Aktuelle iSuppli-Studie prognostiziert jährliches MEMS-Wachstum von 10 Prozent bis 2015 MEMS-Markt durchbricht 2014 die 10-Milliarden-Dollar-Marke

Nach dem überdurchschnittlichen Marktwachstum von 22 Prozent im letzten Jahr, das in erster Linie auf die Einbrüche des Krisenjahres 2009 zurück zu führen ist, wächst der MEMS-Markt in den nächsten fünf Jahren nach Einschätzung der iSuppli-Analysten jährlich um 10 Prozent und durchbricht dabei 2014 die 10-Mrd.-Dollar-Umsatzschwelle.
Nach dem überdurchschnittlichen Marktwachstum von 22 Prozent im letzten Jahr wächst der MEMS-Markt in den nächsten fünf Jahren nach Einschätzung der iSuppli-Analysten jährlich um 10 Prozent.

Nach der jüngsten MEMS-Marktuntersuchung von iSuppli werden im nächsten Jahr Beschleunigungsensoren Tintenstrahldruckköpfe als umsatzstärkstes MEMS-Produkt ablösen. Die Auswirkungen der Dreifachkatastrophe in Japan auf die MEMS-Branche beurteilen die Analysten als vergleichsweise gering. Im Vergleich zum Krisenjahr 2009, wird sich das MEMS-Umsatzvolumen bis 2015 fast verdoppeln.

»Der MEMS-Markt ist eindeutig wieder in der Spur«, stellt Jérémie Bouchaud, Principal Analyst and Dirctor MEMS beim Marktforschungsinstitut iSuppli fest, »er hat im Vorjahr ein Umsatzvolumen von 7,1 Mrd. Dollar erreicht und lag damit um 663 Mio. Dollar über dem bisherigen Rekordjahr 2007«. Die Gründe für das überdurchschnittliche Wachstum von 22 Prozent im Vorjahr dürften in erster Linie in den, durch die Weltwirtschaftskrise bedingten Markteinbrüchen der Jahre 2008 und 2009 zu suchen sein. iSuppli hat für diese Jahre Umsatzrückgänge von 3 und 7 Prozent. Dies führte 2009 zu einem Rückgang des weltweiten MEMS-Umsatzes auf 5,82 Mrd. Dollar. »Wenn wir in die Zukunft blicken«, so Bouchaud, »erwarten wir für 2015 ein MEMS-Umsatzvolumen von rund 11,34 Mrd. Dollar«. Gegenüber der Talsohle es Jahrs 2009 würde dass dann mit 95 Prozent Zuwachs fast einer Verdoppelung des Marktvolumen entsprechen.

Für dieses deutliche Wachstum in den nächsten Jahren, das sogar noch über dem von iSuppli prognostizierten jährlichen 8-prozentigen Wachstum der Halbleiterindustrie bis 2015 liegt, gibt es nach Auskunft von Richard Dixon, Senior Analyst MEMS bei iSuppli vor allem vier Gründe:

  • Die Rückkehr des DLP-Marktes
  • Der steigende Bedarf der BRIC-Länder (Brasilien, Russland, Indien und China) getrieben vor allem von China
  • Den großen Markterfolg neuer Consumer-Produkte wie etwa dem iPad und Tablet-PCs sowie dem lang erwarteten Marktdurchbruch von kostengünstigen Gyroskop-Sensoren für Consumer-Applikationen wie Handys
  • Schließlich den Vorstoß der MEMS-Sensoren in bislang kritische Bereich wie etwa Energie oder zur Unterstützung der alternden Bevölkerung

Nur einen geringen Einfluss dürfte nach Einschätzung der Marktbeobachter von iSuppli die Dreifachkatastrophe von Japan auf die MEMS-Marktentwicklung in diesem Jahr haben. »Wir gehen davon aus, dass sie das Marktwachstum in diesem Jahr nur geringfügig beeinträchtigen wird und dass ihr mittelfristiger Einfluss auf die Marktentwicklung bis 2015 nur sehr gering sein wird«, stellt Bouchaud fest. Für einige Hersteller mit alternativen Technologien könnten sich die Vorkommnisse sogar als Chance im Wettbewerb mit etablierten Technologien und Herstellern erweisen.

Dixon weißt in diesem Zusammenhang darauf hin, dass sich die Vorkommnisse in Japan weniger auf die MEMS-Produktion, als vielmehr auf ihren Verbrauch auswirkt. »Nach unserer Einschätzung sind große OEMs, vor allem im Bereich Automotive davon deutlich stärker betroffen, als die MEMS-Hersteller«. Neben Toyota war vor allem Honda von den Folgen von Seebeben, Tsunami und GAU in Fukushima betroffen, weil viele Zulieferer des Autoherstellers in der betroffenen Regionen angesiedelt sind. Das Analysten-Team bei iSuppli geht davon aus, dass OEMS wie Toyota, Honda und Nissan bis zum Jahresende etwa 1,5 bis 2 Mio. Fahrzeuge weniger hergestellt werden haben, als ursprünglich geplant.

Der Ausfall von 2 Mio. Fahrzeugen, hätte auf der Automotive-MEMS-Seite den Ausfall von rund 30 bis 40 Mio. Dollar Umatz zur Folge. Dixon geht davon aus, dass sich der japanische MEMS-Automotive-Markt zwar noch in diesem Jahr erholen wird, mit einer vollständigen Rückkehr zu den Planzahlen, rechnet er aber erst für 2012.

Mit dem deutlichen Wachstum des MEMS-Marktes in den nächsten Jahren ist auch ein spürbarer Umsatzschub bei einigen MEMS-Typen zu beobachten. So geht iSuppli davon aus, dass Beschleunigungsaufnahmer bereits im nächsten Jahr Tintenstrahldruckköpfe als bislang umsatzkräftigstes MEMS-Produkt überrunden werden und die Nummer-1-Position bis 2015 auch nicht mehr abgeben werden. Am Ende des Berichtszeitraums erwarten die Analysten für Beschleunigungsaufnehmer ein Umsatzvolumen von 1.86 Mrd. Dollar, das entspräche dann einem Sechstel des gesamten MEMS-Marktes. Dicht dahinter werden 2015 die Drucksensoren mit einem Umsatzvolumen von 1.81 Mrd. Dollar folgen. Bei Gyroskopen rechnen die Marktbeobachter bis 2015 mit einer Verdoppelung des 2009 erzielten Umsatzvolumens von 628 Mio. Dollar auf dann 1.37 Mrd. Dollar. Getrieben wird dieses Wachstum vor allem von den 2010 auf den Markt gebrachten dreiachsigen Gyroskop-Sensoren.

Nach den Umsatzverlusten der letzten Jahre, scheint sich das DLP-Segment wieder zu erholen. Bis 2015 geht iSuppli von einem Umsatzvolumen von 1.2 Mrd. Dollar aus. Diese Wiederauferstehung hat vor allem damit zu tun, dass es DLP gelungen ist, den LCDs wieder Marktanteile abzunehmen und dem Erfolg von DLP-basierten Projektoren, wie sie inzwischen verstärkt im Geschäfts- und Bildungsbereich zum Einsatz kommen. Auf einer Erfolgswelle surft DLP auch im Pico-Projector-Bereich.

Positiv wird sich in denn nächsten Jahren auch der Bereich der BAW-Filter entwickeln. Dies ist vor allem auf den Erfolg des 4G-Standards zurückzuführen. iSuppli erwartet aus diesem Grund bis 2014 ein Umsatzvolumen in Höhe von 616 Mio. Dollar in diesem Bereich. Das noch junge Segment der MEMS-Mikrofone wird aller Voraussicht nach bis 2014 ein Umsatzvolumen von 531 Mio. Dollar erreichen.

Keine Wiederauferstehung erwarten die Analysten dagegen im Bereich der Tintenstrahldruckköpfe, bislang seit mehr als 10 Jahren das umsatzstärkste MEMS-Segment. Verantwortlich dafür sind die rückläufigen Tintenstrahldrucker-Umsätze und dem industriellen Übergang der Branche von wechselbaren zu fest eingebauten Druckköpfen.

Mittel- und langfristig geht Bouchaud von nachhaltigen Veränderungen in der MEMS-Lieferkette aus. »Das MEMS-Geschäft zeichnet sich zum einen durch robustes Wachstum und deutlich weniger zyklische Schwankungen wie das Halbleitergeschäft aus«, so der Analyst, »zum anderen wird der Bedarf an MEMS durch Handsets und Tablet-PCs weiter kontinuierlich gesteigert«. Diese Wachstumsgarantie wird in den kommenden fünf Jahren neue Player in den MEMS-Markt ziehen.

Neben namhaften MEMS-Foundries wie TSMC und Global Foundries, rechnet Bouchaud damit, dass sich vor allem Wireless-Spezialisten wie Intel, IBM und Qualcomm, aber auch Hersteller von Analog-ICs wie IDT, Maxim und SiLabs in absehbarer Zeit auf dem MEMS-Markt tummeln werden.