Kommunikations-ICs Macom will Applied Micro kaufen

John Croteau, Macom: »Wir setzen auf die PAM-4-Technik von Applied Micro. Das Prozessorgeschäft passt nicht in unsere Firmenstrategie.«
John Croteau, Macom: »Wir setzen auf die PAM-4-Technik von Applied Micro. Das Prozessorgeschäft passt nicht in unsere Firmenstrategie.«

Macom will Applied Micro Circuits für 770 Mio. Dollar übernehmen und so für einen vergleichsweise geringen Aufpreis an die CMOS-Kommunikations-ICs kommen – und das Prozessorgeschäft so schnell wie möglich verkaufen.

Der Kaufpreis entspricht einem Aufpreis von 15,4 Prozent. Zusammen kommen beide Firmen auf einen Umsatz von 709 Mio. Dollar, das Prozessorgeschäft abgezogen auf 644 Mio. Dollar. Für Macom ist es wichtig, an die 100- und 400-GBit/s-Übertragungstechnik von Applied Micro heran zu kommen. Außerdem verschafft sich Macom so Zugang zu den Kunden von Applied Micro, die Telekommunikations-, Netzwerk- und Datenzentren-Firmen umfasst wie Arista, Cisco, Juniper, Amazon, Facebook und Google. Insgesamt hofft Macom, über den Zukauf den eigenen erreichbaren Markt um 500 Mio. Dollar auf 1 Mrd. Dollar zu verdoppeln.
Ausschlaggebend dürfte die PAM-4-Technik sein, an der Applied Micro gerade arbeitet und die auf FinFETS basiert. Produkte auf Basis von PAM-4 will Applied noch in diesem Jahr vorstellen, 2017 soll bereits Umsatz fließen. Immerhin arbeitet Applied auf diesem Gebiet eng mit Cisco zusammen, auf die allein 25 Prozent des Umsatzes entfällt. John Croteau, CEO von Macom, rechnet damit, dass Unternehmen wie Google und Amazon sehr schnell zur PAM-4-Technik wechseln werden, einfach weil es derzeit keine andere Möglichkeit gibt, die Kommunikation zwischen den Racks in Datenzentren zu beschleunigen: »Damit steigern wir unsere Gewinnmarge. Die 100-G- und 400G-PAM-4-Plattform ergänzt unsere führende Rolle auf dem Gebiet analoger und photonischer Komponenten für den Einsatz in Datenzentren.«
Derzeit fertigt Macom die meisten Analog-ICs  und die ICs für die optische Datenübertragung auf Basis von Verbundhalbleitern. Die Fühler in Richtung CMOS streckte Macom mit der Übernahme von Mindspeed vor drei Jahren aus.
Was John Croteau allerdings möglichst schnell loswerden will, ist das X-Gene-ARM-Geschäft von Applied Micro. »Unabhängig von seinem künftigen Erfolg passt dieses Segment einfach nicht in unsere Strategie«, so Croteau. Analysten gehen davon aus, dass das Mikroprozessorgeschäft von Applied einen Verlust von rund 55 Mio. Dollar bringt – was über 50 Prozent von Applied’s operativen Kosten ausmacht – und nur 1 Prozent zum Umsatz beiträgt. Wie sich die neuen ARM-basierten Prozessoren gegen die Typen von Intel behaupten werden, bleibt abzuwarten. Derzeit scheint Intel die Nase vorne zu haben. Macom jedenfalls rechnet damit, sehr schnell einen Käufer für die Prozessor-Einheit zu finden und damit das ungeliebte Kind loswerden zu können. Das sollte die Profitabilität des Unternehmens deutlich steigern.
Auch Paramesh Gopi, CEO von Applied Micro, hält den Verkauf des Prozessor-Segments für eine gute Idee: »Die dritte Generation der X-Gene-Prozessoren ist mit den leistungsfähigen Kernen, den skalierbaren Verbindungseinheiten und der Möglichkeit, umfangreiche Speicherkapazität anzubinden, gut positioniert, um im Server-Markt Fuß zu fassen.«