Kommentar Kein Grund für Pessimismus

Engelbert Hopf, Chefreporter Markt&Technik

Zuversicht, mit diesem Wort lässt sich die Stimmung in der deutschen Elektro- und Elektronikindustrie wohl am besten umschreiben. Entsprechend optimistisch fallen auch die vorläufigen Prognosen für das neue Jahr aus: Die Erlöse sollen mit 177 Mrd. Euro um 2 Mrd. Euro höher ausfallen als im letzten Jahr.

Positiv sind auch die Einschätzung im Hinblick auf die preisbereinigte Produktion der Branche: Nach einem vorläufig geschätzten Rückgang um 2 Prozent im Jahr 2012 geht der Branchenverband ZVEI für 2013 wieder von einer Steigerung um 1,5 Prozent aus.

Natürlich gibt es für diese Prognosen Rahmenbedingungen. So wird sich diese positive Entwicklung wohl nur einstellen, wenn es den politisch Verantwortlichen gelingt, insbesondere im Euroraum die Tragfähigkeit der Staatsschulden und die internationale Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen. Entscheidend für die positive Marktentwicklung 2013 wird auch sein, dass in Deutschland die Energiewende schnell und erfolgreich umgesetzt wird.

Die dazu nötige Manpower ist vorhanden. Knapp drei Jahre nach der schwersten Nachkriegsrezession in Deutschland hat die deutsche Elektro- und Elektronikbranche mit 848.000 Beschäftigten zum Jahresende 2012 ein 10-Jahres-Hoch erreicht. Seit April 2010 sind damit in der Branche fast 50.000 neue Jobs geschaffen worden. Auch wenn es in einzelnen Branchenbereichen inzwischen Einstellungsstopps gibt, gilt für die Branche als Ganzes nach wie vor: Fachkräfte werden gesucht!

Diese positive Grundhaltung spiegelt sich auch in der jüngsten Entwicklung des Geschäftsklimaindex der deutschen Elektroindustrie wider: Nach zuletzt drei Rückgängen in Folge im Herbst 2012 ist der Index im Dezember des letzten Jahres wieder gestiegen und befindet sich nun wieder leicht im Plus. Damit haben sich sowohl die Beurteilung der aktuellen wirtschaftlichen Geschäftslage in der Branche als auch ihre Erwartungen für die kommenden sechs Monate wieder deutlich verbessert.

Wenig ändern dürfte sich auch in diesem Jahr an der Tatsache, dass die deutsche Elektro- und Elektronikbranche in einem immer höheren Maße von Exporten in den Nicht-Euro-Raum abhängig wird. Speziell von diesen Exporten in Nicht-Euro-Länder dürften auch 2013 die stärksten Impulse für die Entwicklung der Branche ausgehen.

In den nächsten Monaten wird sich zeigen, ob die Zuwächse des letzten Jahres, etwa für Osteuropa (+5 Prozent), Amerika (+9 Prozent) und Asien (+7,5 Prozent) noch weiter zu steigern sind. Ebenso wichtig für die Entwicklung der deutsche Elektro- und Elektronikbranche dürfte aber auch sein, dass es gelingt, die Einbrüche beim Export in den Euroraum, etwa -13 Prozent im Falle Italiens, -11 Prozent nach Spanien, oder -6 Prozent im Handel mit Frankreich, zumindest etwas abzufangen.

Bleibt zu hoffen, dass sich die positive Branchenstimmung nicht als Trugbild erweist. Auch im letzten Jahr hatte man speziell auf eine starke zweite Jahreshälfte gehofft - die blieb aus.

Ihr Engelbert Hopf