Marktkonsolidierung reduziert die Zahl der deutschen Halbleiterhersteller IDT übernimmt ZMDI

Für 310 Millionen Dollar will IDT das Dresdner Halbleiterunternehmen ZMDI übernehmen. Nach Erhalt der Genehmigungen ist im Dezember mit dem endgültigen Vollzug des Verkaufs zu rechnen.

Am Erhalt der Genehmigungen dürfte kein Zweifel bestehen, wollen doch der Freistaat Sachsen und VR Equitypartner das Angebot von IDT nutzen, um ihren angekündigten Ausstieg aus dem Dresdner Halbleiterunternehmen umzusetzen.

»Aus rein unternehmerischer Perspektive hätten wir das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt nicht verkauft«, stellt denn auch Thilo von Selchow, CEO von ZMDI, klar, »aber wir haben die Entscheidung der maßgeblichen Gesellschafter, dem Freistaat Sachsen und VR Equitypartner, zu respektieren«.

Zum Kontakt mit IDT war es im Rahmen von Lizenzverhandlungen im Bereich Power Management gekommen. Laut einer Mitteilung vom 9. Juni 2015 wollten die beiden Unternehmen damals im Rahmen eines langfristigen Agreements gemeinsam energieeffiziente Power-Management-Lösungen entwickeln. Offenbar haben die Amerikaner über diese Verhandlungen Gefallen an ZMDI gefunden.
Noch im Juni 2015 hatte von Selchow im Rahmen eines „Interviews der Woche“ mit dieser Zeitung einen Verkauf von ZDMI deutlich abgelehnt: »Wir erhalten ja schon heute regelmäßig Übernahmeangebote. Aber wir haben das immer abgelehnt. Warum sollten wir uns jetzt, wo die Entwicklung des Unternehmens so dynamisch voranschreitet, zurückziehen? Glauben Sie mir, wir haben noch einen starken Gestaltungswillen!«

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte nur der Freistaat Sachsen, der 10 Prozent von ZMDI hält, seine Verkaufsabsichten erkennen lassen. Bei den nun aufgerufenen 310 Millionen Dollar ist nun offenbar auch der zweite maßgebliche Gesellschafter schwach geworden. Mit ZMDI übernimmt IDT ein Unternehmen, das in diesem Jahr um mehr als 20 Prozent wächst und aller Voraussicht nach einen Umsatz von über 75 Millionen Euro und einen Gewinn von rund 7 Millionen Euro erzielen wird (2014: 61,1 Mio. Euro Umsatz).

Für das dynamische Wachstum der Jahre 2014/15 waren vor allem Großaufträge aus den Bereichen Automobilsensorik und Mobile Sensing für Consumer-Produkte verantwortlich. Entscheidend für den Wachstumsimpuls ist für von Selchow, »dass wir in den letzten Jahren auf TIER-1-Ebene mit den Marktführern in den jeweiligen Anwendungssegmenten kooperiert haben. Zudem hat sich für uns das „Internet der Dinge“ als nächster Wachstumshorizont erwiesen«.
Die Großaufträge aus den Bereichen Automobilsensorik für Drehraten- und Beschleunigungssensoren sowie Drucksensorik reichen nach Angaben des Vorstands in ihren Umsatzeffekten bis ins Jahr 2025 und bewegen sich im dreistelligen Millionenbereich. Die Markteinführung neuer Produkte sollte ab 2016 das Wachstum noch einem deutlich beschleunigen.

Vor diesem Hintergrund hielt von Selchow noch vor vier Monaten ein Umsatzvolumen für ZMDI im Jahr 2020 von über 200 Millionen Euro für absolut realistisch. Der Freistaat Sachsen und VR Equitypartner verfolgten dagegen offensichtlich kurzfristigere Ziele.

Mit seiner Fokussierung auf die Entwicklung energieeffizienter Lösungen in den Geschäftsfeldern Automotive, Digitales Power Management sowie Sensing und Consumer Sensors ergänzt ZMDI das bisherige Produktspektrum von IDT. »Wir haben im vergangenen Jahr eng mit ZMDI zusammengearbeitet, und die hohe Technologiekompetenz und die starke Kundenbeziehung haben uns sehr beeindruckt«, begründet Gregory Waters, President & CEO von IDT, die Akquisition.
»ZMDI passt hervorragend zu IDT und ergänzt uns ideal. Die Bündelung unserer Stärken bei Technologie, IP und bei Produkten erhöht unsere Leistungsfähigkeit und bietet große Chancen für weiteres Wachstum«, versichert Waters.

IDT hatte im Geschäftsjahr 2015 (Beginn: 1. April 2014) einen Umsatz von 573 Millionen Dollar erzielt (2014: 484 Mio. Dollar). In den ersten beiden Quartalen des laufenden Geschäftsjahres 2016 erreichte das Unternehmen bislang einen Umsatz von 330,4 Mio. Dollar. Da der Umsatz von ZMDI in das laufende Geschäftsjahr eingehen dürfte, scheint für IDT ein Umsatzvolumen von deutlich über 700 Mio. Dollar möglich zu sein.

ZMDI wurde 1961 als »Arbeitsstelle für Molekularelektronik« AME in Dresden gegründet. Im Jahr 1999 übernahm Thilo von Selchow als CEO die unternehmerische Verantwortung. Er transformierte die damalige »Technologieschmiede« in ein modernes Unternehmen mit klarem strategischen Fokus und Wachstumsperspektiven am Weltmarkt. Im Jahr 2000 erfolgte mit der Umwandlung in die ZMD AG die vollständige Privatisierung. Als eines der ersten Unternehmen der Branche trennte sich ZMDI 2007 von der Fertigung und verfolgt seither erfolgreich das Geschäftsmodell der »Fabless Company«.
Näheres über die Hintergründe und die Zukunft von ZMDI als Teil von IDT erfahren Sie im Rahmen des „Interviews der Woche“ in der Ausgabe 47 der Markt&Technik.