Toshiba Memory Kauft Broadcom oder Western Digital?

Flash-Memory-Karten von Toshiba Memory – Boradcom und WD ringen um den Zuschlag für den Kauf der Toshiba-Tochter
Flash-Memory-Karten von Toshiba Memory – Broadcom und WD ringen um den Zuschlag für den Kauf der Toshiba-Tochter

Kurzzeitig schien Broadcom die Nase vorne zu haben, jetzt erhöht WD angeblich das Angebot für Toshiba Memory.

Zusammen mit Kohlberg Kravis Roberts (KKR) und der japanischen Innovation Network Corp. hat sich Broadcom an der Bieterschlacht um Toshiba Memory beteiligt. Das Konsortium will rund 18 Mrd. Dollar für Toshiba Memory bezahlen. Weil es zwischen dem Produktspektrum von Broadcom und Toshiba Memory keine Überschneidungen gibt,  sieht es so aus, als ob die Mutterfirma Toshiba diesem Angebot den Vorzug geben wolle.

Denn Schwierigkeiten mit Anti-Trust-Bestimmungen, die den Verkauf verzögern könnten, würden so erst gar nicht auftauchen. Verzögerungen aber will Toshiba auf jeden Fall vermeiden, weil das Unternehmen sonst die Tokyo Stock Exchange verlassen müsste, was den Anfang vom Ende bedeuten könnte.  

Deshalb betrachtet Toshiba die Aktivitäten des Joint-Venture-Partners Western Digital (WD) mit Argwohn: Denn WD ist über den Zukauf von SanDisk, im ersten Quartal 2017 mit einem Anteil von fast 18 Prozent die Nummer zwei im Markt für NAND-Speicher, gefolgt von Toshiba Memory mit einem Anteil von 16,5 Prozent. Ausgerechnet WD will nun zumindest einen Teil von Toshiba Memory übernehmen.

Das riecht nach Ärger mit den Anti-Trust-Behörden und lässt Verzögerungen befürchten, die Toshiba eben um jeden Preis vermeiden möchte, um schnell verkaufen zu können. Das wiederum sieht WD nicht so: Toshiba könne die Speichersparte nicht einfach ohne Zustimmung des Joint-Venture-Partners WD verkaufen, ein Schlichtungsverfahren vor dem International Court of Arbitration diesbezüglich läuft bereits – und könnte ebenfalls zu Verzögerungen führen.

Toshiba sitzt also in der Klemme. Zumal WD nach Informationen der Japan Times das Angebot noch erhöht und einen Plan vorgelegt hätte, der allzulange Untersuchungen wegen einer Monopolstellung vermeiden würde.  Broadcom und WD kämpfen also verbissen um die Technologieperle Toshiba Memory.

Andere Bieter wie Foxconn scheinen abgeschlagen. Obwohl Foxcon nun angeblich auch Unterstützung von Amazon und Apple erhält, wünschen weder Toshiba noch die Politik eine Übernahme durch Firmen aus Taiwan oder China. Da kann auch ein Kaufpreis von 27 Mrd. Dollar nicht locken. Denn der Verkauf an Foxconn (die sich schon zum nicht geringen Ärger der japanischen Regierung Sharp unter den Nagel gerissen hatte) oder an ein anderes chinesisches Unternehmen  würde aus japanischer Sicht nicht nur einen Gesichtsverlust bedeuten sondern eine konkrete Gefahr darstellen: dass nämlich japanisches Know-how nach China abfließt. Es sieht also so aus, als ob Broadcom und WD mit ihren jeweiligen Konsortien das Rennen unter sich ausmachen werden.