Elektroindustrie 2013 Mit moderaten Erwartungen ins neue Jahr

Dr. Andreas Gontermann, Chefvolkswirt, Leiter der Abteilung Wirtschaftspolitik, Konjunktur und Märkte, ZVEI

2012 stand auch für die deutsche Elektroindustrie stark unter dem Einfluss der Euro-Schuldenkrise und der globalen Konjunktur-Abkühlung. Die preisbereinigte Produktion der Branche ging im vergangenen Jahr (vorläufig geschätzt) um 2 Prozent zurück.

Die Erlöse sanken ebenfalls um 2 Prozent auf 175 Mrd. Euro. Dabei haben sich die einzelnen Fachbereiche der Elektroindustrie sehr uneinheitlich entwickelt.
Vergessen wir aber nicht: Dem verhaltenen Jahr 2012 gingen zwei äußerst dynamische Jahre 2010 und 2011 voraus, in denen die Elektroindustrie die 2009er-Krisen-Verluste von einem Fünftel mit Wachstumsraten von 14 und 13 Prozent rekordschnell wettgemacht hat.

Exporte auf Rekordlevel

Wieder einmal haben sich die Exporte am besten entwickelt. Insgesamt konnten sie 2012 um 2 Prozent auf die Rekordmarke von 161 Mrd. Euro zulegen (vgl. Abb. 1). Bedingt durch die Eurokrise, stagnierten die Ausfuhren nach Europa. Rückgängen in den Euroraum von 4 Prozent standen hohe Zuwächse von 5 Prozent im Osteuropageschäft gegenüber. Die Branchenausfuhren nach Amerika und Asien haben sich im vergangenen Jahr überdurchschnittlich gut entfaltet. Erstere wuchsen um 9 Prozent – insbesondere getrieben durch einen 8-prozentigen Anstieg der Exporte in die USA. Die Ausfuhren nach Asien nahmen um 7,5 Prozent zu, obgleich die Exporte nach China 2012 schwächelten und nicht über ihr Vorjahresniveau hinausgekommen sind.

Derweil verschieben sich die Gewichte im Exportportfolio. Zwar ist Europa auch heute noch der wichtigste Absatzmarkt. Zwei Drittel der Branchenausfuhren werden hier vermarktet, etwas mehr als die Hälfte davon in der Eurozone. 2000 lag der Anteil der Exporte nach Europa noch bei knapp drei Vierteln, und die Ausfuhren in den Euroraum machten noch 42 Prozent aus. Ähnlich sieht es aus, wenn man die Exporte in die Industrie- und Schwellenländer gegenüberstellt: 2000 wurden noch mehr als vier Fünftel der Elektroexporte in den Industrieländern abgesetzt und erst weniger als ein Fünftel in den Schwellenländern. Mittlerweile beträgt das Verhältnis nur noch 2 : 1. Im Ranking der Top-Abnehmer liegt China bereits auf Platz 2 – hinter den USA und vor Frankreich.

Beschäftigung auf 10-Jahres-Hoch

Ende 2012 waren 848 Tsd. Beschäftigte in der deutschen Elektroindustrie tätig – ein 10-Jahres-Hoch. Seit April 2010 hat die Branche fast 50 Tsd. neue Jobs geschaffen. Mehr als ein Fünftel der Beschäftigten sind Ingenieure, weitere drei Fünftel Fachkräfte. Entsprechend bleibt der Fachkräftemangel für die Branche eine Herausforderung. Knapp die Hälfte der Elektrounternehmen spürt ihn deutlich. Sieben von zehn Firmen planen deshalb, bis 2014 mehr Elektroingenieure einzustellen als in den Vorjahren. Ihre Investitionen hat die Elektroindustrie 2012 weiter um 9 Prozent auf 6,4 Mrd. Euro erhöht und mit rekordhohen 13,5 Mrd. Euro rund 4 Prozent mehr für Forschung und Entwicklung aufgewendet als 2011. Mehr als ein Fünftel aller privaten F&E-Aufwendungen in Deutschland geht allein auf das Konto der Elektrobranche. Die Kapazitätsauslastung fiel zuletzt auf 82 Prozent und damit etwas unter das langjährige Mittel.