IDT und ZMDI: Von der Kooperation zur Übernahme IDT kommt über ZMDI ins Automotive-Geschäft

Thilo von Selchow (ZMDI), Gregory Waters (IDT) (v.l.n.r.). Angesichts der idealen Ergänzung des Produkt- und IP-Portfolios von IDT und ZMDI und der komplementären Geschäftsschwerpunkte sprechen Gregory Waters und Thilo von Selchow bei der Akquisition von ZMDI durch IDT vom „perfect match“.

Für Gregory Waters, CEO von IDT, und Thilo von Selchow, CEO von ZMDI, ist die geplante Übernahme von ZMDI durch IDT ein „perfect match“. ZMDIs Produkt- und IP-Portfolio erweitert IDTs Business-Potenziale

Markt&Technik: Herr Waters, Anfang Juni dieses Jahres hat IDT die „Pink Power Technologie“ von ZMDI lizensiert, jetzt wollen Sie ZMDI für 310 Millionen Dollar kaufen. Das ging schnell!

Gregory Waters: Wir befinden uns seit rund einem Jahr in Gesprächen mit ZMDI, nachdem wir auf ihre hervorragenden Power-Management-Produkte aufmerksam geworden sind. Die Lizenzierungsvereinbarung im Juni war darum nur konsequent. Je weiter die Gespräche jedoch gediehen sind, desto deutlicher wurde für uns, in welch perfekter Weise sich die Produkte und Technologien von ZMDI mit unserem Portfolio ergänzen und uns neue Produktlösungen und Geschäftspotenziale eröffnen. Als dann klar war, dass einige Gesellschafter von ZMDI aussteigen wollen, haben wir zugegriffen.

Herr von Selchow, Sie hatten noch im Juni von ganz anderen Plänen als einem möglichen Verkauf gesprochen. Unter anderem hatten Sie die Möglichkeit eines IPOs erwogen. Was hat sich so schnell verändert?

Thilo von Selchow: ZMDI war und ist in guter Verfassung und befindet sich auf einem wachstumsstarken und profitablen Weg. Alleine in diesem Jahr springt der Umsatz auf 75 Millionen Euro und der Gewinn auf 7 Millionen. Aus rein unternehmerischer Perspektive hätten wir das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt deshalb ganz sicher nicht verkauft, schließlich hatten wir einen starken Gestaltungswillen. Auf Basis der vorhandenen Verträge wären wir in einigen Jahren über die 200-Millionen-Euro-Umsatz-Grenze gekommen. Das hätte ich gerne noch mitgemacht! Deshalb haben wir ja auch die Möglichkeit eines IPO sondiert, mussten da dann aber zurückstecken, weil die Banken uns klar machten, das dieser erst in ein bis zwei Jahren möglich sei. Letztlich mussten wir dann die Entscheidung der maßgeblichen Gesellschafter, dem Freistaat Sachsen und VR Equitypartner, respektieren, sich aus dem Unternehmen zurückzuziehen.

Das Angebot von IDT kam darum zur richtigen Zeit. Unsere Produktportfolios ergänzen sich hervorragend, und IDT bietet die Möglichkeit, unsere vorhandenen und neuen Produkte in die sehr starke Kundenbasis von IDT zu vermarkten. Um ein Beispiel zu nennen: Natürlich waren wir etwa in Gesprächen mit Ericsson, aber wir waren für die als Partner zu klein. Zusammen mit IDT sieht das nun etwa für Ericsson ganz anders aus! Um es kurz zu machen: Wenn ich mir eine Firma hätte vorstellen und wünschen können als neue Heimat für ZMDI, dann IDT. Nach 16 Jahren fällt der Abschied schwer, und man möchte sehen, dass die Geschichte kompetent weiter fortgeschrieben wird.

Herr Waters, Sie haben seit Ihrer Bestellung als CEO bei IDT einige Veränderungen vorgenommen. In welchen Punkten stärkt das Know-how von ZMDI genau das Geschäft und die Zukunftsperspektiven von IDT?


Waters: IDT beschränkt sich heute auf drei große Anwendungsbereiche: High-Performance Computing, Mixed-Signal-Lösungen für Infrastruktursysteme und Consumeranwendungen. Etwa 50 Prozent unseres Umsatzes entfällt auf das Anwendungsfeld High-Performance Computing, denken Sie hier etwa an Interconnect-Lösungen für DDR4-Memory. Das Geschäft mit großen Kommunikations-Infrastrukturanbietern wie etwa Ericsson oder Cisco steuert weitere 40 Prozent zum Umsatz bei. Jeder 4G Call geht durch eines unserer Produkte. Unser bislang kleinster Anwendungsbereich ist die Consumerelektronik mit 10 Prozent. Doch gerade dort erwarten wir über das Thema Wireless Charging in Zukunft die größte Wachstumsdynamik. ZMDI zeichnet sich durch hohe Innovationskraft im Bereich Analog-Mixed-Signal und ausgewiesene Kernkompetenzen in den Feldern Signal Conditioning, Digital Power und Automotive aus.

Ihr Umsatz lag zuletzt bei 573 Millionen Dollar. Durch Ihr dynamisches Wachstum und die ZMDI-Übernahme dürfte er kräftig steigen. Wie wichtig war der europäische Markt bislang für IDT?

Waters: Wir sind in den letzten Jahren um etwa 18 bis 20 Prozent im Jahr gewachsen. Diese Dynamik setzt sich fort. Wir werden darum in unserem seit dem 1. April laufenden Geschäftsjahr 2016 inklusive ZMDI ein Umsatzniveau von deutlich über 800 Millionen Dollar ansteuern. Umsatztechnisch betrug Europas Anteil bislang etwa 15 Prozent. Das wird sich in Zukunft ändern, auch wenn unser Hauptabsatzgebiet weiterhin Asien sein wird. Auf diese Region entfielen bislang 65 Prozent unseres Umsatzes.

von Selchow: Für ZMDI lag mit dem Fokus auf Industrie-, Medizin- und Automotive-Anwendungen der Umsatzschwerpunkt mit etwa 65 Prozent ganz klar auf Europa. Auch wenn wir etwa mit LG und Hyundai in Asien wichtige Kunden haben, eröffnet die starke Präsenz von IDT dort natürlich für unser Portfolio noch einmal ganz andere Möglichkeiten und öffnet neue Türen.