Kommentar MEMS-Markt wieder in der Spur

Engelbert Hopf, Chefreporter Markt&Technik
Engelbert Hopf, Chefreporter Markt&Technik

»Back in Track«! Mehr als ausgeglichen hat das »Aufholjahr« 2010 ganz offenbar auch im MEMS-Business die Einbussen der Jahre 2008 und 2009. Zwar waren die mit Rückgängen von 3 und 7 Prozent nicht wirklich dramatisch, doch stellten die beiden Jahre die erste Zäsur in der nach wie vor jungen Wachstumsbranche der MEMS-Sensoren da. Dies gilt besonders für den Bereich der Consumer-Applikationen.

Mit einem Plus von 22 Prozent hat die Branche im letzten Jahr einen großen Sprung nach vorne getan. Behalten die Analysten des Marktforschungsinstituts iSuppli Recht, dann wird sich das Umsatzvolumen dieses Marktsegments im Zeitraum von 2009 bis 2015 verdoppeln, auf dann über 11 Mrd. Dollar. Damit entwickelt sich der Markt in den nächsten Jahren wohl deutlich dynamischer, als in der Vergangenheit.

Das hat auch damit zu tun, dass MEMS in immer neue Applikationsbereiche vorstoßen. So werden etwa seit kurzem auch entsprechende Lösungen für extrem raue Umgebungen, oder auch für den Hochtemperaturbereich angeboten. Und dann wären da auch noch anwendungskritische Bereiche, etwa zur Unterstützung der rasch wachsenden Zielgruppe älterer Menschen.

Nach Einschätzung von iSuppli wird der MEMS-Markt in den nächsten Jahren ein höheres Wachstum aufweisen, als der allgemeine Halbleitermarkt. Während die Analysten für das MEMS-Segment mit jährlichen Wachstumsraten von 10 Prozent ausgehen, erwarten sie im Halbleitermarkt ein Wachstum von 8 Prozent. So positiv diese Entwicklung auch sein mag, ein Blick auf die Größenverhältnisse der beiden Märkte macht klar, dass das MEMS-Geschäft 2010 nur etwas mehr als 2 Prozent des gesamten Halbleitermarktes ausmachte. Auch wenn es der MEMS-Branche gelingen sollte, die Zeiträume für die Verdoppelung ihres Umsatzvolumens zu halbieren, dürfte es wohl noch deutlich länger als bis 2020 dauern, bis der MEMS-Markt ein Volumen erreicht hat, dass über der 10-Prozent-Schwelle des Halbleitermarktes liegt.

Möglich dürfte das durchaus sein. In der jüngsten Geschichte der MEMS, speziell im Consumer-Bereich, gab es zwei wichtige Marktereignisse: Zum einen den Markteintritt von Sub-Dollar-Lösungen bei den Beschleunigungs-Sensoren und im letzten Jahr den lange erwarteten Markteintritt der dreiachsigen Gyroskop-Sensoren. Mit ihnen eröffnen sich neue, lukrative Marktsegmente im Bereich der Tablet-PCs und der Smartphones.
Wie dynamisch sich der MEMS-Markt entwickelt, lässt sich auch daran ablesen, dass in Kürze die Ablösung, des langjährigen Nummer-1-Produktes der MEMS-Branche bevorsteht: Wenn die Analysten richtig liegen, dann werden Tintenstrahldruckköpfe 2012 von den Beschleunigungssensoren als umsatzstärkstes MEMS-Produktsegment abgelöst. Ein Wechsel der wohl endgültig sein dürfte.

Dass aber auch in der MEMS-Branche das Sprichwort »Totgesagte leben länger gilt«, dafür ist das DLP-Segment der Beste Beweis. Jahrlang war der Umsatz in diesem Bereich rückläufig, was vor allem daran lag, dass Flachbildfernseher rasant das wichtigste Absatzsegment für DLPs, den Bereich der Rückprojektionsfernseher, marginalisierten. Ganz offensichtlich ist es Texas Instruments aber gelungen, nun doch die Wende einzuleiten. Zum einen konnten die Rückprojektionsfernseher gegenüber den LCD-TVs ganz offenbar wieder Boden gut machen und gleichzeitig hat sich das DLP-bestückte Projektoren-Geschäft für den Bildungs- und Geschäftsbereich offenbar sehr entwickelt. Und dann wäre da dann ja auch noch das sich langsam zum Trend aufbauende Geschäft mit den Pico-Projektoren.

Das MEMS-Geschäft, es bleibt interessant und zieht immer neue Mitspieler an. Neben dem Einstieg der großen Halbleiter-Foundries wie TSMC und Global Foundries, dürften in naher Zukunft auch namhafte Halbeiterspezialisten wie Intel, IBM, Qualcomm, IDT, Maxim oder SiLabs in der MEMS-Arena antreten.

MEMS, soviel scheint sicher zu sein, werden in Zukunft allgegenwärtiger Bestandteil unserer Lebens- und Arbeitswelt sein. Nur werden sich wohl die wenigsten dessen bewusst sein. Aber das kennen die Halbleiterspezialisten ja bereits.

Ihr Engelbert Hopf