Maxim Integrated stellt erstes MEMS-Produkt vor Mit 3-Achsen-Gyroskop in den Consumer-Markt

Über eineinhalb Jahre nach der Akquisition von SensorDynamics zeigt Maxim Integrated im MEMS-Geschäft Flagge und steigt mit einem 3-Achsen-Gyroskop in den Consumer-MEMS-Markt für mobile Geräte ein. Den Automotive-MEMS-Markt will das Unternehmen zeitnah mit Trägheits-Sensoren bedienen.

Premiere auf dem Mobile World Congress in Barcelona: Mit dem MAX21000 hat Maxim Integrated dort Ende Februar seinen ersten MEMS-Bewegungssensor vorgestellt. Es handelt sich um ein sehr präzises Drei-Achsen-Gyroskop mit Digitalausgang, das sich nach Angaben des Unternehmens durch eine bisher nicht dagewesene Langzeit- und Temperaturstabilität auszeichnet. Hochintegriert kommt der MEMS-Sensor ohne externe Bauelemente aus und reduziert so die Abmessungen der Gesamtlösung auf ein Minimum. Das geringe Rauschen von 9mdps/√Hz typ, eine Bandbreite von 400 Hz und das schnelle Interface (u.a. ein 10-MHz-SPI-Interface) prädestinieren das Gyroskop für Applikationen wie Benutzeroberflächen (UI) oder optische Bildstabilisatoren (OIS). Bei einer Abnahme von 1000 MEMS-Sensoren liegt der Nettostückpreis bei 1,31 Dollar.

»Der MAX21000 basiert auf einer Technologieplattform«, erläutert Patrick Long, Business Director Sensing Solutions Business Unit bei Maxim Integrated, »das bietet uns die Möglichkeit, in Zukunft komplexere Produkte mit mehr Ausstattungsmerkmalen für kommende Bewegungserfassungsfunktionen zu realisieren«.

Die Vorstellung des MAX21000 stellt das erste Lebenszeichen der MEMS-Aktivitäten von Maxim Integrated seit Juli 2011 dar. Damals übernahm das Unternehmen für 164 Mio. Dollar den österreichischen MEMS-Startup SensorDynamics. Zwar verweist Jérémie Bouchaud, Director and Principal Analyst MEMS & Sensors bei IHS iSuppli, darauf, dass das Unternehmen gegenüber Schlüsselkunden und Analysten in den letzten eineinhalb Jahren durchaus über seine MEMS-Aktivitäten informiert habe, der breiten Öffentlichkeit gegenüber hielt man sich aber zurück.

Wie Long deutlich macht, hat man die Zeit seit der Übernahme nicht nur dafür genutzt, ein von Grund auf neues Produkt wie den MAX21000 zu entwickeln und die diesem Produkt zugrunde liegende MEMS-Plattform zu schaffen, »wir haben darüber hinaus auch die Fertigung der MEMS und ASICs, die bei SensorDynamics auf Itzehoe und TSMC verteilt waren, ins Haus geholt und in unseren Mixed-Signal-Prozess integriert«.


Wer mit der Zielsetzung von SensorDynamics, mit MEMS den Automotive-Markt zu penetrieren, vertraut war, dürfte sich etwas über den nun erfolgten Einstieg in das Consumer-MEMS-Geschäft wundern. Doch Long macht schnell deutlich, dass man das Automotive-MEMS-Geschäft nicht aus den Augen verloren habe: »Wir befinden uns derzeit noch in einer frühen Phase, werden aber in Zukunft in diesen Markt mit Trägheits-Sensoren einsteigen«.

Mit dem nun vorgestellten Drei-Achsen-Gyroskop will das Unternehmen, wie Long erläutert, »in erster Linie Bildstabilisierungs- und Navigations-Appliktionen bedienen«. Der Einsatz dürfte sich damit vor allem auf Smartphones oder Tablet-PCs mit hochwertigen optischen Systemen konzentrieren, die bis zu 8 MPixel oder mehr bieten.

Zu weiteren Plänen, etwa ob sich Maxim Integrated angesichts des dynamisch wachsenden Medizinelektronik-Marktes auch mit BioMEMS beschäftigt, wollte Long sich nicht äußern. Er macht aber auch keinen Hehl daraus, dass weitere Akquisitionen im MEMS-Bereich für ihn durchaus eine Option sind, »wenn sie dazu dienen, einen höheren Nutzen für unsere Kundenprodukte zu liefern«.

Mit welchen Themen sich Maxim Integrated aktuell im Bereich Consumer-MEMS noch beschäftigt, macht ein Beitrag von Paul Nunn, Senior Business Manager bei Maxim Integrated, deutlich. Darin beschäftigt er sich mit den Vorteilen von MEMS-Resonatoren gegenüber zylindrischen Quarzbausteinen mit 32,768-kHz-Stimmgabelschwinger. So ist der Flächenbedarf eines MEMS-Resonators um den Faktor 47 kleiner, und im Volumen wird sogar eine Verringerung um den Faktor 182 erreicht.

Darüber hinaus, so Nunn, bringen es MEMS-RTCs auf eine Langzeit-Frequenzabweichung von weniger als ±5 ppm. Auch ihre Frequenzgenauigkeit über die Temperatur und nach Reflow-Lösung ist besser als ±5 ppm. Sein Fazit: MEMS-Bauelemente eignen sich für höhere Betriebstemperaturen, sind in kleineren Gehäusen untergebracht und sind preisgünstiger. »Gegen den Einsatz MEMS-basierter RTC-Bausteine zu argumentieren«, so Nunn, »dürfte darum sehr schwierig sein«.