Kommentar Ist Geld nicht alles?

Heinz Arnold, Chefredakteur Markt&Technik
Heinz Arnold, Chefredakteur Markt&Technik

Wer bekommt den Zuschlag für Toshiba Memory, die Technologierperle von Toshiba?

Während viele großen japanischen Halbleiterhersteller in der Krise stecken, lief für die Speichersparte von Toshiba, die seit April unter Toshiba Memory firmiert, alles blendend. Das Unternehmen zählt zu den Technologieführern unter den NAND-Flash-Speicher-Herstellern weltweit und entsprechend stolz war ganz Japan auf die IC-Schmiede – zumal es eben derzeit wenig Unternehmen der einst blühenden japanischen Halbleiterindustrie gibt, auf die Japan noch stolz sein kann. Weltweit rangiert Toshiba Memory auf Platz zwei unter den  NAND-Flash-Herstellern, nur Samsung ist größer.

Toshiba selber gibt das Tafelsilber sicherlich nicht gerne ab, zumal die Preise für Speicher-ICs seit Mitte letzten Jahres kräftig angestiegen sind. Doch nach dem Bilanzskandal 2015 und der Milliardenpleite der US-Nukleartechnik-Tochter Westinghouse bleibt Toshiba nichts anderes übrig, als Geld aufzutreiben, um die eigene Pleite abzuwenden. Und zwar viel Geld und so schnell wie möglich, denn wenn die marode Finanzsituation bis März 2018 nicht saniert ist, darf Toshiba nicht mehr an der Tokyo Stock Exchange gelistet werden.

Das sollten die 27 Mrd. Dollar, die Foxconn für Toshiba Memory geboten hat, hochwillkommen sein. Doch Foxconn hatte bereits eine andere ins Straucheln geratene japanische Technologieperle übernommen, einst ein führender Hersteller von Displays: Sharp. Das empfanden die japanische Regierung und die Wirtschaft als Schmach. Jetzt scheint sich die „Japan Inc.“ Wieder zusammen zu finden und zu versuchen, eine Übernahme von Toshiba Memory durch Firmen aus Taiwan oder China zu verhindern. Ein Manager von Toshiba hatte laut einer japanischen Zeitung bereits gesagt, das bei dem Verkauf von Toshiba Memory Geld nicht alles sei. Eine angesichts der finanziellen Situation des japanischen Unternehmens eher überraschende Aussage.

Weil auch andere Firmen sich die NAND-Flash-Speicher-Geschäft von Toshiba unter den Nagel reißen wollen, mangelt es an anderen Bietern nicht. Dazu gehören neben Foxconn SK Hynix, Broadcom und Silverlake Partner sowie Kohlberg Kravis Roberts und Bain Capital. Sie bieten jeweils rund 18 Mrd. Dollar. Bain will die Innovation Network Corp. of Japan (INCJ) und die staatseigene Development Bank of Japan (DBJ) beteiligen sowie Toshiba und das Management von Toshiba Memory. So könnte Japan das Gesicht wahren.

Ein Bieter aber unterscheidet sich von allen anderen: Western Digital. Denn Western Digital hatte vor einem Jahr SanDisk übernommen. Der Flash-Speicherartenspezialist betreibt schon seit 17 Jahren  Joint-Ventures zur Fertigung von NAND-Flash-Speicher-ICs mit Toshiba – und will zumindest vor dem Verkauf der von Toshiba Memory um Zustimmung gebeten werden. Dieses Recht billigte Toshiba offenbar nicht zu. Nun sieht sich Western Digital gezwungen, den Fall vor das Chamber of Commerce zur Schlichtung zu bringen. Das zeigt: Western Digital geht es um mehr, das Unternehmen hat selber ein Auge auf Toshiba Memory geworfen. Und 27 Mrd. Dollar will es bestimmt nicht bezahlen. Immerhin habe es sein Angebot nun auf 17,8 Mrd. Dollar erhöht, berichten japanische Medien. Die INCJ und die DBJ sollen zu einem Viertel beteiligt werden.

Wenn Toshiba erst die langwierigen Verhandlungen abwarten will, wird die Zeit knapp, um das Unternehmen noch retten zu können. Da käme doch ein eine Übernahme, unter deren Konditionen Japan sogar noch Einfluss auf das Unternehmen behielte, durchaus gelegen, auch wenn weniger Geld fließen würde. Es käme wohl auf die Entscheidung von INCJ und DBJ an, ob Western Digital zum Zuge kommt.

Weiteres Geld würde der Verkauf der 2011 für 2,3 Mrd. Dollar erworbenen Landis+Gyr in die Kassen spülen. Toshiba hält 60 Prozent an dem Smart-Meter-Spezialisten, die übrigen 40 Prozent gehören der Innovation Network Corp. of Japan. Es ist von einem Verkaufspreis von 2 Mrd. Dollar die Rede. Wie zu hören ist, hatte Toshiba bisherige Übernahmeangebote abgelehnt und setze auf eine Auktion, um den Preis in die Höhe zu treiben. Wenn dem so wäre, müsste Toshiba demnächst die Karten auf den Tisch legen und Bieter nennen. Ist in diesem Fall Geld doch alles?