Microchip Technology kauft weiter Micrel wird übernommen

Micrel, eines der ältesten Halbleiterunternehmen im Silicon Valley (1978 gegründet), wird bald Geschichte sein: Microchip Technology will das Unternehmen für 839 Mio. Dollar kaufen.

Micrel erzielte 2014 einen Umsatz von 247,6 Mio. Dollar, der Nettogewinn belief sich auf 13,7 Mio. Dollar, die Bruttomarge auf 51,7%. Das Unternehmen hat 86,6 Mio. Dollar auf der hohen Kante (31.12.2014) und keine Schulden. Auch wenn Micrel hinsichtlich der Profitabilität durchaus erfolgreich war – die Liste mit profitablen Quartalen in Folge ist außergewöhnlich lang: Im Umsatz sieht es alles andere als rosig aus: Betrug er 2010 noch 297 Mio. Dollar, waren es 2011 nur noch 259 Mio. Dollar, 2012 ca. 250 Mio. Dollar und 2013 ca. 237 Mio. Dollar. Lediglich 2014 holte Micrel auf und erzielte einen Umsatz von 247,6 Mio. Dollar. Das hatte natürlich auch Auswirkungen auf die Gewinnsituation des Unternehmens: Nach einem Rekordwert von 50,5 Mio. Dollar in 2010 sank der Wert bis 2014 auf 13,7 Mio. Dollar.


Micrel erzielt seinen Umsatz schwerpunktmäßig im Industriemarkt (2013: 52%), gefolgt vom Kommunikationssegment (2013: 17%), Computing (2013: 15%) und Wireless Handsets (2013: 13%). Die restlichen 3% kommen aus dem »Militärbereich und anderen Applikationen«. Den Großteil seines Umsatzes erzielt Micrel in Asien (2013: 61%) gefolgt von Amerika (2013: 26%) und Europa (13%). Micrel hat vier Business Units: Das Foundry-Geschäft, das 2013 2% zum Umsatz beitrug, die LAN-Business-Unit mit 20%, Timing & Communication mit 21% und Linear und Power mit 57%.

Micrel hält über 400 Patente und soll das Microchip-Produktspektrum erweitern. Auch wenn Microchip in vielen Produktbereichen tätig ist, in denen Micrel ebenfalls aktiv ist, ein Bereich ist vollkommen neu für Microchip: die Timing- und Communication-Produkte von Micrel. Sie sollen in eine neue Business-Unit von Microchip münden.

Microchip hat in den letzten 24 Monaten eine Vielzahl von Unternehmen gekauft: im November 2013 beispielsweise EqcoLogic, wobei keine Details bekanntgegeben wurden. EqcoLogik war Spezialist für Equalizer und Koaxial-Transceiver-Produkte und -Technologien für Automotive- und Industriemärkte. Ein weiterer Übernahmekandidat war Supertex. Das Unternehmen wurde im Februar 2014 für 148 Mio. Dollar übernommen. Mit Supertex erhielt Microchip Zugriff auf deren High-Voltage-Analog- (50 bis 1000 V) und Mixed-Signal-Produkte, die speziell in medizinische und industrielle Anwendungen sowie den Beleuchtungsmarkt wanderten. Das Unternehmen hielt 58 Patente und erzielte 2013 mit 347 Mitarbeitern einen Umsatz von 65,9 Mio. Dollar, die Bruttomarge belief sich auf 55,6%. Im Mai 2014 wurde dann noch ISSC Technologies für rund 328,5 Mio. Dollar übernommen. Microchip war in diesem Fall an den Low-Power-Bluetooth-Aktivitäten und Wireless-Lösungen von ISSC interessiert. Das Unternehmen hielt 119 Patente und erzielte einen Umsatz von 69,2 Mio. Dollar (Geschäftsjahr 2013), bei einer Bruttomarge 46,2%.


Jetzt folgt also Micrel mit 698 Mitarbeitern. Bei so vielen Akquisitionen, besteht da nicht die Gefahr, sich zu verzetteln? Doch erklärt Ganesh Moorthy, COO von Microchip, dass Microchip mithilfe eines systematischen Prozesses die Übernahmen durchführt, um jede zu einem Erfolg zu machen. »Jede Akquisition ist unterschiedlich und dient unterschiedlichen strategischen Zielen. Aber wir sind mit all unseren Akquisitionen glücklich«, so Moorthy weiter. Er belegt seine Aussage mit Beispielen: Die SST-Übernehme (2010 für 284 Mio. Dollar) habe Microchip Zugriff auf wichtige Flash-Speicher-Produkte und -Technologien verschafft, plus ein sehr profitables Geschäft mit Flash-IP. Die SMSC-Übernahme (2012 für 939 Mio. Dollar) wiederum ebnete Microchip den Weg in die Bereiche industrielles Networking und Automotive-Infotainment-Netze. Durch die Übernahme von EqcoLogic erhielt Microchip Zugriff auf die Equalizer-Technik, die in Microchips MOST-Netzwerkkomponenten integriert wurde, wodurch kostengünstigere Netzwerkknoten realisiert werden können.


Auffällig ist dass alle Übernahmen außerhalb des Kerngeschäfts mit Mikrocontrollern liegen. Das erklärt Moorthy damit, dass Microchip bereits über ein umfassendes Produktspektrum an General-Purpose-Mikrocontrollern verfügt, weshalb hier kein Bedarf für eine Akquisition bestehe. Moorthy: »Im Analogbereich hingegen finden wir viele Möglichkeiten, mit denen wir unsere Mikrocontroller ergänzen können.