Dr. Reinhard Ploss im Interview »Klarheit und Geschwindigkeit - das sind die Vorgaben!«

Dr. Reinhard Ploss, Infineon: »Wie und wo wird die Schlacht um Industrie 4.0 wirklich geschlagen? Unter dem Aspekt von IoT und den darauf aufsetzenden Services bis hin zu Big Data, wo die USA stark sind, muss uns das in Deutschland nachdenklich machen.«
Dr. Reinhard Ploss, Infineon: »Wie und wo wird die Schlacht um Industrie 4.0 wirklich geschlagen? Unter dem Aspekt von IoT und den darauf aufsetzenden Services bis hin zu Big Data, wo die USA stark sind, muss uns das in Deutschland nachdenklich machen.«

Infineon stellt zunehmend das Gesamtsystem in den Fokus, nicht mehr den einzelnen Chip. Auch in dieser Hinsicht sieht CEO Dr. Reinhard Ploss die Übernahme von International Rectifier (IR) als wichtigen Schritt. Wie er Infineon fit für die Zukunft machen will, erklärt er im Interview mit Markt&Technik.

Markt&Technik: Die Halbleiterindustrie ist nicht gerade für gelungene Großübernahmen bekannt. Wie macht man es richtig?

Dr. Reinhard Ploss: Wenn ich eines gelernt habe, dann dass Geschwindigkeit zählt. Klarheit und Geschwindigkeit – das sind die Vorgaben. Und ich sehe uns hierbei auf dem richtigen Weg. Wir haben die Vorbereitungen zur Übernahme mit hoher Intensität getroffen und sehr zügig umgesetzt: Zwischen unseren allerersten Gesprächen mit International Rectifier im Frühjahr bis zum Signing Ende August ist vergleichsweise wenig Zeit vergangen. Das erkennen übrigens auch die Beratungsunternehmen an, mit denen wir zusammenarbeiten. Mit unserer Einschätzung sind wir also nicht alleine. Unsere weitere Vorgabe lautet: Innerhalb von 100 Tagen, nachdem alle rechtlichen Hürden genommen sind und IR zu uns gehört, wollen wir unsere Zielstruktur für die neue Organisation klar aufgesetzt haben. Das ist sicher ambitioniert, denn in vieles haben wir derzeit noch gar keinen Einblick. Trotzdem müssen wir jetzt schnell entscheiden und kommunizieren: Was wollen wir fortführen und was ändern?

Wann ist der Blick von Infineon auf IR gefallen?

Wir beobachten unser Umfeld kontinuierlich. IR hatte in der Vergangenheit etwas den Fokus verloren. Dann hat das heutige Management den Kurs wieder eindeutig in Richtung der Kernprodukte, Leistungshalbleiter, ausgerichtet und ist dabei, die Produktion zu optimieren – von Eigenfertigung hin zu vermehrter Nutzung von Foundries und Subcons. Damit passt das Unternehmen jetzt sehr gut zu uns. Wir ergänzen und verbreitern unsere Kompetenzen.