Kommentar Maxim startet die nächste Runde des MEMS-Übernahmekarusells

Engelbert Hopf, Chefreporter Markt&Technik
Engelbert Hopf, Chefreporter Markt&Technik

Nach Jahren der Marksondierung und des Sponserings von MEMS-Veranstaltungen hat Analog-Spezialist Maxim nun also Ernst gemacht mit seinen MEMS-Plänen. Seit zwei, drei Jahren fiel der Name Maxim immer wieder, wenn es um namhafte Halbleiterspezialisten ging, die als nächstes den Einstieg in den prosperierenden MEMS-Markt suchen. Maxim befand sich dabei in illustrer Gesellschaft: Mit Intel, IBM, Qualcomm, IDT, oder SiLabs.

Mit der Übernahme von SensorDynamics, der nach Einschätzung von Branchenkennern nur der erste Schritt in den MEMS-Markt sein dürfte, bringt sich der Analog-Spezialist nun in eine Position, um in Zukunft auch den MEMS-basierten Sensormarkt im großen Stil bedienen zu können. Dieser Markt wird nach Einschätzung von IHS iSuppli in diesem Jahr ein Volumen von 7,7 Mrd. Dollar erreichen. Das entspricht in etwa einem Fünftel des von Databeans für 2011 auf 45,2 Mrd. Dollar taxierten Analogmarktes.

Angesichts dieser Dimension, dürften die insgesamt 164 Mio. Dollar, die Maxim für ein Unternehmen ausgegeben hat, das nach Auskunft eines der Investoren von SensorDynamics im letzten Jahr rund 7,7 Mio. Euro erzielte, nachzuvollziehen sein. Maxim ging es bei der Übernahme wohl kaum um den kargen aktuellen Umsatz, als vielmehr um die Technologie und das IP des Unternehmens. Damit lassen sich über die Vertriebsorganisation und die Marktmacht von Maxim ganz andere Größenordnungen realisieren.

Es sind die 14 Prozent Wachstumsrate, die dem MEMS-basierenden Sensormarkt in den nächsten Jahren zugesprochen werden, die Maxim gelockt haben. Diese Wachstumsrate ist doppelt so hoch, wie die des traditionellen Analogmarktes. Von der Wachstumsdynamik der schönen, neuen MEMS-Sensor-Welt können aber nur diejenigen profitieren, die entsprechendes Know-how und Lösungen zu bieten haben.

So klein SensorDynamics auch sein mag, das in Lering bei Graz beheimatete Unternehmen zählt zu den ganz wenigen, denen bislang die monolithische Integration von Beschleunigungs- und Drehratensensoren auf einem Chip gelungen ist. Dass sich SensorDynamics zudem noch auf den Automotive-Markt konzentriert, deckt sich in idealer Form mit Maxims Plänen, exakt in diesem Marktsegment in Zukunft verstärkt wachsen zu wollen.
Dass es mit Maxims Suche so lange gedauert hat, ist vor allem darauf zurückzuführen, dass einfach nur sehr wenige MEMS-Unternehmen derzeit zum Kauf stehen, die wirklich ein Pfund, im Wachstumsmarkt der Zukunft, dem Bereich Drehratensensoren, in die Waagschale werfen können.

Einmal mehr bestätigt diese Akquisition damit den sich in jüngster Zeit abzeichnenden Trend, das MEMS-Unternehmen nicht von Wettbewerbern übernommen werden, sondern von großen Halbleiterherstellern, Subsystemherstellern oder IDMs.

Wer nicht gleich ein Unternehmen übernehmen will, sich aber schon mal etablierte Schlüsseltechnologie zur Sicherung seiner Kernkompetenzen für die Zukunft sichern will, für den bietet sich auch die Möglichkeit des strategischen Invests in ein MEMS-Startup. Die bekanntesten Beispiele für diesen Trend waren in jüngster Vergangenheit Silicon Clocks und CardioMEMS.

Als nächstes könnte sich vielleicht im Boomsegment Navigation für Handsets etwas tun. Es ist bekannt, dass sich eine Reihe von IC-Herstellern wie etwa Qualcomm, Mediatek, CSR-SiRF oder auch Texas Instruments, die sich vor allem im Wireless-Bereich bewegen, mit der Frage beschäftigen, wie sie mit dem Thema MEMS weiter umgehen sollen: Als strategischer Investor, oder lieber doch gleich die große Lösung, als Käufer?

Im Bereich Sensor-Fusion ist Texas Instruments durch die Zusammenarbeit mit FullPower da schon einen Schritt weiter. Speziell für Mikrocontroller-Spezialisten wären auf diesem Gebiet Softwarespezialisten wie etwa Hillcrest Lab, Movea oder auch Geovector interessant. Doch das ist reine Spekulation.

Damit bleibt es spannend, wer als Nächster auf das MEMS-Übernahmekarusell aufspringt. Nach den Rekordjahren 2010 und 2011 dürfte die Kriegskassen wieder gut gefüllt sein. Man muss nur noch das passende, Know-how- und IP-reiche, sowie übernahmewillige MEMS-Startup-Unternehmen finden.

Ihr Engelbert Hopf