Kommentar Intels Manufacturing Day – warum wohl?

Heinz Arnold, Chefredakteur der Markt&Technik.

Intel organisiert einen Manufacturing Day, um Moore's Law hochleben zu lassen. Das hat einen Grund.

Ist Prozesstechnik nicht etwas langweilig, überlässt man die Entwicklung von Standard-CMOS-Prozessen nicht besser Foundries? Die verstehen, wie sich die Strukturen auf den ICs kleiner machen lassen, aber die Differenzierung  findet doch auf anderer Ebene statt? Und außerdem: Das Ende von Moore´s Law ist absehbar, die Karten werden neu gemischt. Bedeutet dies auch das Ende für die Halbleitergiganten mit ihren teuren Fabs? Dass sich die Nummer 1 unter den Halbleiterherstellern angesprochen fühlt, wundert nicht. So hat Intel kürzlich mit viel TamTam den Aufbruch in die Artifcial Intelligence verkündet, um seine Zukunftsfähigkeit unter Beweis zu stellen.

Denn viele Experten gefallen sich in der Rolle, das Ende von Intel als Prozessorhersteller für PCs und Server zu verkünden, und das Ende von Moore´s Law gleich mit.

Alles Misverständnisse! Jedenfalls wenn es nach Intel geht. Deshalb hat Intel erstmals einen »Manufacturing Day« veranstaltet, um zu zeigen: All die neuen Buzzwords von Artificial Intelligence über Big Data bis IoT sind Schall und Rauch, wenn die Chips nicht in den neusten Prozesstechniken gefertigt wird. Und um gleich eine Nachricht vorwegzunehmen, die Intel wichtig ist: Das Unternehmen sieht sich dem Wettbewerb drei Jahre voraus.

Was in dieses schöne Bild nicht passen will: Das Ende von Moore´s Law. Zur Erinnerung: Schon Ende der 80er schien es am Ende zu sein, jedenfalls mit optischer Lithografie. Heute wissen wir: Mit vielen Tricks können auch 10-nm-Strukturen mit Hilfe von 193-nm-Licht hergestellt werden. Dass dies gelingt, daran war Intel nicht unbeteiligt.

Da wundert es nicht, dass ausgerechnet die Firma, deren Mitgründer Gordon Moore war, der düsteren Prognose vom Ende des Gesetzes von Moore widerspricht. Physikalische Grenzen? »Vielleicht irgendwann einmal, jetzt aber noch nicht abzusehen!«, sagte ganz cool kein geringerer als Stacy Smith, Executive Vice President von Intel, auf dem Manufacturing Day.

Und cool blieb er auch gegenüber einem weiteren Argument: Das wirtschaftliche Ende von Moore´s Law. Denn das Gesetz, das Moore 1963 gefunden hatte, war ja kein Naturgesetz, sondern setzte Strukturgrößen, IC-Fläche und Kosten in eine Beziehung. Wie alles in der Wirtschaft sollte Moore´s Law deshalb einer Lebenskurve folgen, die – so die These – nun so langsam auslaufe.

Auch da bleibt Stacy Smith – sich seines Prozesstechnik-Vorsprungs von drei Jahren bewusst – ganz cool. Wirtschaftliche Grenzen? Die Vergangenheit habe gezeigt, mit welcher Kreativität die Ingenieure solche Grenzen immer wieder überwunden haben. »Das wird in Zukunft so weiter gehen!«, so Stacy.

Und warum? Nicht zuletzt weil nicht nur das Design der Chips sondern auch  die Fertigung bei Intel unter einem Dach in engem Austausch miteinander und den Wünschen der Anwender stattfinden. Intel wollte auf dem Manufacturer Day zeigen, wie die Rädchen bis hinauf zur Atificial Intelligence ineinandergreifen und dass die Zukunft ohne Vorsprung in der Prozesstechnik nicht denkbar ist.

Vor allem ging es darum, aus Intels Sicht darüber aufzuklären, warum so viele Missverständnisse rund um Moore´s Law und den Aufbruch in neue Welten kursieren. Und warum diejenigen, die sich angeblich um die Zukunft Intels sorgen,  erst mal genau hinschauen sollten. Das nehme ich mir jetzt auch vor und mache mir keinerlei Sorgen um Intel mehr. Das mit der Artificial Intelligence wird bestimmt auch noch hinhauen! Und wenn nicht – als Foundry lebt es sich ja auch ganz gut.