Trotz massiver Verkaufsgerüchte IBM investiert 3 Mrd. Dollar in Prozessoren

In letzter Zeit wurde viel darüber spekuliert, dass sich IBM von seiner Halbleitersparte trennen will. Jetzt heißt es dennoch: das Unternehmen will in den nächsten fünf Jahren 3 Mrd. Dollar für zwei Programme in die Hand nehmen, in denen es um die Erforschung und erste Entwicklungen von neuartigen Chip-Technologien geht.

Laut IBM stehen dabei einerseits schnellere und effizientere Prozessoren mit Strukturgrößen von 7 nm und darunter im Fokus. Hier geht es vorwiegend um Ansätze, mit denen die Probleme bei der weiteren Skalierung überwunden werden können. Andererseits soll die Entwicklung von Prozesstechnologien jenseits von Silizium vorangetrieben werden, also die Entwicklung von alternativen Konzepten wie beispielsweise Quantencomputer. Wortwörtlich heißt es in der Mitteilung: »Mit diesen Investitionen will IBM seine Innovationsführerschaft in der Halbleitertechnologie weiter ausbauen.«

In den beiden Forschungsprogrammen werden Wissenschaftler und Ingenieure von den IBM Research Standorten in Albany, Yorktown, Almaden (U.S.A.) und Rüschlikon (Schweiz) zusammenarbeiten. Gemeinsames Ziel ist es, sowohl die Leistungsfähigkeit als auch die Energieeffizienz von Computersystemen um mehrere Größenordnungen zu verbessern. IBM will signifikant in zukunftsorientierte Bereiche investieren, wie zum Beispiel in Kohlenstoff-Nano-Elektronik, Silizium-Photonik und neuartige Speichertechnologien sowie in Architekturen, die Quantum und Cognitive Computing unterstützen. Außerdem wird das Unternehmen seine umfassenden Aktivitäten in der Grundlagenforschung fortführen – etwa in den Bereichen Nanowissenschaften und Quantencomputer.

»Die Frage ist nicht, ob wir die 7-nm-Technologie in die Chip-Herstellung einführen werden, sondern wie, wann und zu welchem Preis“, sagt Dr. John Kelly, Senior Vice President, IBM Research. „IBMs Forscher und Ingenieure können zusammen mit unseren Partnern diese Herausforderungen meistern. Sie arbeiten bereits heute an neuartigen Materialien und Bauelemente, die für zukünftige Cloud- und Big Data-Anwendungen sowie für kognitive Systeme erforderlich sind.« Richard Doherty, Direktor der Technologieforschung bei The Envisioneering Group, ergänzt: »Die Skalierung von Transistoren auf unter 7 nm ist keine einfache Aufgabe. Dafür braucht es ein detailliertes Verständnis der Physik und umfassende Kenntnisse im Bereich der Nanomaterialien. IBM ist eine der wenigen Firmen weltweit, die Forschung auf diesem Niveau und derartige Ingenieursleistungen erbringen kann.«