STMicroelectronics Jetzt wird wieder gewachsen

Carlo Bozotti (li.) im Gespräch mit den Markt&Technik-Redakteuren Iris Stroh und Engelbert Hopf

Carlo Bozotti, President und CEO von STMicroelectronics, wird oft angelastet, dass während seiner Amtszeit aus einem sehr erfolgreichen Halbleiterunternehmen ein mittelmäßig bis eher schlecht funktionierendes Unternehmen geworden sei. Markt&Technik fragte ihn, wie er das sieht.

Markt&Technik: 65 Prozent aller Mitarbeiter von ST sind in der Fertigung beschäftigt, ein ziemlich großer Anteil. Wie groß ist der Anteil, den ST von Foundries fertigen lässt?

Carlo Bozotti: Die Fertigung ist ein wichtiger Bestandteil von ST, denn den Großteil fertigen wir selbst. Der Anteil über Foundries liegt vielleicht bei 8 Prozent. Wir fertigen keine Wafer mit 7- oder 10-nm-Prozessen, aber viele andere Sachen: Mikrocontroller mit 28-nm-FD-SOI, Embedded Flash, Spezialitäten mit Sensoren, MEMS, spezielle Bildsensoren, Smart-Power-Produkte, SiC-Produkte. Kurz: Alles was besondere Technologien erfordert, machen wir selbst.

Außerdem bin ich der Überzeugung, dass unsere Digitalfabriken auch finanzielle Vorteile bringen. Denn derzeit steigt die Auslastung, und damit sinken unsere Fertigungskosten deutlich.

Wie sieht die Situation in Crolles aus? Was wird dort jetzt gefertigt?

2013 haben wir in Crolles den Produktmix geändert, nachdem das Geschäft mit Nokia weggebrochen war. Jetzt fertigen wir dort Mikrocontroller mit Embedded Flash, Secure-Mikrocontroller sowie Spezialtechniken wie besondere Bild- und Time-of-Flight-Sensoren und FD-SOI.

2015 und 2016 waren durch große Übernahmen im Halbleitermarkt gekennzeichnet. STMicroelectronics hat sich bislang rausgehalten.

Unsere höchste Priorität lag darauf, die Umstrukturierung des Unternehmens zu vollenden. Nachdem Nokia im Mobilfunkmarkt zusammengebrochen ist und wir aus Wireless ausgestiegen sind, lag unser Fokus erst mal darauf, organisch zu wachsen. Das haben wir erreicht, und es ist wichtig, dass wir jetzt weiter voranschreiten. In der zweiten Jahreshälfte haben alle Produktgruppen im Jahresvergleich zum Wachstum beigetragen. Im vierten Quartal wird der Umsatz um 11,2 Prozent höher liegen als im Vorjahr, und dieses Momentum müssen wir aufrechterhalten, wobei ich fest davon überzeugt bin, dass das möglich ist.

Am mangelnden Geld lag es also nicht?

Nein, finanziell haben wir das Potential, bei den M&As mitzumischen. Wir verfügen über Finanzmittel in Höhe von 2 Mrd. Dollar, haben keine Schulden bzw. sogar 500 Mio. Dollar Netto-Barmittel. Ich halte es aber für kein Problem, dass wir nicht mitmischen. ST investiert nach der notwendigen Umsortierung seiner R&D-Ressourcen – weg von Wireless hin zu Mikrocontrollern und Digital Automotive - rund 1,4 Mrd. Dollar in R&D, das ist viel Geld. TI investiert in gleicher Höhe, wir liegen aber sicherlich über dem Wert, den Renesas investiert. Und auch im Vergleich zu NXP und Freescale zusammen dürften wir gleichauf oder leicht darüber liegen.

Für mich war es wichtig, die Umstrukturierung abzuschließen, dass wir wieder auf Wachstumskurs sind und dass das Wachstum nachhaltig ist. In den Domänen, die wir adressieren, Automotive, Industrial und IoT, setzen wir auf sechs Produktlinien: Automotive-spezifische Komponenten, Power- und Smart-Power-Produkte, Analog und Connectivity und Sensoren, MEMS und spezielle Sensoren, Mikrocontroller, einschließlich Secure-Mikrocontroller, und digitale Produkte wie digitale ASICs und EEPROMs. Das ist ein breites und stabiles Produktspektrum. Und die 1,4 Mrd. Dollar R&D reichen aus, um diese Produkte und Endapplikationen unterstützen zu können.

Wo liegt denn heute der Fokus bei R&D? ST hat ja schon vieles gemacht – Solarzellen, FPGAs etc. – und nur ein kleiner Teil davon ist wirklich auf den Markt gekommen.

Auch das hat sich geändert. Die Solarzellen-Aktivitäten haben wir verkauft, und auch im Speichergeschäft sind wir nicht mehr aktiv. Das war eine sehr wichtige Entscheidung, denn NOR gibt es nicht mehr. Und um NAND-Flash zu fertigen, braucht man DRAMs. Das ist ein weiteres Beispiel für unsere Umstrukturierung.