtungen würde er wahrscheinlich weniger freimütig teilen, wenn er darin nicht eine große Chance für MACOM sähe, denn das Unternehmen fertigt ICs für ein breites Spektrum von Einsätzen im HF-Sektor und in der optischen Datenübertragung auf Basis vielfältiger Techniken – darunter nicht nur CMOS, sondern auch SiGe, GaN und GaAs.

Traditionell gab es für all diese Bereiche Spezialisten. Es war für die Anwender zwar mühsam, von Tür zu Tür zu gehen und sich die jeweils passenden ICs von den Firmen zu beschaffen, aber immerhin standen die Komponenten zur Verfügung: von Firmen, an deren Namen man sich kaum noch erinnert. Selbst Firmen wie Triquint und RFMD geraten in Vergessenheit, nicht zu sprechen von den vielen anderen, die verschwunden sind. Und weil die Nachfolge-Unternehmen bisweilen Familien abkündigen oder gleich ganze Segmente einstellen, stehen die Anwender nun vor einem noch größeren Problem: Sie kommen an die Bauelemente schlicht nicht mehr heran und müssen nach Alternativen suchen.

3000 Produkte für 40 Zielmärkte

Genau das will ihnen MACOM ersparen. Schon heute führt das Unternehmen mehr als 3000 Produkte im Programm, die sich auf 40 Zielmärkte verteilen. Dazu gehören Signalgenerierung, Verstärkung, Signalaufbereitung, Wandlung und Monitoring.

Weil all diese Produkte aus einer Hand kommen, ist es für den Anwender einfacher, hochintegrierte Systeme zu entwickeln: »Multi-Chip-Module bieten sich dazu geradezu an«, erklärt Markus Schäfer. Denn es ist ja nicht gerade trivial, verschiedene HF-Komponenten dazu zu bringen, harmonisch zusammenzuarbeiten – erst recht würde das für die Komponenten verschiedener Hersteller gelten. »Wir haben dagegen das Wissen und die Technologien im Haus, um unsere Komponenten aufeinander abstimmen zu können«, so Schäfer.

Das sei umso wichtiger, als dass der Bedarf nach leistungsfähigen HF-Komponenten ständig wächst. Das Internet of Things, 5G und der schnell steigende Vernetzungsgrad verlangen nach immer höheren Frequenzen sowie leistungsfähigeren HF-ICs und HF-Modulen.

Ausbau des Produktspektrums
 
Von dieser Entwicklung will MACOM profitieren und hat deshalb über die vergangenen Jahre schon stark in den Ausbau des Produktspektrums investiert. Alleine 2016 brachte das Unternehmen 30 neue MMICs auf den Markt. In diesem Jahr sollen es nach den Worten von Graham Board sogar 40 werden. Das betrifft Zielmärkte, die Komponenten für Frequenzen von bis zu 100 GHz erfordern. Das Spektrum reicht von Verstärkern über VCOs, Phase-Shiftern, Mixern und Dämpfungsglieder bis zu Leistungsdetektoren, Wandlern und Schaltern. Dabei visiert MACOM die High-End-Märkte an, in denen es auf hohe Qualität und hohe Leistungsfähigkeit und nicht in erster Linie auf niedrige Preise ankommt. Treibende Faktoren sind Time to Market und guter Support, vor allem in den neu entstehenden Märkten.