Handelsstreit, Bitcoins, Datenzentren IC-Industrie unter Druck?

Falls die Firmen wie Amazon und Facebook nicht mehr so stark in neue Datenzentren investieren und falls die Gewinne beim das Schürfen von Kryptowährungen zurückgehen, könnte das Auswirkungen auf die Nachfrage von ICs nehmen.
Falls die Firmen wie Amazon und Facebook nicht mehr so stark in neue Datenzentren investieren und falls die Gewinne beim das Schürfen von Kryptowährungen zurückgehen, könnte das Auswirkungen auf die Nachfrage von ICs nehmen.

Facebook und Amazon weht der Wind ins Gesicht, Bitcoins kommen unter Druck, USA und China liegen im Clinch. Was bedeutet das für die Halbleiterindustrie?

Facebook und Amazon haben einen hohen Halbleiterbedarf, allein schon wegen des Ausbaus ihrer Datenzentren, was nicht unerheblich zum Preisanstieg von DRAMs beigetragen hat. Zudem setzte über die vergangenen zwei Jahre der Bedarf aus einer ganz anderen Richtung eher unverhofft aber durchaus zum Vergnügen der Chiphersteller ein: Das Schürfen von Kryptowährungen in speziell dafür aufgebauten Datenzenten. Sie werden vor allem in China betrieben, finden sich aber auch an anderen Orten der Welt, wo Energie billig ist und die Temperaturen niedrig, was den Kühlbedarf in Grenzen hält. In Island sollen diese Datenzentren schon so viel Strom verbrauchen wie das gesamte Land alleine.

Die größte Foundry der Welt, TSCM, soll im vergangenen Jahr bereits zehn Prozent seiner Kapazität darauf verwendet haben, ASICs für den Einsatz in Equipment für das Schürfen von Kryptowährungen zu fertigen. Auch andere Halbleiterhersteller wie beispielsweise Samsung fertigen Chips für den Einsatz in Mining-Equipment. Doch wie sich der Markt in diesem besonderen Sektor weiter entwickeln wird, ist derzeit unsicher. Zuletzt lag der Kurs von Bitcoin bei über 6.500 Euro. Noch lohnt sich also das Schürfen.

Den Kryptowährungen stehen allerdings mit Sicherheit weitere Regulierungen bevor, die Zeit des »Wilden Westens«, in der sich die Infrastruktur hinter den Kyrptowährungen stürmisch und im Schatten der Öffentlichkeit sowie staatlicher Aufsicht entwickelt hat, dürften vorbei sein.  Das bedeutet: Der Kryptowährungs-Chip-Boom könnte sich seinem Ende nähern.

Doch zurück zu Amazon und Facebook: Weil die Firmen am mehreren Fronten zu kämpfen haben, steht zu fürchten,  dass sie den rasanten Ausbau ihrer Datenzentren zurückfahren könnten. Dann würde auch die Nachfrage nach Servern und damit nach ICs zurückgehen.

Wer die Auswirkungen solcher Entwicklungen erfahrungsgemäß besonders früh spürt, ist die Equipment-Branche. Hier finden sich die Firmen, die die Maschinen für die Fertigung von Halbleitern herstellen. Bisher lief für sie das Geschäft blendend: Laut WSTS ist der Halbleitermarkt 2017 Jahr um fast 22 Prozent auf einen Umsatz von 412 Mrd. Dollar geklettert. In seinem Sog schoss nach Angaben der Semiconductor Equipment and Materials International (SEMI), des weltweiten Verbands der Equipment-Industrie, der Umsatz mit Maschinen für die Halbleiterfertigung sogar um 37 Prozent auf 56,6 Mrd. Dollar nach oben. Im Februar hatte Applied Materials, die Nummer 1 im Markt, ein Rekordumsatz in Höhe von 4,2 Mrd. Dollar im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2018 (zum Januar 2018) erreicht, das 28 Prozent über dem des Vorjahresquartals lag. Erst kürzlich hatten auch Firmen wie Disco und Tokyo Electron beeindruckende Geschäftsergebnisse veröffentlicht. Das schlägt sich aber nicht in weiter steigenden Aktienkursen nieder: Gegenüber den höchsten Notierungen musste Disco bereits einen Abschlag von 20 Prozent hinnehmen, auch der Kus von Tokyo Electron ist gefallen.

Ähnlich erging es auch Chiphersteller Samsung, nachdem er sehr gute Quartalszahlen verkündet hatte.