IHS iSuppli IC-Lagerbestände beängstigend hoch

Lagerbestände bei den Halbleiterherstellern als prozentualer Anteil am Gesamtumsatz (Speicher sind nicht inbegriffen).
Lagerbestände bei den Halbleiterherstellern als prozentualer Anteil am Gesamtumsatz (Speicher sind nicht inbegriffen).

Laut IHS iSuppli haben die Lagerbestände bei den Halbleiterherstellern eine alarmierende Höhe erreicht.

Im vierten Quartal ist der weltweite Halbleiterumsatz sequentiell um 0,7 Prozent gesunken. Und auch wenn für das vierte Quartal keine endgültigen Zahlen zu den Lagerbeständen vorliegen, gut können sie auf keinen Fall sein. Denn bereits Ende des dritten Quartals 2012 lagen die Lagerbestände laut iSuppli bei 49,3 Prozent des gesamten Halbleiterumsatzes, das ist der höchste Wert seit dem ersten Quartal 2006.

Sharon Stiefel, Analyst for Semiconductor Market Intelligence bei HIS, führt die hohen Lagerbestände auf fehlende Kaufanreize bei den Endprodukten. In der Weihnachtszeit hätten neue Produkte gefehlt, die den Konsumenten in einer schwierigen Wirtschaftslage trotzdem zum Kauf animiert hätten. Dadurch sei der Umsatz mit Consumer-Elektronik zwei Monate vor Weihnachten nur um 0,7 Prozent gewachsen, der niedrigste Zuwachs seit 2008. Rechnet man noch den schwächelnden PC-Markt dazu, wird klar, warum die Lagerbestände hoch sind.

Stiefel macht allerdings ein paar Unterschiede aus. So ersetzen beispielsweise funktionsreiche Smartphones und Tablets den PC beim Konsumenten. Dementsprechend geht Stiefel davon aus, dass diese Produkte im vierten Quartal 2012 das stärkste Wachstum erreicht hätten. Die Folge davon: Der Halbleiterumsatz für das drahtlose Segment soll um fast 4 Prozent zulegen. Davon profitieren natürlich alle Halbleiter, einschließlich Logik, Analog und NAND-Flash, die in diese Anwendungen wandern. Diese positive Entwicklung soll sich laut Stiefel auch Anfang dieses Jahres fortsetzen.

Im ersten Quartal 2013 sollen laut Stiefel der industrielle Sektor und die Automotive-Elektronik wachsen. Die anderen Absatzmärkte wiederum sollen ihre saisonale Schwäche ebenfalls langsam überwinden können, so dass sie hier eine Erholung für das zweite und dritte Quartal erwartet.

Stiefel betont aber, dass alle Vorhersagen mit einem gewissen Unsicherheitsfaktor behaftet sind, denn die weltweite Wirtschaft zeigt sich instabil. Wenn aber die positive Einschätzung bezüglich des weltweiten Wirtschaftswachstums zutreffen, dann sollte der Halbleiterumsatz im zweiten Quartal um 4 und im dritten Quartal um 9 Prozent zulegen können. Wenn nicht, dann befände sich die Halbleiterindustrie in einer bedauerlichen Überangebotssituation, was zu schmerzhaften Abschreibungen über das Jahr gesehen, führen würde.