Erfolgreicher Gipfelsturm nach Problemen beim Aufstieg Kemet ist in der Gewichtsklasse der 1-Mrd.-Dollar-Unternehmen angekommen

Per Olof Loof, Kemet: »Es sieht so aus, als ob die eklatantesten Rohmaterialpreissteigerungen nun hinter uns liegen und sich die Situation auf einem hohen, aber stabilen Niveau entspannt.«
Per Olof Loof, Kemet: »Es sieht so aus, als ob die eklatantesten Rohmaterialpreissteigerungen nun hinter uns liegen und sich die Situation auf einem hohen, aber stabilen Niveau entspannt.«

Nach dem Erreichen der 1-Mrd.-Dollar-Umsatzschwelle setzt Per Olof Loof, CEO von Kemet, für die Zukunft vor allem auf die Bereiche Industrie und Erneuerbare Energien. Das Unernehmen verfüge laut Loof über die benötigten Technologien und Fertigungskapazitäten, um im vollen Umfang vom Boom dieser Sparte zu profitieren.

Markt&Technik: Ihr Ziel war es, durch verschiedene Übernahmen Kemet zur 1-Mrd.-Dollar-Company zu formen. Dann kam das Krisenjahr 2009. Haben Sie mit dem Rückenwind des Boomjahres 2010 Ihr Ziel inzwischen trotzdem erreicht?

Per Olof Loof: Wir haben dieses Ziel im letzten Geschäftsjahr mit einem Umsatz von 1.018 Mrd. Dollar erreicht. Wir lagen bereits nach dem ersten Halbjahr auf einem guten Kurs und unsere stabile Absatzentwicklung im letzten Quartal von Januar bis Ende März dieses Jahres hat diese Entwicklung noch einmal bestätigt.

Wobei ich anmerken möchte: Wie Milliarde war nie das alleinige Ziel, sie stand ganz einfach für eine Entwicklung, die Kemet in den letzten Jahren durchlaufen hat. Natürlich steht außer Frage, dass ein Milliarden-Dollar-Unternehmen anders am Markt oder den Finanzmärkten wahrgenommen wird als ein kleineres Unternehmen.

Welchen Einfluss hatten die jüngsten Ereignisse in Japan auf Ihr Unternehmen? Wie hoch ist die Abhängig von Kemet von Rohstoff- und Komponentenlieferanten in Japan?

Die Ereignisse im Japan, im Ge-folge von Seebeben, Tsunami und dem GAU in Fukushima, hatten bislang nur einen sehr geringen Einfluss auf unsere Geschäftsentwicklung. Japan stellt für uns nur einen sehr kleinen Absatzmarkt dar, wir unterhalten mit Japan aber vielfältige Lieferantenbeziehungen. Es ist uns bisher gelungen, eine unterbrechungsfreie Belieferung für Kemet sicherzustellen. Wir verfolgen die Entwicklung weiterhin sehr sorgfältig, ich bin aber überzeugt davon, dass es unserer Branche als Ganzes gelingen wird, die Auswirkungen dieser Ereignisse in den Griff zu bekommen und zu regeln.

Bereits vor den Ereignissen in Japan war die Lieferkette auch im Bereich passiver Bauelemente sehr angespannt. Hat sich die Situation seither in Ihren Augen noch verschlechtert?

Wir haben immer gesagt, dass es sich in erster Linie um punktuelle Lieferengpässe handelt. Das große Thema auch 2010 waren die Rohmaterialpreise. Sie haben sich zwar bis vor kurzem weiter in die falsche Richtung bewegt, wir gehen aber davon aus, dass diese Steigerungskurve nun gestoppt ist. Mittelfristig ist damit zu rechnen, dass sich die Preise auf einem hohen Niveau stabilisieren. Wir arbeiten weiter daran, die Auswirkungen dieser Entwicklung für unsere Kunden so weit zu minimieren wie möglich.

Das Jahr 2010 lässt sich wohl nicht nur für den Bereich Passive Bauelemente auf den Superlativ »Wahnsinn« bringen. Hätten Sie eine solche Marktdynamik nach der Krise für möglich gehalten?

Wir sind als Branche und als Weltwirtschaft ganz einfach wesentlich schneller aus der Rezession gekommen, als das irgendjemand für möglich gehalten hätte. Das führte im Vorjahr zu dieser enormen Belastung der Lieferkette. Was damals vielleicht noch nicht so genau einzuschätzen war, das war die Nachhaltigkeit dieses Aufschwungs. Inzwischen lässt sich mit Sicherheit sagen, die Bedarfe sind zurückgekommen, der Versorgungsbedarf hat sich in einigen Bereichen sogar noch erhöht gegenüber dem Marktbedarf vor dem Krisenjahr 2009.

Gehen Sie davon aus, dass sich diese Marktdynamik, wenn auch etwas abgemildert, weiter fortsetzt? Es gibt ja bereits erste Warnungen, die nächste Krise stünde unmittelbar bevor?

Einige Marktbeobachter haben im Herbst letzten Jahres ein Softlanding prognostiziert. Nach meiner Einschätzung ist das bislang nur im Bereich Consumer-Produkts aufgetreten. Kemet hat inzwischen jedoch auch bei Kondensatorlösungen für den Industriebereich eine sehr gute Position erreicht und dieses Marktsegment erfreut sich bislang einer weiterhin sehr starken Nachfrage.

Sie neigen also nicht zu der Ansicht, dass sich die Zyklen im Bauelementebereich in den letzten Jahren deutlich verkürzt und damit die Amplituden der wirtschaftlichen Entwicklung deutlich steiler und drastischer ausfallen?

Durch die Rückmeldungen, die wir aus dem Markt erhalten, können wir eine einigermaßen zuverlässige Aussage über das nächste Quartal machen, weiter reichende Aussagen lassen sich durch diese Indikatoren nicht erhärten. Wie ich allerdings auch auf unserem letztem Conference Call versichert habe, deuten alle Indikatoren auf eine weitere positive Entwicklung des Marktes. Meine persönliche Einschätzung geht dahin, dass die Industrielle Produktivität und die Entwicklung der globalen Marktwirtschaft in den nächsten Jahren weiterhin für eine positive Nachfrageentwicklung sorgen werden. Natürlich kann dieser Langzeittrend von nicht vorhersehbaren katastrophalen Ereignissen oder Entwicklungen nachhaltig beeinträchtig werden.

Energieeffizienz sowie nachhaltiger Umgang mit Energie und den weltweit zur Verfügung stehenden Ressourcen sind zu Megatrends geworden. Welche Bedeutung haben sie inzwischen für Kemet erreicht?

Das Thema Erneuerbare Energie ist für alle von uns eine große Chance, das gilt im speziellen für Kemet! Wir verfügen nun über die Technologie und die Produktionskapazitäten, um in diesem Bereich eine wichtige Rolle zu spielen. Ich war vor ein paar Wochen in einem Hochgeschwindigkeitszug in China unterwegs. Wir fuhren schneller als 328 km und es hat mich gefreut, dass im Traktionsbereich des Zuges einige Bänke von Kemet-Kondensatoren eingesetzt waren. Wir werden in Zukunft mehr solcher Lösungen sehen und Kemet wird von dieser Entwicklung partizipieren.