Speicherhersteller aus Taiwan mit eigener Entwicklung und Fertigung Macronix strebt die Marktführerschaft bei NOR-Flash-ICs an

Dr. Miin Wu, Macronix: »Im NOR-Flash-Segment verfügt Macronix über eine breite Palette an sehr kosteneffizienten Bausteinen. Deswegen sind wir heute in der Lage, uns mit jedem NOR-Flash-Anbieter weltweit zu messen.«
CEO Dr. Miin Wu: »Im NOR-Flash-Segment verfügt Macronix über eine breite Palette an kosteneffizienten ICs. Daher sind wir in der Lage, uns mit jedem NOR-Flash-Anbieter weltweit zu messen.«

Macronix aus Taiwan, Hersteller von nicht-flüchtigen Speicher-ICs, verfolgt eine klare Strategie am Flash-Markt. Das Unternehmen will in den nächsten Jahren zum größten Anbieter von NOR-Flash-ICs aufsteigen. CEO Dr. Miin Wu hat eine genaue Vorstellung davon, mit welchen Schritten dieses Ziel zu erreichen ist. Zudem spricht er über Pläne, die den Speichermarkt langfristig verändern können.

Markt&Technik: Macronix ist in Europa noch relativ unbekannt. Welche Philosophie steht hinter ihrem Unternehmen?

Dr. Miin Wu: Macronix ist 1989 als Venture Capital finanziertes Halbleiterunternehmen in den Markt gestartet, also als eine relativ kleine Firma. Daher mussten wir Nischenmärkte für uns definieren, um am Markt bestehen zu können. Erst wenn man sich in der Nische etabliert, kann man sich der nächsten größeren Aufgabe stellen. Das ist also unsere aus der Historie begründete Strategie.
Als ich das Unternehmen Ende der 80er Jahre gegründet habe, war es bereits meine feste Überzeugung, dass in der Zukunft nicht-flüchtige Speicher eine äußerst wichtige Rolle in fast allen elektronischen Systemen spielen werden. Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass ich mit dieser Prognose wohl richtig gelegen bin.

Was waren also Ihre ersten Schritte zum Erfolg?

Vor der Gründung von Macronix war ich als Process Development Engineer in den USA tätig. Damals war es üblich, dass Studenten aus Taiwan in die USA abgewandert sind, um sich dort weiterzubilden und anschließend dort zu arbeiten. Ich habe viele dieser Ingenieure zurück nach Taiwan gebracht, damit sie Technologien und Produkte für Macronix entwickeln. Bekannt ist das Szenario auch als ‚Reverse Brain-Drain’.
Im Fokus unserer anfänglichen Geschäftsaktivitäten standen damals Read Only Memories. Noch heute sind wir weltweit führender Anbieter von ROMs. Später haben wir unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten auf EEPROMs und Flash-ICs ausgedehnt.

Welche Strategie verfolgen Sie heute?

Derzeit sind wir der viertgrößte Anbieter von NOR-Flash-Speichern weltweit, wollen aber über die nächsten Jahre zum größten Anbieter von NOR-Flash-ICs aufsteigen.
Gerade der NOR-Flash-Markt bietet gute Chancen für kleine Hersteller. Der Grund dafür ist, dass NOR-Flash-Speicher abhängig von der Applikation in den unterschiedlichen Speichergrößen benötigt werden, beginnend bei 1 MBit bis 512 MBit und sogar 1 GBit. Im NOR-Flash-Segment verfügt Macronix über eine breite Palette an sehr kosteneffizienten Bausteinen. Deswegen sind wir heute in der Lage, uns mit jedem NOR-Flash-Anbieter weltweit zu messen. Sobald wir uns als bedeutender Hersteller in diesem Marktsegment etabliert haben, werden wir uns noch stärker auf den Ausbau des NAND-Flash-Geschäfts konzentrieren.

Wie wichtig ist für Macronix der europäische Markt?

Europa ist wichtig. Ich schätze unseren Anteil am weltweiten NOR-Flash-Markt auf etwa 10 Prozent. In Europa ist dieser Marktanteil derzeit sicherlich noch geringer, wobei er nicht einfach zu ermitteln ist, da Macronix durchaus viele NOR-Flash-ICs an europäische Kunden liefert, die in Asien produzieren.

Andere Speicherhersteller, mit denen wir konkurrieren, also Unternehmen wie Spansion und Micron, verfügen alle über eine lange Historie am Speichermarkt. Sie sind entweder in den USA, Japan oder Europa ansässig und haben ganze Regionen über die vergangenen Jahre geprägt. Wir als relativ neuer Anbieter - und das sogar in Taiwan - müssen daher einfach eine bessere Qualität und besseren Service bereitstellen. Und das gilt insbesondere für den europäischen Markt, der geprägt ist von der Industrieelektronik und dem Automobilsegment.

Was verstehen Sie unter einer besseren Qualität bei Flash-Speichern, auch ein hohe Verfügbarkeit und Lieferzuverlässigkeit?

Das ist eine sehr gute Frage. Die Produkt- und Service-Qualität setzt sich aus sehr vielen Aspekten zusammen. Hinsichtlich der Erwartungen an Qualität hat man in Europa - und insbesondere in Deutschland - eine ähnliche Mentalität wie in Japan. Liefertreue spielt dabei eine sehr wichtige Rolle. Und ich muss sagen, unsere japanischen Kunden haben uns diesbezüglich sehr gut ausgebildet. Gehen wir von unseren eigenen Kontrollmechanismen aus, gehören wir zu den führenden Herstellern in dieser Hinsicht.
Auf Seiten der Produkte sind zum Beispiel Kriterien wie eine hohe Temperaturstabilität wichtig. Wir bieten NOR-Flash-ICs für den erweiterten Temperaturbereich bis zu +125 °C an, was nicht viele Hersteller können. Aber auch die Kostenstruktur ist entscheidend. Macronix ist heute in der Lage, über die gesamte Produktpalette hinweg sehr kosteneffiziente Speicherbausteine offerieren zu können. Das sind wesentliche Gründe, warum uns europäischen Kunden als Speicheranbieter akzeptieren.

Lassen Sie ihre Produkte von Foundries fertigen oder verfügen Sie über eigene Werke?

Wir haben unsere eigene Produktion! Ich persönlich glaube nicht an den Fabless-Ansatz -insbesondere nicht in Zusammenhang mit Speicherprodukten. In diesem Segment müssen Produkte und Prozesse exakt aufeinander abgestimmt sein. Eigene Fertigungskapazitäten sind aus meiner Sicht eine Voraussetzung dafür, dass große Kunden mit uns zusammenarbeiten.

Wie viele Fabriken hat Macronix und auf welchem Technologie-Stand sind diese?

Macronix verfügt über zwei Produktionsstätten in Taiwan für die Speicherfertigung. Neben einer bewährten 8-Zoll-Fab mit einem derzeitigen Ausstoß von rund 50.000 Wafern pro Monaten, haben wir im letzten Jahr zusätzlich eine 12-Zoll-Fabrik von einem nahe ansässigen DRAM-Hersteller übernommen und dieses Werk zu einer hochentwickelten Flash-Fabrik umgerüstet.

Insgesamt hat Macronix im letzten Jahr rund 1 Mrd. Dollar investiert, um dieses Werk zu kaufen und an die Anforderungen der eigenen Produkte anzupassen. Zu Beginn dieses Jahres haben wir die Anlaufphase gestartet. Bis zum Jahresende werden wir aller Voraussicht nach eine Kapazität von 20.000 Wafern im Monat erreichen und diese dann - abhängig vom Bedarf - sukzessive erhöhen. Die Maximalkapazität des neuen Werks liegt bei etwa 50.000 Wafern im Monat.
In Bezug auf die Prozess-Strukturen wird es möglich sein, in dem neuen Werk Strukturgrößen bis hinab zu 20 nm zu realisieren.